01.11.2020 - 11:15 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Der Eremit vom Koppelberg in Luhe

Dem letzten Luher Einsiedler auf dem Koppelberg ist sogar eine Straße gewidmet nahe seiner langjährigen Behausung am Koppelberg. Dort stand damals weit außerhalb der Besiedlung bis 1947 eine Eremitenklause.

Einsiedler Arsenius Graf kurz vor seinem Tod.
von Autor SEFProfil

Der erste namentlich bekannte Luher Einsiedler, der Gehorsam, Keuschheit und Armut („als besäßen sie nichts“) gelobte, hieß Michael Kunzmann. Er taucht in einem Visitationsbericht von 1737 auf. Arsenius Graf beschloss die lange Reihe der Eremiten auf dem Koppelberg. Am 1. Mai 1854 in Gebenbach geboren, trat er 1885 in den III. Orden des hl. Franziskus ein und lebte „in sittenreiner Weise“ bereits von 1885 bis 1899 auf dem Koppelberg. Nach 24 Jahren in Allersdorf kehrte er 1923 nach Luhe zurück. Zu seinen Pflichten gehörten der Mesnerdienst in der Nikolauskirche, das Ave-Maria-Läuten dreimal am Tag, das Rosenkranzgebet an Sonn- und Festtagen sowie die Mesneraushilfe in der Pfarrkirche.

Der Eremit tauchte immer wieder in den Straßen Weidens auf. Er war in der Stadt allgemein bekannt. Man sprach von ihm als "da Oasiedl vo Louh." Häufig trug er auf dem Rücken eine Wanduhr, erinnerte sich der Pfarrer in Rente Hans Josef Bösl aus Painten im Landkreis Kehlheim, dessen Mutter aus Weiden stammt. Anscheinend hatte Frater Arsenius auch in Weiden Kunden, deren Uhren er reparierte und von denen er so manches Almosen erhielt.

Bescheidenes Leben

Im Februar 1935 stapfte ein Reporter aus Weiden auf den schneebedeckten Koppelberg und besuchte letztmals den Einsiedler. „Die Haustüre steht offen. Im einzigen Zimmer stehen nur Ofen, Tisch und Bett. Eben ist der Eremit mit dem Feuermachen beschäftigt. Draußen ist es ja bitterkalt. Eine knorrige Gestalt steht vor uns. Das vom Alter tief zerfurchte Gesicht zeigt immer noch markante Züge. Der lange weiße Bart und die braune Kutte kennzeichnen den Einsiedler. Etwas schwerhörig ist er, begeht er doch am 1. Mai seinen 81. Geburtstag. Er holt seine Schnupftabakdose hervor und nimmt eine tüchtige Prise. Das Schnupfen ist übrigens der einzige Luxus, den sich der bescheidene Klausner erlaubt. Ein Tüte Grieß und ein Päckchen Malzkaffee sind die gesamten Vorräte. Hin und wieder gibt es etwas Besonderes, wenn Wohltäter heimlich etwas Essbares vor die Tür stellen. Diese Einfachheit der Lebensführung kann wohl nicht übertroffen werden.“

Bald nach dem Besuch des Zeitungsreporters segnete Arsenius Graf das Zeitliche. Sein Hinscheiden am 6. April 1935, "nachts um elfeinviertel Uhr", meldete Schwester Libertine Sebald bei der Gemeinde. Die Niederbronner Krankenschwester aus Wernberg, die seit 1940 in der Burg wohnte, hatte sich wohl um den kranken Eremiten gekümmert.

Die kleine Kapelle ist ein Überbleibsel der einstigen Klause.

Leichnam ins Tal getragen

Weil der im April noch verschneite Hohlweg mit den Felsenkellern unpassierbar war, trugen kräftige junge Männer den Sarg über die Windleite zur Pfarrkirche hinunter. Nach dem Requiem geleiteten viele Gläubige den Verstorbenen zum Friedhof und vergaßen ihn auch in der Folgezeit nicht. Sein Grab wird nach wie vor vom Oberpfälzer Waldverein gepflegt.

Grab des Einsiedlers auf dem Luher Friedhof

Der 2004 gestorbene Georg Kiener aus Luhe hinterließ Erinnerungen an den Einsiedler. „Der Eremit nahm jeden Morgen an der Messe in der Pfarrkirche teil, und zwar im Einsiedlerstuhl beim Hochaltar. Von dort aus konnte er die Schulkinder beaufsichtigen. Unter seinen strafenden Blicken waren sogar wir Buben andächtig. Nach dem Gottesdienst kehrte er bei gastfreundlichen Marktbewohnern zum Frühstück ein. Bei Prozessionen durfte der Frater als Angehöriger des geistlichen Standes neben dem Pfarrer einherschreiten.“

Jorg-Georg Gruber, Zahnarzt, Maler und Bildhauer, schuf dieses Gemälde an einer Eiche bei der Einsiedlerkapelle.

Koppelberg als Wallfahrtsort

Luhe/Luhe-Wildenau
Tagesablauf des Eremiten:

Als Mitglied der Eremitenverbrüderung Frauenbrünnl-Abbach, die bis heute einem Altvater untersteht, hatte sich auch der Luher Einsiedler Arsenius Graf an die strenge Regel von 1844 zu halten. Sie schrieb folgenden Tagesablauf vor:

  • 4 Uhr aufstehen und Morgengebet
  • 4.30 bis 5 Uhr Betrachtung
  • 5 bis 6 Uhr Matutin und Laudes (Gebetsstunde)
  • 6 bis 11 Uhr Besuch der Messe, Frühstück, Berufsarbeiten und Hausgeschäfte
  • 11 Uhr Mittagsmahl und geistliche Lesung
  • 12 bis 18 Uhr Vesper, Betrachtung und Berufsgeschäfte
  • 18 bis 21 Uhr Abendessen, Rosenkranz und Nachtgebet mit Gewissenserforschung
  • 21 Uhr Bettruhe

 

 

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