Update 11.12.2018 - 09:37 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Heimtückischer Mord am Silberbach

Die Beamten der königlich-bayerischen Gendarmerie-Station Luhe überwachen die Sperrstunde, schlichten Wirthausschlägereien, ermitteln und legen Wilderern das Handwerk. Im Dezember 1951 sind die Polizisten jedoch mehr beschäftigt als üblich.

Die Brücke über den Silberbach, zwei Kilometer südlich von Luhe, war der Tatort am 9. Dezember 1951.
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Die königlich-bayerische Gendarmerie-Station Luhe wurde 1874 gegründet und im Kollerhaus untergebracht. Später zog sie in das Meißnerhaus (heute Marktplatz 17) um, wo sie bis 1961 blieb. Die Beamten kümmerten sich um die öffentliche Ordnung und Sicherheit. Im Dezember 1951 waren die Luher Polizisten schwer beschäftigt, wobei sich die Delikte gravierend unterschieden.

Betrüger aus Wunsiedel

Am Freitag, 7. Dezember 1951, wurde ein 46-jähriger Bauarbeiter aus Wunsiedel von einer Streife festgenommen. Er hatte sich wochenlang herumgetrieben und von Betrügereien gelebt. Gefasst wurde er, als er sich im Rathaus Fahrtgeld zu seinem Heimatort erschwindeln wollte. Nach einer Nacht im Arrestraum beim Hussturm landete er im Landgerichtsgefängnis Weiden, in der heutigen Regionalbibliothek.

Zwei Tage später, am 9. Dezember 1951, störte ein Überfall die sonntägliche Ruhe: Gegen 17.45 Uhr sollte Taxiunternehmer H. den Fahrgast S. von Weiden nach Wernberg befördern. Zwei Kilometer südlich von Luhe kam er aber nur bis zur Brücke über den Silberbach. Dieser entspringt am Nordwesthang des Feistelbergs, mündet in die Naab und bildet die südliche Grenze des Marktes Luhe und des Landkreises Neustadt/WN. Dort ließ S. das Taxi anhalten, verlangte vom Chauffeur vergeblich die Herausgabe der Brieftasche und schoss deshalb hinterrücks auf ihn. Weil sich H. trotz eines Lungensteckschusses zur Wehr setzte und auf der B 15 Autoverkehr drohte, ergriff der Täter ohne Beute die Flucht. Ein Autofahrer aus Richtung Wernberg entdeckte den Schwerverletzten und fuhr schleunigst nach Luhe. Unverzüglich eilten die Polizisten zum Tatort und fanden den angeschossenen Taxifahrer. Vor seinem Abtransport ins Krankenhaus Weiden konnte er den Verbrecher noch detailliert beschreiben: Er sei 1,70 Meter groß, schlank, schwarzhaarig und habe auffallend weiße Zähne. Bekleidet sei er mit einer amerikanischen Hose und einem Reißverschluss-Lumberjack. Alle ärztlichen Bemühungen waren erfolglos: Am Morgen des 11. Dezember erlag Taxifahrer H. seiner Verletzung, weil er zu viel Blut verloren hatte.

Erfolgreiche Fahndung

Unmittelbar nach der Tat leiteten die umliegenden Landespolizeiinspektionen eine Fahndung ein. Aufgrund der ausführlichen Personenbeschreibung und der intensiven Mitarbeit der Bevölkerung konnte der Täter schon am 10. Dezember abends in einem Waldstück zwischen Oberviechtach und Neunburg ausfindig gemacht werden.

Zwar versuchte er noch zu entkommen, doch klickten kurz darauf in einem Bauernhof die Handschellen. Bei der Festnahme trug S. die Tatwaffe nicht mit sich. Er hatte die Pistole in einem Wald versteckt. Bei der ersten Vernehmung stellte sich heraus, dass der 23-jährige Mörder seit 1945 bei der US-Army in Weiden als Hilfsarbeiter beschäftigt war und vor einer Woche seine Kündigung erhalten hatte. Er gestand zwar den Überfall, leugnete aber eine Tötungsabsicht. Am 26. Mai 1952 hatte sich S. vor dem Schwurgericht Amberg für seine Tat zu verantworten. Er war bereits vor der Tat mit einem Amerikaner von Weiden nach Wernberg gefahren und hatte die Silberbachbrücke als geeignet für einen Raubüberfall ausbaldowert. Am 8. Dezember befuhr er mit einem Taxi wieder dieser Strecke. Wo die Straße nahe an die Naab heranführte und eine steile Böschung die Sicht erschwerte, wollte er den Taxifahrer W. berauben. Der Chauffeur ahnte das drohende Unheil und weigerte sich auszusteigen. Zum Glück kam ein Auto entgegen, sodass der Mörder S. floh.

Taxifahrer H. dagegen entging dem Mordanschlag nicht mehr. Ihn engagierte S. gleich am nächsten Tag, um ein drittes Mal nach Wernberg zu fahren. Wie zuvor ließ er am Silberbach anhalten, um auszutreten. Während H. geduldig am Steuer wartete, schlich S. hinter den Wagen und machte die mitgeführte Pistole schussbereit. Anschließend stieg er wieder ein, setzte sich hinter den Chauffeur und verlangte Geld von ihm. Als sich H. weigerte, schoss ihm S. in den Rücken. Der Taxifahrer sank zur Seite und hing halb aus dem Auto. So fand ihn gegen 18 Uhr ein entgegenkommender Autofahrer. S. hatte inzwischen das Weite gesucht.

Lebenslänglich Zuchthaus

Nach zweitägiger Verhandlung verurteilte ihn das Gericht zu 15 Jahren Zuchthaus. Der Staatsanwalt hatte wegen Heimtücke "lebenslänglich" beantragt. Die Zuchthausstrafe wurde in Deutschland 1969 abgeschafft, weil sie wegen ihrer Haftverschärfungen und diskriminierenden Wirkung die Resozialisierung erschwere. Seither gibt es nur noch eine einheitliche Freiheitsstrafe.

87 Jahre sorgte die Gendarmerie- und Polizeistation Luhe für Recht und Ordnung. 1961 wurde sie aufgelöst und in die Großrauminspektion Neustadt/WN eingegliedert. Später kam sie zu Vohenstrauß, 2007 aber wieder zu Neustadt/WN.

Seltsamerweise büßte 18 Jahre nach dem Mord am Silberbach ein anderer Berufskraftfahrer sein Leben ein. Exakt an dieser Stelle wurde ein Fahrschullehrer aus Wernberg bei einem unverschuldeten Frontalzusammenstoß getötet.

Der Straßenabschnitt der B 15 über den Silberbach.

Alfons Baron gehörte zu den letzten Gendarmen in Luhe.

Die Brücke über den Silberbach, zwei Kilometer südlich von Luhe, war der Tatort am 9. Dezember 1951.

Die Grenzsäule beim Silberbach.

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