10.07.2020 - 11:57 Uhr
Luhe/Luhe-WildenauOberpfalz

Seit 750 Jahren ein Markt

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Herzog Heinrich XIII. verlieh Luhe um das Jahr 1270 die Marktrechte. An eine Feier zur 750. Wiederkehr dieses Ereignisses ist in Corona-Zeiten aber leider nicht zu denken. Vor einem halben Jahrhundert war das anders.

Titelblatt der Festschrift von 1970
von Autor SEFProfil

Luhe entwickelte sich am Kreuzungspunkt wichtiger Heer- und Handelsstraßen an einer Furt über die Naab. Erstaunlich oft wechselte es den Namen: 905 erstmals als "Loua" erwähnt, hieß es später unter anderem "Loa", "Luo", "Luge", "Lue" (1280), "Lu" (1287), "Lug" (1420), "Luoge", "Lueg", "Lowe", "Luhl" und "Luhell" (1796). Die reiche Vergangenheit des Marktes Luhe bietet attraktive Gelegenheiten für Festivitäten. Das wohl bedeutendste Ereignis feierten die Einwohner und mit ihnen unzählige Gäste 1970, also vor 50 Jahren: 700 Jahre Markterhebung.

Im opulenten Programmablauf vom 9. bis 13. Juli 1970 standen ein Beat-Abend für die Jugend, zwei Standkonzerte, ein Tag der Offenen Tür bei der Firma Glas-Schöninger, eine Ausstellung heimischer Künstler in der neuen Schule am Koppelberg – beispielsweise mit Erwin Pohl, Georg Gruber, Franz Friedrich und Dr. Hans Zötzl –, ein Feldgottesdienst auf dem Sportplatz, ein Pokalturnier (unter anderem mit der SpVgg Weiden) und ein Heimatabend im Festzelt mit einem Treffen von Städten und Gemeinden aus dem Landkreises Neustadt/WN. Musikalische Einlagen boten dabei die beiden Bundespreisträger beim Wettbewerb "Jugend musiziert“, Siegfried Schwab (Luhe) und Norbert Ziegler (Schirmitz).

Den Höhepunkt bildete der Festsonntag, 12. Juli 1970: Nach einem „schneidigen Weckruf“ zu früher Stunde wurden zahlreiche Vereine samt Fahnen empfangen. Nicht minder herzlich begrüßten die Luher die Schirmherren: Staatssekretär Karl Herold als Vertreter von Bundesminister Egon Franke, Regierungspräsident Ernst Emmerig und Landrat Christian Kreuzer hatten diese Funktionen übernommen. Weil der Platz in der Pfarrkirche wohl nicht ausgereicht hätte, wurde der Festgottesdienst vorsorglich auf den Sportplatz an der Naab verlegt.

Markt am St.-Bartholomäus-Tag

In der Schule referierte anschließend Lehrer Wolfgang Feiner über die Ortsgründung, die Verleihung der Marktrechte durch Herzog Heinrich XIII. um 1270 und deren Bestätigung durch Kaiser Ludwig den Bayern im Jahr 1331. Die Gemeindebürger durften demnach mittwochs einen Wochenmarkt und jährlich zwei Jahrmärkte – einen am Montag in der Osterwoche, den anderen am St.-Bartholomäus-Tag (24. August) – abhalten.

Zusätzlich wurde ihnen die Nutzung des Luher Forstes zugesprochen. Sie umfasste das Holzrecht für den Eigenbedarf und das Weiderecht. Luhe besaß früher die Hochgerichtsbarkeit und verfügte sogar über die gleichen Freiheiten wie Weiden. Nicht unerwähnt ließ der Pädagoge und Geschichtsforscher die schweren Heimsuchungen durch marodierende Soldaten und Katastrophen vor allem im Dreißigjährigen Krieg. Am schlimmsten wütete ein Großbrand am 9. August 1928, der einen Großteil des Marktes in Schutt und Asche legte.

Die Schirmherren verewigten sich anschließend im Goldenen Buch der Jubelgemeinde, das Bürgermeister und Hauptorganisator Andreas Fleischmann vorgelegt hatte. Die Festivitäten gipfelten im historischen Festzug am Nachmittag: Reitenden Herolden und Kutschen mit der Prominenz folgten 15 Wagen mit szenischen Darstellungen aus der Ortsgeschichte. Zu bestaunen waren unter anderem Justitia mit dem Scharfrichter, der Einsiedler auf dem Koppelberg (bis 1935 Arsenius Graf) und ein Nachtwächter mit Hellebarde.

"Jodlerkönig" gastiert

Ausgelassene Stimmung verbreiteten fünf Musikkapellen. „Tausende froh gestimmter Zuschauer säumten die reich geschmückten Straßen des Marktes. Das 2000 Gäste fassende Festzelt war nachher zum Bersten gefüllt. Deshalb gingen die Grußworte im Trubel unter. Freilich muss auch gesagt werden, dass das herrliche Sommerwetter seinen Teil zum Gelingen beigetragen hat“, berichtete Der Neue Tag am 13. Juli 1970.

Der Ausklang am Montag stand im Zeichen einer Totenehrung am Kriegerdenkmal vor der Pfarrkirche und eines Treffens der in Luhe geborenen und tätigen Priester und Ordensschwestern. Außerdem wurden ein Frühschoppen in den Gaststätten und ein großer Heimatabend mit Stars aus Rundfunk und Fernsehen veranstaltet. "Jodlerkönig" Franzl Lang und die populären „Drei Moosacher“ sorgten dabei für eine ausgelassene Stimmung. Die 128 Seiten umfassende Festschrift zum Preis von 3 D-Mark rundete den grandiosen Erfolg ab und stellt bis heute eine wertvolle Geschichtsquelle dar.

Mehr aus der Geschichte von Luhe

Luhe/Luhe-Wildenau
Nachtwächter mit Hellebarde beim Festzug,
Kutschen mit den Ehrengästen beim Festzug.
Herolde kündigen den historischen Festzug an.
Der Markt Luhe auf einer historischen kolorierten Postkarte

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