22.09.2021 - 16:02 Uhr
Luhe-WildenauOberpfalz

Luxusmöbel aus Luhe-Wildenau weltweit gefragt

Vom einzelnen Möbelstück bis zum kompletten Innenausbau einer Villa an der Côte d'Azur: Die Arnold-Möbelmanufaktur in Luhe-Wildenau hat ein breites Spektrum und trotzt dank einer internationalen Klientel auch der Coronapandemie.

Die Geschäftsführer Thomas Wagner (vorne, links) und Martin Kick (vorne, rechts) haben die Arnold-Möbelmanufaktur in den vergangenen zehn Jahren als Global Player auf dem Markt positioniert.
von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Die Arnold-Möbelmanufaktur hat eine bemerkenswerte Geschichte hinter sich: von den Anfängen als Wagnerei um 1897 über eine Schreinerei für Fenster und Türen hin zum heutigen Global Player, der vom einzelnen Möbelstück bis zur Komplettausstattung von Innenräumen, Villen, Museen, Banken, Kliniken, Residenzen oder Jachten ein ungewöhnliches Spektrum abdeckt. Johann Zintl hatte die Wagnerei um die Jahrhundertwende übernommen. Dessen Schwiegersohn Karl Arnold senior stammte aus Waldthurn und baute die Schreinerei in den 1960er Jahren aus. Ab 1972 kümmerte sich sein Sohn, der ehemalige Kreishandwerksmeister Karl Arnold, um die Geschäfte.

Seit 1977 ist der Firmensitz an der Planstraße 20, wo in den folgenden Jahren kontinuierlich erweitert wurde. Zuletzt kam 2019 nach zwei Jahren Bauzeit eine Produktionshalle mit Bürogebäude, Schulungs- und Besprechungsräumen hinzu. 2010/2011 stieg Thomas Wagner für den kaufmännischen Bereich als Geschäftsführer ein und übernahm mit dem seit 1989 im Unternehmen beschäftigten Werkstattmeister Martin Kick die Firma mit damals sieben Mitarbeitern. "Wir haben den Betrieb auf den Kopf gestellt und mit neuer Philosophie neu aufgestellt", sagt Wagner. Heute arbeiten 42 Männer und Frauen in der Möbelmanufaktur. Rechnet man die externen Mitarbeiter "in einem großen Netzwerk" hinzu, sind es fast 80.

"Komplett andere Welt"

Die Firma steht auf mehreren Säulen. Die erste ist die traditionelle Schreinerei, die beispielsweise Brandschutztüren herstellt. In Kategorie zwei gehört der Bereich Industriebau und Ausstattung von Bürogebäuden inklusive Planung, Produktion und Montage. Die beiden weiteren Säulen decken zwei Luxussegmente ab, in denen sich die Möbelmanufaktur eine lukrative Nische geschaffen und einen guten Namen gemacht hat: Residenzausbau sowie der Innenausbau von Jachten. Hier betreten Wagner und Kick mit ihrem Team "eine komplett andere Welt" mit einer "in hohem Maße anspruchsvollen, internationalen Klientel". Eine diskrete und seriöse Abwicklung ist dabei von großer Bedeutung, betont der Geschäftsführer. Mit Erfahrungen aus diversen Projekten und den dazugehörigen Kontakten erfolgte 2013 der Einstieg in die Jacht-Innengestaltung. Dabei sind neben den Oberpfälzern, die zum Beispiel Treppenhäuser, Korridore, Türen oder Decken herstellen, viele weitere Firmen an Bord. Die Boote stehen in Werften in Deutschland, Holland oder Frankreich, die jüngste Jacht wurde in der Coronazeit in Malta fertiggestellt.

Kunden in aller Welt

"Stark entwickelt" hat sich laut Wagner der Residenzausbau. Für eine Villa an der Côte d'Azur ist der komplette Innenausbau mittlerweile mängelfrei abgeschlossen. Für diese Residenz waren rund 60 Transporte in Lieferwagen nötig. Eine "technisch sehr anspruchsvolle" Villa in München ist derzeit in der Planungs- und Konstruktionsphase. In der Landeshauptstadt statten die Oberpfälzer noch Räume des Deutschen Museums mit Möbeln, Vitrinen, Beleuchtung und Sicherheitstechnik aus. Am Spreebogen in Berlin baut das Unternehmen einen Teilbereich des ehemaligen Bundesinnenministeriums um. Weitere Projekte sind in den USA, Großbritannien oder Japan. Die Arnold-Möbelmanufaktur hat aber auch die Raiffeisenbank in Schirmitz, das Bezirksklinikum Wöllershof, das Haus Johannistal, die Eon-Zentrale in Weiden oder das IGZ Falkenberg ausgestattet. In Zusammenarbeit mit Architekten und Designern bleiben kaum Kundenwünsche offen. Bei Oberflächen kommen Beschichtungen mit diversen Lacken, Leder, Stoff, Teflon, Metall, Klavierlack bis hin zu Vergoldungen zum Einsatz.

Die Auftragsvolumen des Unternehmens bewegen sich im Bereich mehrerer Millionen Euro. Umsatzzahlen will Wagner nicht nennen, sie sind aber "sehr, sehr gut". Das war auch während der Pandemie so. 2020 musste allerdings auf Zweischichtbetrieb umgestellt werden, damit die Mitarbeiter nicht in Kontakt kamen, sagt Kick. Vieles war auch im Homeoffice möglich, wie schon vor Corona. Seit Frühjahr wird aber wieder normal gearbeitet, mittlerweile sind auch rund 95 Prozent der Belegschaft geimpft. Von der Krise am Holzmarkt war die Manufaktur ebenfalls nicht so stark betroffen, weil das Material für zwei Großaufträge schon auf Lager war. Generell kauft das Unternehmen Holz auftragsbezogen, erklärt Wagner. "Das ist momentan zwar etwas schwerer, funktioniert aber nach wie vor."

Gute Ausbildung

Das breite Spektrum von der Klassik bis zur Moderne benötigt neben einem modernen Maschinenpark mit hoher Rechner- und Serverleistung auch einen hohen Standard an Personal. Seit der Übernahme wurden 3,2 Millionen Euro investiert, informiert Wagner. 14 Meister, Diplom-Ingenieure und Techniker arbeiten hier. Weil es entsprechende Schreiner auf dem Markt kaum gibt, schnitzt sich die Manufaktur einfach selber welche. Die Lehrlinge von Schreinermeister und Lehrausbilder Daniel Straller gehören seit 2012 stets zu den Innungsbesten, zuletzt 2021 Elia Hammer und Lena Hartmannsgruber (Innung Nordoberpfalz) sowie Maximilian Wilch (Schwandorf). Azubis zu bekommen ist dank Strallers hervorragender Arbeit auch kein Problem, sagt Wagner.

Die gute Ausbildung hat in dem Betrieb schon Tradition. Der ehemalige Kreishandwerksmeister Arnold hatte bis zu seinem Ruhestand vor fünf Jahren 40 Lehrlinge unter seinen Fittichen. Einer davon hat allerdings das Fach gewechselt: Josef Paulus aus Luhe ist heute Stadtpfarrer in Mainburg im Landkreis Kelheim – aber Jesus war ja auch Zimmermann. "Ich bin sehr gerne Schreiner gewesen, das war eine Leidenschaft", berichtet Paulus. Der heute 62-Jährige war von 1974 bis 1977 bei Arnold in der Lehre und anschließend noch zwei Jahre als Geselle. Später ist er allerdings "dem Ruf Gottes gefolgt" und hat "den Weg nie bereut". 1987 machte er das Abitur nach und arbeitete als Theologiestudent in den Semesterferien immer wieder einmal als Schreiner. Seine erste Kaplanstelle war in Schönsee, mittlerweile ist er seit zwölf Jahren Seelsorger in Mainburg.

Schreinerei Wirner in Floß ist 250 Jahre alt

Floss
Hintergrund:

Geschichte der Möbelmanufaktur

  • Johann Zintl übernimmt um 1897 die Wagnerei
  • Zintls Schwiegersohn Karl Arnold senior baut Schreinerei in den 1960er Jahren aus
  • Karl Arnold junior kümmert sich ab 1972 um die Geschäfte
  • seit 1977 Firmensitz an der Planstraße 20
  • 2011 Umfirmierung zur Arnold-Möbelmanufaktur GmbH & Co. KG
  • 2019 Fertigstellung der neuen Produktionshalle

 

 

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