Mähring
21.11.2022 - 15:17 Uhr

Präsentation „Uran am Grenzkamm“ im Gelebten Museum Mähring

Die Ausstellung nimmt erstmals die Zeit des Uranabbaus in der Region in den Blick. Die Eröffnung findet statt am Samstag, 26. November.

Eine Ausstellung des Gelebten Museums Mähring nimmt erstmals die Zeit des Uranabbaus in unserer Region in den Blick. Im Mittelpunkt stehen die Erinnerungen der Bergleute beidseits der Grenze. Wie verlief die Arbeit unter und über Tage? Welche Geräte und Maschinen kamen zum Einsatz? Welche Rolle spielten der Strahlen-, Gesundheits- und Umweltschutz? Und was wusste man damals von der Arbeit auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs?

Vor knapp 40 Jahren endete in der Gemeinde Mähring die Suche nach Uran. Die Untersuchungsschächte „Wäldel“ und „Höhenstein“ am Grenzkamm des Oberpfälzer Waldes wurden 1983 eingestellt, die Hoffnungen auf große Uranvorkommen hatten sich nicht erfüllt. Anfang der 1970er hatte eine Firma aus dem Schwarzwald im Auftrag der Gewerkschaft Brunhilde, einer privaten GmbH aus Niedersachsen, eine Grube bei Mähring betrieben.

Nach der zwischenzeitlichen Stilllegung wurde die Arbeit 1977 wiederaufgenommen und um einen zweiten Standort beim benachbarten Poppenreuth erweitert. Insgesamt rund 40 Bergleute arbeiteten in jeweils zwei Schichten in den beiden Gruben, der Poppenreuther Schacht war fast 300 Meter tief. Maximale Anreicherungen von 600 Gramm Uran pro Tonne Gestein waren am Ende zu unrentabel für den Abbau. Wegen der aufwendigen umweltgerechten Versiegelung der Gruben war in den Medien nun nicht mehr vom „Stiftlandgold“, sondern vom Millionengrab die Rede, heißt es in einer Mitteilung der Museumsfachstelle des Landkreises. Anders war die Situation hinter dem Eisernen Vorhang in der sozialistischen Tschechoslowakei. Nur ein paar Hundert Meter und in Sichtweite von „Wäldel“ befand sich das Uranbergwerk Dylen/Tillenberg mit zwei Schächten von über 1000 Meter Tiefe. Sie gehörten zum Volkseigenen Betrieb Urangruben Zadní Chodov, der in der Umgebung weitere Bergwerke betrieb. Weil die Grube Dylenň im streng bewachten und für die Allgemeinheit gesperrten Grenzstreifen lag, durchliefen die Bergleute eine strenge Kontrolle über ihre politische „Zuverlässigkeit“. Tag und Nacht arbeiteten dort bis zu 150 Personen im Drei-Schicht-Betrieb, das gewonnene Erz ging zur Aufbereitung in die Sowjetunion. Nach der Auflösung des Ostblocks kam auch für die Urangruben Zadní Chodov das Aus, die letzte Grube wurde 1992 stillgelegt.

Die Verantwortlichen haben im Gelebten Museum Mähring viele Objekte, Fotos und Dokumente zusammengetragen. Sie stammen von Bergleuten, aus dem Bergbaumuseum Planá und dem Mineralienmuseum Mähring. In Videointerviews, durchgeführt von der Museumsfachstelle der Ikom Stiftland und mit Unterstützung durch das Centrum Bavaria Bohemia in Schönsee zweisprachig untertitelt, berichten deutsche und tschechische Bergmänner von ihrer Zeit unter Tage. Zur Ausstellungseröffnung kommen sie in Mähring zusammen, um ihre Erinnerungen auszutauschen. Diese findet statt am Samstag, 26. November, von 15 bis 17 Uhr. Die Ausstellung ist bis Juni 2023 zu sehen.

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