Verstaubte Fundstücke in Kunst verwandelt

Ist das Kunst oder kann das weg? Eine Woche lang zog Kunst ins Badehaus Maiersreuth ein. Was fünf Künstler dort geschaffen haben, davon konnten sich am Sonntag interessierte Gäste überzeugen.

Aus altem Schaumstoff Kunst schaffen: Das ist nur ein Beispiel, wie fünf Künstler versuchten, Kunst ins Badehaus Maiersreuth zu bringen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Eine Woche stand das Badehaus Maiersreuth mit einem Künstlersymposium im Zeichen der Experimente. Ob es gefällige Kunst ist oder nicht, was Hans Lankes, Axel T. Schmid, Susanne Neumann, Barbara Sophie Höcherl und Clemens Söllner in dieser Woche geschaffen haben, bleibt den Besuchern überlassen, die sich am Sonntag umgeschaut haben.

Ab 13 Uhr konnten im Rahmen einer Ausstellung die Arbeiten der Künstler besichtigt werden. Bürgermeister Klaus Meyer eröffnete die Präsentation vor recht zahlreichen Gästen. Besonders begrüßte er Anna Toman, die Landtagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, den Chef des Amtes für Ländliche Entwicklung, Thomas Gollwitzer, und Ludwig Bäuml, den Vorsitzenden des Bundesverbandes bildender Künstler Oberpfalz.

Als einer der ehemaligen Mitarbeiter im Badehaus Maiersreuth war Siegfried Wagner gekommen. Er war von Anfang an ab 1989 als erster Physiotherapeut in Maiersreuth tätig. "Ich finde es schön, dass hier wieder etwas passiert", sagte Wagner. Die Besucher konnten sich im gesamten Haus umschauen, wo in verschiedenen Räumen Kunst zu sehen war.

Susanne Neumann, Künstlerin und Vorsitzende des Vereins "Badehaus Maiersreuth", hat als ihre Arbeit den Muglbach umgeleitet und aus alten Wasserleitungsrohren ein Wasserspiel im ehemaligen Kneippbecken gebaut. In ihrem Springbrunnen gönnte sie unter anderem alten Schwimmhilfen aus Styropor ein Comeback. Und auch anderes Material durfte darin schwimmen.

Inspiriert vom Badehaus kreierte Barbara Sophie Höcherl aus Regensburg aus vergilbtem Schaumstoff und Fundstücken plastische Skulpturen, die von der Ferne teils an Steinmetzarbeiten erinnerten. In akribischer Feinarbeit kopierte der Künstler Clemens Söllner aus Nürnberg zwei Kirchenansichten aus Tirschenreuth und Waldsassen, die er als Bilder an einer Wand gefunden hatte, als Holzintarsien. Söllner ist einer der wenigen Künstler, die sich der uralten Intarsien-Kunst widmen.

Bademoden waren das Thema von Hans Lankes aus Regensburg, der einige Beispiele in filigrane 3-D-Bilder umsetzte. Lankes, der auch Bildhauer ist, widmet sich derzeit den sogenannten "Messerschnitten", wofür er nur Karton, Messer sowie Leuchtfarbe benötigt. Axel T. Schmid aus Pirk hat 100 Spiegel aus einer Geschäftsauflösung entlang der Wände im leeren Badebecken aufgereiht, um Spiegelungen zu erzeugen. Im ehemaligen Dampfbad konnten die Gäste beim Betrachten einer Lichtinstallation des Pirker Künstlers aus Lamberts-Glas über Sinn und Unsinn von Kunst sinnieren.

Bürgermeister Klaus Meyer dankte den Künstlern und dem Verein für das Engagement. Er begrüßte es sehr, dass hier wieder Wasser plätschere. Wasser bedeute Leben, und damit sei wieder Leben eingekehrt, sagte er. Meyer stellte Thomas Gollwitzer, den Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung, als den Mann vor, aus dessen Haus die Fördermittel für die Generalsanierung des Badehauses kämen. Dies hier sei ein einzigartiges Projekt in der Region, meinte der Tirschenreuther Amtschef. Der Erfolg sei bereits jetzt gesichert, weil die Künstler und die Kommune gemeinsam dahinter stünden.

Für Gollwitzers nachfolgende Aussage "Aber die Umsetzung braucht Geld. Und das geben wir gern" spendeten die Gäste Sonderapplaus. MdL Anna Toman meinte, das Projekt hole das alte Badehaus zurück ins positive Licht. Die Investition sei gut angelegt. Bürgermeister Klaus Meyer lud die Gäste nach der Eröffnung zur gemeinsamen Feier beim Sommerfest der Feuerwehr Hardeck ein, das zeitgleich am Dorfanger gleich gegenüber des Badehauses stattfand. Vorstandsmitglied Andrea Lamest versorgte die Gäste mit Informationen über die Künstler und die Beweggründe zu den Werken.

Die Künstler, die Vereinsmitglieder, Förderer, Sponsoren und Politiker feierten gemeinsam die erste Ausstellung nach einem Symposium im Badehaus.
Hintergrund:

Alter Charme soll erhalten bleiben

Auch Michael Straus war bei der Ausstellung anwesend. Der Nürnberger ist der zuständige Architekt für die nun anstehende Generalsanierung des Badehauses Maiersreuth. Straus ist ebenfalls Mitglied im neuen Verein „Badehaus“, der das Kunstprojekt vorantreibt. Zu den Sanierungsplänen meinte er, es seien noch Hürden da. Aber er sei zuversichtlich, im dritten Quartal beginnen zu können. Im Badehaus wolle er nur wenige Veränderungen vornehmen. Die Substanz sei weitgehend gut erhalten. Man würde sensibel an die Arbeit gehen, um den Charakter des Gebäudekomplexes nicht wesentlich zu stören. Das Schulhaus müsse einer Generalsanierung unterzogen werden. Aber auch hier werde man erhalten, was möglich sei. „Ich habe mit Leuten aus dem Dorf gesprochen, die von ihrer alten Schulzeit hier schwärmen. Man kann fast den fröhlichen Kinderlärm auf der Treppe noch hören, wenn sie davon erzählen“, so Straus. Bei aller Sensibilität für das Vergangene solle die Architektenarbeit dennoch sichtbar gemacht werden mit modern gestalteten Elementen. Wie das geschehe, das sei noch nicht ausgegoren.

Zur Frage nach den Fördergeldern in Höhe von 1,6 Millionen Euro meinte Straus, mit dieser Summe müsse man leben. Es komme erst einmal darauf an, wie gut die Substanz insgesamt erhalten sei: „Wir wissen natürlich nicht, was geschieht, wenn wir die erste Wand einreißen.“ Völlig abgerissen wird nach seinen Informationen die alte Garage, das Dach wird neu eingedeckt und das komplette Dachgeschoss erneuert. Als wohl größten Posten der Sanierung nannte Straus die sanitären Anlagen. Der teuerste Posten sei die Erneuerung der Haustechnik. Die alten Leitungen müssten raus. Hier sei man angehalten, die gesetzlich vorgegebenen Auflagen zu erfüllen, die sich nach 30 Jahren natürlich wesentlich verändert hätten. „Außerdem wird das Badehaus wieder als öffentliches Gebäude genutzt. Damit sind die Auflagen noch höher“, sprach der Architekt weitere Hürden an. Insgesamt freue er sich auf die Aufgabe, auch als ein Mann, der immer sehr an Kunst interessiert sei.

Architekt Michael Straus hat bereits konkrete Vorstellungen von den Umbauten.
Andrea Lamest und Bürgermeister Klaus Meyer (von rechts) begrüßten auch den ehemaligen Physiotherapeuten Siegfried Wagner und dessen Frau.
Installation von Axel T. Schmid im ehemaligen Dampfbad.
Messerschnitte von Hans Lankes.
Zahlreiche Gäste schauten sich die Ausstellung an.
Aus altem Schaumstoff hat Barbara Sophie Höcherl Skulpturen geformt.
Das alte Schulhaus (links) und das Badehaus sollen bei der Generalsanierung weitgehend ihren Charakter behalten.
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