30.06.2021 - 16:01 Uhr
MantelOberpfalz

Nach Absturz bei Unwetter: Mäusebussard muss zum Röntgen

Glück im Unglück hatte ein Mäusebussard in Mantel. Weil der Raubvogel am Dienstagabend in das stürmische Unwetter geriet und nicht mehr fliegen konnte, brachte ihn die Feuerwehr zum Tierarzt. Die Untersuchungsergebnisse sind eindeutig.

Das Röntgenbild zeigt ein ausgerenktes Ellenbogengelenk beim gefiederten Patienten.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Mit den starken Unwettern am Dienstagabend hatte nicht nur die Feuerwehr, sondern auch ein Mäusebussard in Mantel zu kämpfen. "Vermutlich wurde er von einer Sturmböe erfasst und gegen einen Baum oder Strommast geschleudert", sagt Tierarzt Hubert Reindl aus Moosbach.

Was war geschehen? Nach dem Unwetter in Weiden und großen Teilen des Landkreises Neustadt mit 170 Notrufen bei der Integrierten Leitstelle will Landwirt Friedrich Janner nach seinen Tieren sehen. Der Stall befindet sich etwas außerhalb von Mantel, in Richtung Weiherhammer. Als er dort ankommt, entdeckt er in der Wiese einen Greifvogel. "Er hat versucht zu fliegen, aber es hat nicht geklappt", sagt er. Beim näheren Hinschauen entdeckt er auch das durchnässte Gefieder. "Das Tier war sehr geschwächt", sagt er. Mit einer Decke fängt der Landwirt, der zuvor noch mit der Feuerwehr Mantel im Einsatz war, den Bussard ein, bringt ihn zum Feuerwehrhaus. Dort wird der Greifvogel zunächst in eine Box gesetzt. "Später haben wir den Vogel wieder herausgeholt", blickt Kommandant Timo Krauß zurück. Sie setzen den Greifvogel auf einem Baucontainer ab. Der Flugversuch scheitert. Krauß hält Rücksprache mit der Integrierten Leitstelle.

Röntgenbild bringt Gewissheit

Der Bussard wird zurück in die Kiste gesetzt. Mit Blaulicht macht sich ein Teil der Feuerwehr auf nach Moosbach, zur Tierarztpraxis von Hubert Reindl. Als langjähriger Jäger und Vogelkundler wird er oft um Rat gefragt. "Wenn Vögel nicht mehr fliegen, ist fast immer der Flugapparat verletzt", erklärt Hubert Reindl am Tag nach dem Unwetter. Der Tierarzt hatte schon häufiger mit verletzten Wildvögeln zu tun, sogar einen Uhu hat er schon behandelt. Noch am Abend führt er eine erste Untersuchung durch. "Auf den ersten Blick wirkten die Flügel symmetrisch", sagt Reindl. Ein gutes Zeichen. Um mögliche Knochenbrüche auszuschließen, fertigt er am Mittwoch ein Röntgenbild an. Der Befund: ein ausgerenktes Ellenbogengelenk. "Glück im Unglück", sagt der Tierarzt. "Das verheilt von selbst, wir müssen nicht operieren."

Vier bis sechs Wochen bleibt der Bussard nun bei Hubert Reindl in der Außenvoliere. Dann soll er wieder ausgewildert werden. Gefüttert wird der Raubvogel bis dahin täglich mit Hühnerküken.

Flexibler Lebensraum

Der Mäusebussard zählt zu den häufigsten Greifvogelarten in Deutschland. Wie der Naturschutzbund mitteilt, wählt er als Lebensraum meist Feldgehölze, Waldränder, Alleen oder Einzelbäume aus. Er benötigt offene Flächen wie Schneisen oder Lichtungen in Wäldern oder Felder, auf denen er jagen kann. Meist hält er von einer Sitzwarte, wie einem Zaunpfahl oder Telefonmast Ausschau nach seiner Beute. Nester baut der Greifvogel gerne in hohen Bäumen wie Eichen oder Kiefern. Das Gefieder kann unterschiedlich gefärbt sein. Von fast weiß bis dunkelbraun. Arttypisch ist eine hellere Querbinde, die die etwas dunklere obere Brust und den etwas helleren Bauch teilt. Der Schwanz ist bei allen Farbausprägungen weiß-grau mit grauen, dichten Querbänderungen. Der Vogel kann zwischen 46 und 58 Zentimeter groß werden, die Beine sind gelb.

In der Oberpfalz werden Habichtskäuze angesiedelt

Kulmain

Schwere Unwetter ziehen am Dienstagabend über die Oberpfalz

Weiden in der Oberpfalz
Service:

Erste Hilfe für Vögel

  • Überprüfen: Hat der Vogel äußere Verletzungen? Kann er noch fliegen?
  • Transport zum Tierarzt: großer Karton mit Luftlöchern, Boden mit Handtuch oder Küchenkrepp auslegen
  • Vorsicht bei Jungvögeln: "Manche Arten versorgen ihre flugunfähigen Jungen am Boden", erklärt Tierarzt Hubert Reindl. Das Tier aus sicherer Entfernung mindestens eine Stunde beobachten.
  • Ausnahme: sehr junge, kaum befiederte Jungtiere zurück ins Nest setzten
  • Gefahr durch Katzen oder Straßenverkehr: Jungtiere in der Nähe des Fundorts auf Astgabel oder in einen Busch setzen, Elterntiere suchen bis zu 24 Stunden nach ihrem Nachwuchs

 

 

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