02.04.2020 - 10:00 Uhr
MantelOberpfalz

Eine Oberpfälzer Karriere im 15. Jahrhundert

Der erste Rektor der heutigen Universität München, Christoph Mendel von Steinfels, stammt aus dem gleichnamigen Ortsteil des Marktes Mantel. Er gelangt bis auf den Bischofssitz des Bistums Chiemsee.

Das Stifterblatt im Matrikelbuch der Universität Ingolstadt aus dem Jahr 1472 zeigt Herzog Ludwig IX. (links) und Christoph Mendel von Steinfels (rechts) knieend im Gebet vor der Muttergottes.

Christoph Mendel von Steinfels wurde gegen Ende der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Steinfels bei Mantel, westlich von Weiden, geboren. Sein Vater hatte mit der Förderung von oberpfälzischem Eisen und der Verarbeitung in Hammerwerken einen beträchtlichen Wohlstand erworben. Dieses Vermögen gestattete es ihm, seinem Sohn Christoph eine hervorragende juristische Ausbildung zu ermöglichen. Christoph studierte zuerst in Leipzig und wechselte später an die Universität in Pavia, welche zu dieser Zeit einen ausgezeichneten Ruf insbesondere in den Rechtswissenschaften besaß. Laut einer Urkunde vom 21. April 1472 erwarb Christoph dort den juristischen Doktorgrad.

Danach ging es Schlag auf Schlag: Unmittelbar nach seiner Promotion reiste Christoph über die Alpen nach Ingolstadt. Dort wurde gerade von Herzog Ludwig IX. dem Reichen die erste Universität auf bayerischem Boden gegründet. Christoph wurde am 25. Juli 1472 in Ingolstadt zum ersten Rektor der neuen Universität gewählt.

Als solcher konnte er den weiteren Aufbau und die innere Struktur der Ingolstädter Universität maßgeblich mitbestimmen. Es ist kein Zufall, dass die Universitätsverfassung Ingolstadts in der Frühzeit derjenigen der Leipziger Universität ähnelte, denn Christoph ließ während seiner Amtszeit Erfahrungen aus Leipzig einfließen.

Neben seiner juristischen Lehrtätigkeit zählten zu seinen Aufgaben als Rektor auch die Rechtsprechung innerhalb der Universität sowie die Überwachung der Einzahlung der Immatrikulationsgebühren durch die Studenten. Dieser Tatsache haben wir die einzige überlieferte Darstellung Christophs zu verdanken: Das berühmte "Stifterblatt" im Matrikelbuch Ingolstadts zeigt Herzog Ludwig IX. als Gründer und Christoph als ersten Rektor im roten Talar knieend im Gebet vor der Muttergottes als Patronin der Universität. Unmittelbar darunter folgen im Matrikelbuch die ersten Einschreibungen. Christoph selbst scheint allerdings deutlich weitreichendere Pläne verfolgt zu haben. Noch während seiner Zeit als Dozent in Ingolstadt schloss er sich Wilhelm von Reichenau an, dem Bischof von Eichstätt, der gleichzeitig als Kanzler der Universität fungierte.

Offenbar versuchte Christoph nach dessen Tod 1496 selbst Bischof von Eichstätt zu werden, verlor aber die Wahl völlig chancenlos gegen den aus einer alten Adelsfamilie stammenden Gabriel von Eyb. Christoph protestierte scharf gegen das Wahlergebnis und verlor alle seine Ämter in Eichstätt. Auch die Universität Ingolstadt verließ er.

Daraufhin wechselte Christoph in die Dienste des Salzburger Erzbischofs Leonhard von Keutschach. Dort gelang ihm erneut eine rasche Karriere, als er 1495 zum erzbischöflichen Kanzler ernannt wurde. Das Erzbistum Salzburg erlebte in dieser Zeit eine wirtschaftliche Blüte, die vor allem auf der Förderung von Edelmetall in den Alpen basierte. Dies ermöglichte dem machtbewussten Erzbischof Leonhard unter anderem, die Festung Hohensalzburg erheblich auszubauen und in eine prächtig ausgestattete spätgotische Residenz zu verwandeln, wie sie noch heute zu besichtigen ist. Als erfahrener Verwaltungsjurist war Christoph zweifellos ein wichtiges politisches Instrument bei der Durchsetzung der erzbischöflichen Herrschaft.

1502 erreichte Christophs Karriere ihren Zenit, als er zum Bischof des heute nicht mehr existierenden Bistums Chiemsee ernannt wurde. Die Kompetenzen eines Bischofs von Chiemsee waren jedoch äußerst eingeschränkt. Das Bistum selbst war auffallend klein und völlig vom übergeordneten Salzburger Erzbistum abhängig. So musste Christoph, um ständig zur Verfügung des Erzbischofs zu sein, beispielsweise seinen Wohnsitz dauerhaft in Salzburg nehmen - und damit außerhalb seines eigenen Bistums.

Christoph führte in der Folge zahlreiche Prozesse, um seinen Handlungsspielraum als Chiemseer Bischof zu erweitern, blieb aber erfolglos. Ohnehin blieb seine Haupttätigkeit diejenige des erzbischöflichen Kanzlers in Salzburg. Als typisch spätmittelalterliche Pfründe diente der Posten als Bischof lediglich zur finanziellen Absicherung Christophs. Ein eigenständig handelnder Bischof und Seelsorger im heutigen Sinn ist Christoph nie gewesen. Am 4. Mai 1508 verstarb Christoph Mendel von Steinfels. Sein Grab im Salzburger Dom ging wahrscheinlich beim Bau des neuen barocken Domes verloren.

Es ist nicht bekannt, ob er jemals wieder in seine Heimat Steinfels zurückkehrte. Die von ihm als erstem Rektor entscheidend mit aufgebaute Universität Ingolstadt wurde 1826 in die Landeshauptstadt München verlegt und besitzt heute unter dem Namen "Ludwig-Maximilians-Universität" als eine der größten deutschen Universitäten auch international hohes Renommee.

Obwohl Christoph vor allem als Verwaltungsfachmann im Hintergrund wirkte, wird sein Andenken wachgehalten: Der Markt Mantel setzte ihm 2008 im Ortsteil Steinfels einen Gedenkstein, während 2019 der scheidende Vorsitzende der bayerischen Rektorenkonferenz Wolfgang Herrmann erstmals eine Plakette mit Christophs Familienwappen als Ehrung erhielt.

Zum Autor:
Johannes Hauer ist Historiker. 1988 geboren in Weiden, studierte er in Regensburg mit Abschluss M.A.. Derzeit arbeitet er an seiner Promotion. Seine Forschungsschwerpunkte sind Universitäts-, Regional- und NS-Geschichte.

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