24.06.2020 - 14:00 Uhr
MantelOberpfalz

Seltener Schmetterling: LBV klagt gegen Ortsumgehung Mantel

Stoppt ein Schmetterling die geplante Ortsumgehung bei Mantel? Der Landesbund für Vogelschutz hat Klage eingereicht. Landrat Andreas Meier und Landtagsabgeordneten Stephan Oetzinger weisen die Vorwürfe zurück.

Die geplante Ortsumgehung bei Mantel berührt den Lebensraum des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings. Deshalb klagt der Landesbund für Vogelschutz nun gegen die Pläne.
von Matthias Schecklmann Kontakt Profil

Im Mai bekamen die Pläne für die Ortsumgehung Mantel grünes Licht von der Regierung der Oberpfalz, doch am 24. Juni teilt der Landesbund für Vogelschutz (LBV) mit, dass er Klage beim Verwaltungsgericht Regensburg eingereicht hat. In einer Pressemitteilung erklärt der LBV, dass die knapp 840 Meter lange Trasse das europäische Naturschutzgebiet Haidenaab-Aue durchschneide. Im Bereich der geplanten Straße befinden sich auch Vorkommen des streng geschützten Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings, einer in Bayern besonders seltenen und geschützten Schmetterlingsart.

„Der Bescheid für den Bau der Ortsumgehung Mantel weist erhebliche naturschutzfachliche Mängel auf“, begründet Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV die Klage seines Verbands. „So wurde die von den Naturschutzbehörden geforderte Prüfung zu Auswirkungen der Trasse auf die Vorkommen des Ameisenbläulings nicht vorgenommen."

Grünes Licht für Ortsumgehung Mantel

Mantel

Ein Fachbericht zu den Auswirkungen der Planung auf Fließgewässer und Grundwasser sei zwar erstellt, aber nie öffentliche ausgelegt worden. Der LBV sieht darin einen schwerwiegenden Verfahrensfehler, genauso in der fehlenden Umweltverträglichkeitsprüfung. „Man kann von Behörden durchaus erwarten, dass sie naturschutzrechtliche Vorgaben in Planungsverfahren vollumfänglich berücksichtigen. Wir werden uns daher sicher nicht den Schwarzen Peter als Verhinderer zuschieben lassen“, erklärt der LBV-Vorsitzende.

Landrat Andreas Meier weist die Vorwürfe zurück. "Bei der geplanten Ortsumgehung Mantel handelt es sich um das bestgeprüfte Tiefbauprojekt, das der Landkreis jemals geplant hat", teilt er auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien mit. Über mehr als ein Jahrzehnt seien elf verschiedene Varianten einer möglichen Trasse sowie der Ausbau der bestehenden Ortsdurchfahrt ausführlich und stets strikt nach den Vorgaben der Höheren Naturschutzbehörde sowie der einschlägigen gesetzlichen Vorschriften zum Umwelt- und Naturschutz untersucht und geplant worden. "Alleine hieraus ist deutlich erkennbar, welches überaus hohe Gewicht eben gerade dem Natur- und Umweltschutz hier eingeräumt wurde und wird. Wie man hier nun das Gegenteil behaupten kann erschließt sich mir nicht", erklärt der Neustädter Landrat.

Auch der Landtagsabgeordnete und frühere Manteler Bürgermeister Stephan Oetzinger erklärt auf Nachfrage, dass das Bauamt und das beauftragte Planungsbüro das Projekt gerade im Hinblick auf den Naturschutz sehr intensive geprüft hätten. "Die Ortsumgehung Mantel ist Teil einer großen Verlegung der NEW 21. Hier ist Mantel das letzte Nadelöhr. Den Vorwurf, dass naturschutzrechtliche Vorgaben teilweise nicht berücksichtigt wurden, kann ich nicht so stehen lassen", erklärt er.

Bei der geplanten Ortsumgehung Mantel handelt es sich um das bestgeprüfte Tiefbauprojekt, das der Landkreis jemals geplant hat

Landrat Andreas Meier

Landrat Andreas Meier

Der Naturschutzverband kritisiert außerdem, dass im Vorfeld wohl auch erheblicher politischer Druck auf die Behörden ausgeübt worden sei, den Bau der Ortsumgehung auch ohne ausreichende Würdigung des Naturschutzes voranzutreiben. So hätten im Januar 2019 der aktuelle und der frühere Manteler Bürgermeister sowie der Neustädter Landrat in einem Zeitungsbericht erklärt, der Grunderwerb für die Straße sei vollständig abgeschlossen. Man wolle 2020 den Spatenstich vornehmen. Aus Sicht des LBV sei das wohl eher politisches Wunschdenken. Der LBV ist selbst betroffener Grundstückseigentümer und nicht bereit, sein Grundstück für die Trasse zur Verfügung zu stellen. Auf welchen Zeitungsbericht sich der LBV bezieht, ist nicht näher ausgeführt. Oberpfalz-Medien hatte im Januar berichtet, dass laut dem Leitenden Baudirektor Henner Wasmuth alle Voraussetzungen erfüllt sind, so dass der Planfeststellungsbeschluss für die Ortsumgehung von Mantel gefasst werden kann.

Ortsumgehung Mantel: Hoffnung auf Spatenstich in 2020

Mantel

"Auch das ,Schutzgut Mensch', also die lärm- und verkehrsgeplagten Bürgerinnen und Bürger von Mantel, haben es verdient, dass man ihre Belange mit dem entsprechenden Nachdruck vertritt, was ich aus Sicht des Landkreises nochmals unterstreiche", erklärt Landrat Meier dazu. In diese Kerbe schlägt auch Landtagsabgeordneter Oetzinger und rechnet mit einer Verzögerung der Baumaßnahmen. "Es ist das gute Recht des LBV zu klagen, aber er muss sich schon vorwerfen lassen, damit für erhebliche Verzögerungen bei den Baumaßnahmen zu sorgen. Die Unterstellung erheblichen Druck auf Behörden ausgeübt zu haben, weise ich zudem klar zurück", sagt der ehemalige Bürgermeister.

Mantels aktueller Bürgermeister Richard Kammerer zeigt sich enttäuscht von der Entwicklung: "Seit 1984 wird über eine Umgehung geredet. Auch im Marktgemeinderat herrscht ein breiter politischer Wille für das Projekt. Ohne Umgehung ist der Verkehr eine Zumutung. Die Manteler Bürger sollten nicht länger vertröstet werden." Zudem weist er auch darauf hin, dass das Scheitern der Ortsumgehung auch Auswirkungen auf die Entwicklung des Ortes habe. "Wir wollen unseren Marktplatz weiterentwickeln und mit einer Umgehung ergeben sich einfach neue Möglichkeiten", erklärt Kammerer.

Info:

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling

Die Hauptlebensräume des Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläulings in Bayern sind Pfeifengraswiesen, Feuchtwiesen, Glatthaferwiesen und feuchte Hochstaudenfluren, teilt das Landesamt für Umwelt mit. Ein Besonderheit sind die Larven und Raupen des Schmetterlings. Die Eiablage erfolgt ausschließlich in die Blütenköpfe des Großen Wiesenknopfs. Nach dem Schlupf bohrt sich die Raupe ein und frisst die Blüte von innen. Im vierten Larvenstadium verlässt die Raupe die Pflanze und vollzieht ihre weitere Entwicklung in Nestern bestimmter Ameisenarten. Als Hauptwirt fungiert die Rote Knotenameise. Die Vorkommen der Wirtsameisen sind ein begrenzender Faktor für Vorkommen und Populationsgröße des Falters. In den Ameisennestern ernähren sich die Raupen bis zu ihrer Verpuppung im darauf folgenden Frühjahr parasitisch von der Ameisenbrut. Drüsensekrete der Raupe sorgen dafür, dass sie von den Ameisen gepflegt wird. In jedem Ameisenbau können sich bis zu vier Schmetterlingsraupen entwickeln. Nach etwa 355 Tagen schlüpft der Falter. Dieser hat eine Lebenserwartung von circa 10 Tagen. Er fliegt in Bayern von Mitte Juli bis Mitte August.

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