Das Dorf Marchaney wurde im Jahr 1122 erstmals urkundlich erwähnt. Die Ortschaft kann heuer also ihr 900-jähriges Bestehen feiern. Mindestens. Denn im Jahr 1122 findet sich eine erste urkundliche Erwähnung: Ein gewisser Erchengar, Abt des Benediktinerklosters Reichenbach am Regen, bestätigt, die Ortschaft vom Markgrafen Diepold III. als Geschenk erhalten zu haben. Zu diesem Zeitpunkt trägt die Ansiedlung den Namen "Vicus Sanctae Mariae", was in weiteren Urkunden von 1135 und 1182 als "Sancte Marie Wilere" bzw. "Sancte Marienwiler" (eingedeutscht "Sankt Marienweiler") erscheint.
Erst Ende des 14. Jahrhunderts ist im Waldsassener Salbuch von "Marchenay" die Rede, der Weiler umfasst zu dieser Zeit neun Höfe und ist inzwischen im Besitz des noch jungen Klosters Waldsassen. Diese Infos recherchierte Matthias Schmidkonz anlässlich des Jubiläums seines Heimatdorfes unter anderem im historischen Atlas Bayern.
Günstige Lage an Fernstraße
Bereits 1434 ist die Existenz eines Kirchenbaus bezeugt ("Marchnei cum ecclesia") und schließlich ab 1560 findet sich die heutige Schreibweise "Marchaney", welche sprachgeschichtlich auf den Namen von 1122 zurückgeführt werden kann. Die Ersterwähnung vor 900 Jahren macht deutlich, dass Marchaney - rund neun Kilometer südöstlich von Tirschenreuth und am Fuß des Ahornbergs gelegen - zu den ältesten Ansiedlungen im heutigen Stiftland zählt. Die Klostergründung von Waldsassen ist für das Jahr 1133 belegt, Tirschenreuth wird 1134 erstmals urkundlich erwähnt.
Doch folgt man den Überlegungen des Sprachwissenschaftlers A. Gütter, welcher die Bedeutung des Wortbestandteils "Weiler" ("-ey" in Marchaney) im Ortsnamen erforscht hat, so reicht die Entstehungsgeschichte noch deutlich weiter zurück - und zwar in die spätmerowingisch-frühkarolingische Zeit, also etwa ins späte 7. bzw. frühe 8. Jahrhundert. Gütter zählt Marchaney zu den ältesten Orten des ursprünglichen Egerlands ("in regione Egere"). Das Dorf, gelegen an einer wichtigen Fernstraße von Frankenreich über den Main-Raum Richtung Prag, wurde seiner Meinung nach im Zuge von Siedlungsmaßnahmen zur Sicherung der Ostgrenze des fränkischen Staates gegründet.
Reisestation auf dem Jakobsweg
Die Lage an der Fernstraße nach Innerböhmen, die Existenz einer Kirche, die Jakobus dem Älteren geweiht ist, sowie der Hinweis aus dem Jahr 1596 auf drei Herbergsgüter sind überzeugende Indizien dafür, dass Marchaney für böhmische Wallfahrer des Mittelalters bis zur Reformationszeit eine Rolle als Reisestation auf dem berühmten Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Spanien spielte. Herbergen gibt es mittlerweile schon lange nicht mehr, aber bis heute ist das alljährliche Jakobifest um den 25. Juli herum ein zentraler Feiertag im Dorf und darüber hinaus.
Nicht zuletzt ist das Ortsbild geprägt von der beeindruckenden barocken Jakobuskirche aus dem Jahr 1733 mit seinen mächtigen Linden. Das Gotteshaus ist eine Nebenkirche der Pfarrei Schwarzenbach. Das vom Waldsassener Laienbruder Philipp Muttone entworfene und vom Bärnauer Baumeister Philipp Mühlmayer erbaute Gotteshaus entstand auf den Resten der von den Calvinisten im Jahr 1599 völlig zerstörten mittelalterlichen Vorgängerkirche. Zum Innenraum der Jakobuskirche gehören 14 Kreuzwegstationen auf Blech gemalt, die dem Tirschenreuther Kirchenmaler Maurus Fuchs zugeschrieben werden.
Auch das Leonhardifest am 6. November mit seiner traditionellen Pferdesegnung nach dem Gottesdienst (um 10 Uhr) ist ein fester und beliebter Bestandteil im Dorfleben. Das Fest beschließt die Reihe der Gottesdienste im Jahr, die in Marchaney gefeiert werden. Heuer bildet der Abschluss allerdings den Auftakt für eine kleine Jubiläumsfeier der Marchaneyer. Bei einem gemeinsamen Mittagessen kommen aktuelle und ehemalige Dorfbewohner zusammen.
900 Jahre Marchaney
- Jubiläumsfeier am 6. November
- Leonhardi-Gottesdienst um 10 Uhr in der Marchaneyer Jakobuskirche mit Pfarrer Konrad Amschl
- Anschließend Pferdesegnung vor der Kirche
- Danach Jubiläumsfeier der Marchaneyer bei einem gemeinsamen Mittagessen














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