"Eingerichte": Der Gekreuzigte in der Flasche

Für die häusliche Andacht standen in Bauernstuben früher sogenannte "Eingerichte". In der Natur erinnern große Kreuze an die Leidensgeschichte Christi. Etwas ganz Besonderes ist das Umelsdorfer Kreuz.

Für die häusliche Andacht gab es kleinformatige Kreuze mit Arma-Darstellungen, die vielfach wie Buddelschiffe in Flaschen eingerichtet waren, sogenannte „Eingerichte“.
von Josef SchmaußerProfil

Bereits in früheren Jahrhunderten galt es im christlichen Abendland als Aufgabe der Kunst, breiten Volksschichten das Heilsgeschehen näher zu bringen. Die Geschichte der Kreuze mit den Marterwerkzeugen und ihre Verehrung lässt sich von der Schilderung der Leidensgeschichte Jesu in den vier Evangelien ableiten.

Im 13. Jahrhundert wurde die Darstellung der Marterwerkzeuge und der Symbole durch die Strömungen der Mystik ein weit verbreiteter Motivkreis. Die breite Masse des Volkes erlernte zum Großteil erst mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht Anfang des 19. Jahrhunderts das Lesen, so kam den bildhaften Darstellungen eine besondere Bedeutung zu.

So sieht der Gekreuzigte in der Flasche im Ganzen aus.

Die Arma-Kreuze (vom lat. "arma" = Waffe, im deutschen Wort "Armee" ist dieser Wortstamm noch nachweisbar) hatten ihren festen Platz an Wegesrändern und an Wallfahrerpfaden, an Hauswänden, aber auch manchmal in den Herrgottswinkeln der Bauernstuben. Ähnlich dem Kreuzweg sollten sie den Gläubigen helfen, sich in die Leiden Christi zu versenken. Für die häusliche Andacht gab es kleinformatige Kreuze mit Arma-Darstellungen, die vielfach wie Buddelschiffe in Flaschen eingerichtet waren, sogenannte "Eingerichte".

Ein 5,20 Meter hohes und 1,68 Meter breites Kreuz steht am östlichen Ortseingang von Umelsdorf, lange flankiert von zwei großen Ulmen. Sie fielen dem Ulmensterben zum Opfer. Inzwischen wurden Ersatzbäume gepflanzt. Als Aufstellungszeitpunkt wurde zirka 1900 ermittelt, der Anlass konnte nicht mehr festgestellt werden. Als Eigentümerin war 1991 Anna Nübler (Hausname "Pamer") aus dem Ort genannt. Sie ließ das Kreuz 1976 (oder 1978) restaurieren. Nach ihrem Tod wurde der "Pamer-Hof" "zertrümmert". Das Anwesen bekam einen neuen Eigentümer, Harald Hierreth. Auch diese Familie ließ das Kreuz renovieren (2007) und pflegt die Anlage bis heute.

Unter den Symbolen ist ein Bild mit der schmerzhaften Gottesmutter angebracht. Der Spruch am unteren Ende des Kreuzes will dem gläubigen Betrachter die Bedeutung des Todes Christi im Heilsplan Gottes vor Augen führen.

An der Stirnseite des Kreuzes sind vertikal und horizontal Blechstreifen angebracht. Auf sie aufgemalt sind Medaillons in Art einer Perlschnur (Rosenkranz?) mit den Arma-Symbolen. Diese Darstellungsart ist ganz außergewöhnlich und sonst in unserer Heimat nicht verbreitet.

Unter den Symbolen ist ein Bild mit der schmerzhaften Gottesmutter mit folgendem Sinnspruch angebracht: "Sonne, Mond und Sterne preiset den Herrn. Berge u. Hügel u. all ihr Gewächse auf Erden preiset den Herrn. Lobsingt dem Herrn, Feuer u. Hagel, Schnee, Sturm u. ihr wilden u. zahmen Tiere, alles was kriecht u. fliegt. Ihr Menschenkinder erhebet u. lobet IHN, über alles ewiglich. AMEN; RENOVIERT 2007 V. FAM. HIERRETH." Der Spruch am unteren Ende des Kreuzes will dem gläubigen Betrachter die Bedeutung des Todes Christi im Heilsplan Gottes vor Augen führen.

Das Arma-Christi Kreuz in Umelsdorf ist ein Kleinod der Volksfrömmigkeit und eines der wenigen erhaltenen Beispiele für diese historischen Kruzifixe im Landkreis Amberg-Sulzbach. Nur am Ortsrand von Ursulapoppenricht an der ST 2120 und in der Amberger Schulkirche finden Heimatinteressierte diesen Typus.

Jedes der auf dem Kreuz dargestellten Symbole soll als objektivierte Gedächtnishilfe die Gläubigen an die Art der Leiden und an die einzelnen Szenen der Passion erinnern: der Hahn an die dreimalige Verleugnung durch Petrus, die Dornenkrone an die Verspottung nach der Geißelung, der Kelch an das letzte Abendmahl, Schwamm und Lanze an das Sterben Christi am Kreuz, der Leibrock Christi an die Verlosung durch die Soldaten, Leiter und Zange an die Kreuzabnahme, die Laterne an die Gefangennahme im Garten Gethsemane, usw.

Der Volkskundler Christoph Kürzeder schreibt 1995: "Die verschiedenen Andachten zu den Arma, die von der Kirche mit reichen Ablässen versehen waren, galten auch als besonderer Schutz gegen einen plötzlichen, unvorbereiteten Tod und als wirksame Hilfe für Gebärende, gemäß dem Motto: Mit diesen ,Werkzeugen' hat Christus seine Passion vollbracht - uns helfen sie zur Erlösung."

Die Erklärung der Arma-Symbole auf dem Kreuz.
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