Kastler Klimatag zeigt auf: Heckenpflege wichtiger Beitrag zum Klimaschutz

Die Marktgemeinde Kastl will klimaneutral werden. An ihrem zweiten Klimatag stellte sie jetzt ein Pilotprojekt vor, das durch gezielte Heckenpflege und Humusaufbau zu mehr Biodiversität und CO2-Neutralität beitragen soll.

Jonas Nelhiebel, Ranger im Naturpark Hirschwald, erläutert beim Kastler Klimatag, wie man Hecken richtig auf Stock setzt.
von Redaktion ONETZProfil

Um Klimaneutralität zu erreichen, hat Kastl zusammen mit dem Unternehmen Pharma Stulln, dem Fachzentrum für Energie und Landtechnik Triesdorf sowie dem Naturpark Hirschwald ein Pilotprojekt auf die Beine gestellt. Ziel ist es, mit Partnern aus der Region den CO2-Ausstoß durch geeignete Maßnahmen zu kompensieren und so mehr Biodiversität und Klimaschutz zu erreichen.

Vorgestellt wurde das Projekt am zweiten Klimatag in der Marktgemeinde, der auf dem Gelände des TuS Kastl stattfand. Unter dem „Sehen, Anfassen und Tun" stand vor allem die Heckenpflege im Fokus. „Wir sind auf dem Weg zur Klimaneutralität“, stellte Bürgermeister Stefan Braun zu Beginn fest. Man habe den Fußabdruck bereits um 50 Prozent – von 477 auf 196 Tonnen jährlich – reduziert. Erste Schritte zur Energieeinsparung waren nach seinen Worten unter anderem die Installierung von Photovoltaik-Anlagen und einer Absorptionsanlage für das Freibad, das Bürgerwindrad, Nahwärme mit Hackschnitzel oder die Anschaffung von Elektrofahrzeugen für den Bauhof. Doch das reiche noch nicht, betonte Braun.

Auf 107 Hektar Ackerflächen soll nach Angaben des Bürgermeisters nun durch gezielten Humusaufbau und intensive Heckenpflege ein weiterer Schritt in Richtung Klimaneutralität und mehr Biodiversität erfolgen. „Bei dem Projekt soll ein Wertschöpfungsmodell entstehen, das auf Freiwilligkeit und Regionalität angelegt ist. Nur so können wir die Klimaalandwirtschaft fördern und langfristig CO2 im Boden binden“, betonet Braun.

Norbert Bleisteiner, der Leiter des Fachzentrums für Energie und Landtechnik Triesdorf, erläuterte die Umsetzung anhand von drei Praxisstationen zum Thema Hecken entlang des Mennersbergs. „Hauptzielsetzung ist es, bestehende digital erfasste Landschaftselemente mit konkreten Pflegemaßnahmen wie der Heckenpflege aufzuwerten“, sagte Bleisteiner. So erfuhren die Besucher an der ersten Station von Isabel Lautenschlager, der Geschäftsführerin des Naturpark Hirschwald, dass Hecken nicht nur Schutz, Nahrung und Brutstätte für Vögel, Insekten und andere Tiere sein können, sondern welche Vorteile sich dadurch auch für den Ackerbau ergeben. Demnach regulieren sie das Kleinklima der Landschaft, halten Wind ab und schützen somit die Erde.

Wie wertvoll die Wurzelbildung von Hecken beim Humusaufbau sein kann, veranschaulichte Michael Tröster vom Fachzentrum für Energie und Landtechnik Triesdorf anhand einer ausgebaggerten Fläche. Laut des Experten bindet die Erde unter einer Hecke 32 Prozent mehr Kohlenstoff, als dies bei Ackerland der Fall ist. Dies müsse man als Chance sehen, auch wenn die Auswirkungen nur sehr langsam fruchten.

Um Hecken dann vital und ökologisch zu halten und somit deren volles Potenzial ausschöpfen zu können, stand vor allem die Pflege im Fokus. Die Hecken dabei regelmäßig auf Stock zu setzen, sei unerlässlich, sagte Jonas Nelhiebel, Ranger im Naturpark Hirschwald. „Nur so können die Hecken wieder neu austreiben und im inneren Platz für Tiere bieten“, betonte er. Zusammen mit der Forstbetriebsgemeinschaft demonstrierten sie mit schwerem Gerät das Zurückschneiden der Hecken, die Feinjustierung mit der Motorsäge oder die seitliche Pflege mit der Astsäge. Geschnitten werden darf nur zwischen Oktober und März und auf Stock auch nur 20 Prozent der Hecke.

Die Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung konzipierte Jonas Nelhiebel. Das Monitoring, also der Blick auf das, was wächst, welcher Aufwand betrieben werden muss und welche Ausfälle es gibt, übernimmt das Fachzentrum in Triesdorf. In drei Jahren, so Bürgermeister Stefan Braun, soll dann Bilanz gezogen werden. Dann, so hofft er, hat die Marktgemeinde Kastl ihr Ziel, nämlich kein CO2 mehr auszustoßen, erreicht.

Kastl startet Projekte zur Biodiversität

Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach

„Bei dem Projekt soll ein Wertschöpfungsmodell entstehen, das auf Freiwilligkeit und Regionalität angelegt ist. Nur so können wir die Klimaalandwirtschaft fördern und langfristig CO2 im Boden binden.“

Stefan Braun, Bürgermeister von Kastl

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.