Ein neuer Anfang für die Klosterburg

Trutzig und ein bisschen stolz steht sie auf dem Felssporn über dem Tal der Lauterach. Die Klosterburg Kastl ist ein optischer Hingucker. Dessen Sanierung lässt sich der Freistaat rund 60 Millionen Euro kosten.

Ziemlich trutzig und auch ein bisschen stolz. So präsentiert sich die Kastler Klosterburg.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Die gute Nachricht gibt es bei der Besichtigung der Klosterburg gleich am Anfang. Der große Parkplatz oberhalb der Anlage mit seinen rund 140 Stellplätzen ist fast fertig. Und auch die Versorgung mit Nahwärme steht. Hackschnitzel aus der zentralen Anlage am Klosterberg werden dereinst in den Unterkünften und Lehrsälen der Fachhochschule der Polizei eine angenehme Wärme verbreiten. Wenn sie denn endlich fertig sind.

Derzeit läuft der Umbau, der am Ende wohl rund 60 Millionen Euro verschlungen haben wird. Viel Geld für eine Sanierung, doch erstens wäre ein Hochschul-Neubau irgendwo auf der Grünen Wiese nach Auskunft von Roman Beer, dem Leiter des Staatlichen Hochbauamts Amberg-Weiden, kaum billiger gekommen. Und die alte Kastler Burg im Besitz des Freistaats hätte doch irgendwann einmal saniert werden müssen.

Bunter Stilmix

Gleich rechts neben dem Haupteingang zeigt Beer gemeinsam mit Christian Kopf, dem Verantwortlichen Beamten für den Landkreis, ein typisches Beispiel dafür, warum die Sanierungskosten von zuletzt 37,4 auf 60 Millionen Euro förmlich explodiert sind. Im gleichen Raum findet sich eine uralte Bohlen-Balken-Decke, die natürlich aufwendig instand gesetzt werden muss neben Stahlträgern, die in den 60er-Jahren eingezogen wurden - und störend wirken.

Gekrönt wird das Ganze von einer historischen Stuckdecke wohl aus dem 18. Jahrhundert, die aus der Zeit der Nutzung als Gericht stammen dürfte. "Die Bausubstanz ist deutlich schlechter als ursprünglich angenommen", sagten die beiden staatlichen Baufachleute. "Oft findet man unter einer abgehängten Decke noch eine solche und darunter jede Menge Asbest." Natürlich wurde vorher befundet, so schildert es Roman Beer.

Doch hier in Kastl könne man praktisch jeden Meter vorher einen Schlitz hauen und direkt daneben trotzdem eine böse Überraschung erleben. Besitzer von Altbauten kennen das - nur eben ein paar Nummern kleiner. Die Klosterburg Kastl war außerdem nicht nur Kloster, sie wurde als Gericht genutzt, beherbergte nach dem Zweiten Weltkrieg Hunderte von Flüchtlingen und wurde nach dem Ungarnaufstand 1956 zu einem Gymnasium für Menschen aus Ungarn, die ihre Heimat verlassen mussten. Für jede neue Nutzung wurde fleißig an- und umgebaut, zuletzt stand das Gebäude dann auch noch gut zehn Jahre leer, was der Substanz auch nicht unbedingt gut getan hat.

Die Klosterburg Kastl in Bildern

Beispiel Kapitelsaal. Ursprünglich der Raum im Kloster, in dem sich die Mönche am Morgen trafen, um ihr Tagwerk zu besprechen, zu diskutieren oder einfach ein Kapitel aus der Ordensregel des heiligen Benedikt zu hören. Das ungarische Gymnasium brauchte aber in den 50er Jahren keinen Kapitelsaal sondern ein Turnhalle. Die Größe passte ungefähr, um die nötige Höhe zu erreichen, wurde der Boden nach unten abgegraben und die alte Holzdecke herausgerissen und in Betonausführung Stück nach oben gesetzt. Ob die den statischen Erfordernissen überhaupt noch entspricht, wird sich herausstellen, jedenfalls entsteht hier ein Multimedia- und Prüfungsraum für die Polizeistudenten.

Jetzt Generalsanierung

"Von der Romanik bis in die 50er und 60er Jahre hinein finden wir fast alle Baustile", bringt es Roman Beer auf den Punkt. Doch der stilistische Mix mit seinen statischen Unwägbarkeiten ist nur ein Problem droben auf dem Burgberg. Pfusch am Bau schon bei der Errichtung der Gebäude sowie die Zeit haben ihre deutlichen Spuren hinterlassen. Die sollen jetzt gründlich beseitigt werden, um nicht in ein paar Jahren schon wieder anfangen zu müssen. Wobei man ja am Anfang der Planungen der Polizei-Hochschule eher von einer Pinselsanierung ausgegangen sei. Vielleicht noch vom Austausch der Böden und der Heizkörper - aber mehr nicht.

Aber so einfach hat es die Kastler Klosterburg ihren Besitzern dann doch nicht gemacht. 2021 sollte alles fertig sein, jetzt wird es wohl eher 2023 werden, bis die letzten Balken saniert, die historischen Decken gerettet und die Einbauten der "modernen" Zeit integriert sind. Die hier einmal lernen, werden von den Mühen und Problemen der Baumeister nichts mehr merken.

Klosterburg Kastl:

Das Jahr 1103 gilt als offizielles Gründungsdatum des Benediktinerklosters in Kastl. Doch auch schon vorher war der Burgberg besiedelt. Funde aus der Hallstattzeit lassen den Schluss zu. Im 8. und 9. Jahrhundert saßen hier die Grafen von Sulzbach, die auch das Kloster gestiftet haben. Das spielte in der Hirsauer Reformzeit eine große Rolle, doch schon 1556 wurde es im Zuge der zunehmenden Calvinisierung der Oberen Pfalz aufgelöst. Mit der Rekatholisierung der Region durch Kurfürst Maximilian erlebte das Kloster von 1636 bis 1773 unter den Jesuiten einen erneuten Aufschwung. Nach dem Verbot des Ordens übernahmen 1782 die Malteser, die bis 1808 blieben. Dann wurde das Kloster säkularisiert, also weltlich. Es folgte eine Zeit als Land- und Amtsgericht, als Polizeistation samt Gefängnis, als Unterkunft des Reichsarbeitsdienstes während der Nazizeit. Hier wurden auch die gestohlenen Kinder der slowenischen Partisanen untergebracht. Noch während des Krieges zogen Flüchtlinge ein, ab 1958 bis 2006 war die Klosterburg Ungarisches Gymnasium, seither ist es ungenutzt.

Mehr über die Kastler Klosterburg

Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach

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