29.12.2020 - 14:55 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Die Ausstellung, die keiner sehen durfte

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In der Weihnachtszeit sollten die Besucher des Egerland-Museums eigentlich seltene Christkindfiguren aus aller Welt bestaunen. Wegen Corona musste die Schau im Verborgenen bleiben.

Museumsleiter Volker Dittmar und seine Mitarbeiter mussten die wertvollen Christkindfiguren wieder einlagern.
von DTRProfil

Eine unschätzbar wertvolle und seltene Ausstellung hat Museumsleiter Volker Dittmar für die Weihnachtszeit in das Egerland-Museum nach Marktredwitz geholt. Prachtvolle Figuren, denen seit Jahrhunderten wundertätige Begebenheiten zugesprochen werden, sollten für Aufsehen sorgen. Im Mittelpunkt hätte das Jesuskind gestanden. Das Museum jedoch durfte im Lockdown nicht öffnen. Die Ausstellung musste wieder abgebaut und auf das kommende Jahr verschoben werden. Die Arbeit war allerdings nicht vergebens. Das Museums-Team gewährt auf dem Weg über die Zeitung Einblicke in die Ausstellung, die niemand sehen durfte.

Die Verehrung der Kindheit Jesu hat eine über tausendjährige Tradition. Nicht nur die bekannte Krippenszene zur Geburt Christi im Stall ist äußerst beliebt. Auch einzelne Figuren des Jesuskindes ohne Maria, Josef, Engel und Hirten zieren viele Wallfahrtskirchen und Privathaushalte. Diese Darstellungen des meist ein- bis dreijährigen Jesus sind nichts anderes als das ab dem 16. Jahrhundert verehrte und angebetete „Christkindl“.

Wie vielfältig diese Skulpturen sein können, wollte das Egerland-Museum zeigen. Über Monate liefen die Planungen für die Ausstellung „Christkindl – geliebt, verehrt und geholfen“. „Allein der Transport der wertvollen und empfindlichen Kunstwerke war ein Kraftakt“, berichtet Museumsleiter Volker Dittmar. Das Team nutzte kühle Tage, um die Exponate nicht zu gefährden. Zahlreiche Vitrinen wurden gebaut, die Beleuchtung perfekt ausgerichtet und zu jeder Figur Hintergrundinformationen recherchiert. Pünktlich zur Fertigstellung schlug jedoch die Corona-Pandemie wieder verstärkt zu. Die Museen mussten schließen.

Eigentlich sollten sich die Christkind-Fans von Dezember bis März an den über 40 Figuren erfreuen können. „Die tollen Stücke wurden von Rosi Bauer vom Christkindl-Wallfahrts-Museum Siegsdorf als Leihgabe an uns übergeben“, erzählt Dittmar. Unter den Exponaten sind mehrere Nachbildungen des berühmten „Prager Jesuleins“, des "Augustinerkindls", des gewickelten "Fatschenkinds" und des Salzburger "Loretokindls".

Jedes der über 40 Gnadenbilder hat seine eigene Geschichte. Schließlich sind manche Figuren über 200 Jahre alt. Auch die Materialien unterscheiden sich enorm. Häufig sind diese Skulpturen aus empfindlichem Wachs hergestellt. Eindringendes Licht lässt die Oberfläche hell wie zarteste Babyhaut erscheinen. In der Sammlung von Rosi Bauer gibt es aber auch Exponate aus Holz und Elfenbein. Mit Glasaugen und Echthaar wirken die Jesuskinder besonders lebensecht. Viel Detailarbeit liegt in der Gestaltung der Bekleidung. Die Röcke, Hemden und Mäntel sind häufig aus Samt und Seide. Zusätzlich werden die Meisterwerke mit Gold- oder Silberdraht und mit Perlen sowie Edelsteinen verziert.

Einige Nachahmungen sind „anberührt“ und gelten somit als „beglaubigte“ Kopien der Originale. Diese Gnadenbilder sind bei Pilgern besonders beliebt. Sie suchen die Figuren auf, um ihre Anliegen vorzutragen, um Heilung von Krankheiten oder den Segen zu erbitten.

Auch Rosi Bauers Liebe zum Christkind wurde von einem Schicksalsschlag und nach einem Gebet um Heilung entfacht. „Meine Tochter kam mit zehn Jahren mit Verdacht auf Leukämie ins Krankenhaus. Im Münchner Krankenhaus wurde sie direkt in die Station zu den krebskranken Kindern ohne Haare gebracht“, erinnert sich die 79-Jährige aus Oberbayern. Die Angst ihrer Tochter sei riesig gewesen. Dann habe sie für ihre Tochter gebetet: „Ich habe versprochen, wenn es gut ausgeht, dann werde ich etwas ganz Besonderes für Kinder machen.“ Dann kam die Erlösung. Es war keine Leukämie, sondern Pfeiffersches Drüsenfieber. So habe sie sich entschieden, ein Jesulein bei der „Aktion Sternstunden“ zu versteigern. So kamen 10 000 Mark für krebskranke Kinder zusammen. „Dieses Jesulein ist ein Teil der Ausstellung. Bald darf es seine Kräfte in Marktredwitz versprühen“, freut sich die Leihgeberin darauf, dass es 2021 klappt.

Imposante Landschaftskrippen zeigte das Egerland-Museum vor einem Jahr

Marktredwitz

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