21.05.2018 - 10:46 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Studienmesse am Otto-Hahn-Gymnasium Beste Karierechancen

Die sechste Studienmesse am Otto-Hahn-Gymnasium zeigt, wie sehr Unternehmen heute Jugendliche umgarnen. Der Fachkräftemangel bedeutet für die Schüler die Qual der Wahl.

Schüler und Unternehmensvertreter führen bei der Studienmesse am Otto-Hahn-Gymnasium viele interessante Gespräche. Bild: fph
von Autor FPHProfil

Wie sich die Zeiten ändern. Als Oberbürgermeister Oliver Weigel vor 28 Jahren am Otto-Hahn-Gymnasium sein Abitur gebaut hat, drückten die Lehrer den Schülern einen Studienführer in die Hand. Viel mehr kümmerte sich die Schule damals nicht um die Studienwahl der Jugendlichen. Allenfalls gab es noch die Studien- und Berufsberatung der Arbeitsagentur. Als Weigel nun die Studienmesse des OHG eröffnete, freute er sich umso mehr über die vielen Aussteller, die in die Aula der Schule gekommen waren, um die Schüler über ihre Angebote zu informieren.

Zum sechsten Mal hat die Schule zusammen mit dem Förderverein des OHG unter Federführung von Lehrer und Vereinsvorsitzendem Sebastian Macht die Messe veranstaltet. Und wie sich zeigt, nutzen diese mittlerweile beileibe nicht mehr nur Hochschulen als Werbeplattform. Vor allem heimische Unternehmen haben sich den Jugendlichen als attraktive Arbeitgeber präsentiert. Und dass die auch für zukünftige Abiturienten interessant sind, zeigte sich fast an jedem Stand.

Als der Schüler den Handschuh überstreift, zittert seine Hand unkontrolliert. Es ist ein sogenannter Tremorsimulator, den das Team der K&S-Seniorenresidenz Marktredwitz dabei hat. "Damit können sich Jugendliche vorstellen, wie es ist, wenn jemand unter Parkinson leidet", sagt Residenzleiter Marcel Klepsch. Altenpflege ist zunächst sicherlich nicht der klassische Berufswunsch eines Abiturienten. "Aber wir bieten eben auch Plätze für den Bundesfreiwilligendienst oder das Freiwillige soziale Jahr an." Über den Zivildienst, den es in Klepsch' Jugend noch gab, ist er auf den Beruf Altenpfleger aufmerksam geworden. Der einstige Abiturient hat sich für eine Ausbildung entschieden und später ein Pflegemanagement-Studium draufgesattelt. Heute leitet er die Seniorenresidenz. "Altenpflege ist zwar psychisch und physisch ein schwerer Beruf, aber sicherlich keine Karriere-Sackgasse."

Duales Studium

Ähnlich ist die Situation im Handwerk und der Industrie. Viele Unternehmen bieten mittlerweile Abiturienten die Chance eines dualen Studiums. Diese hat vor einigen Jahren zum Beispiel Sven Albrecht ergriffen, der heute als Personalreferent des Unternehmens Ceramtec arbeitet. "Ich habe einst bei Rehau eine kaufmännische Ausbildung absolviert und parallel an der Hochschule Hof Betriebswirtschaft studiert." Dieser Weg gilt als Ochsentour, ist aber für viele Arbeitgeber eine Art Ritterschlag für eine verantwortungsvolle berufliche Aufgabe. Wie durchweg alle Arbeitgeber sieht auch Albrecht in seiner täglichen Arbeit, wie real der Begriff Fachkräftemangel ist. "Früher haben sich mehr junge Leute auf Ausbildungsplätze beworben", sagt er. Dies bedeutet, dass auch Jugendliche, die keine Top-Noten vorweisen können, heutzutage eine Chance auf einen Ausbildungsplatz haben. Die meisten Unternehmen haben ihre einst hohen Ansprüche gesenkt.

Um die 500 Schüler des Otto-Hahn-Gymnasiums und der benachbarten Fachoberschule haben die Messe besucht. Auch Johanna und Linda aus der Q11 des OHG informierten sich. Beide haben derzeit eher vage Vorstellungen zu ihren beruflichen Plänen. "Ich könnte mir vorstellen, ein Handwerk zu lernen. Etwas Praktisches zu arbeiten, ist schon cool", sagt Johanna. Ebenso wie ihre Freundin Linda interessiert sie sich auch für soziale Berufe. Wie den beiden geht es vielen der Jugendlichen, die sich an den Ständen beraten ließen. Interessant schien für viele eine Kombination aus Handwerk und Studium. So bietet etwa das Bauunternehmen Markgraf ein Ingenieursstudium, Fachrichtung Bauwesen und Fassadentechnik an.

Polizeihochschule

Enorm viele Chancen gibt es für die Schüler auch "beim Staat". So informiert eine Vertreterin der Polizei über ihre Erfahrungen. Die junge Frau absolviert ein Studium an der Polizeihochschule Fürstenfeldbruck und leistet derzeit ein Praktikum in der Inspektion in Hof. "Ich wollte einen Beruf, in dem man etwas erlebt, mit Menschen zusammenkommt und auch noch Sport eine Rolle spielt. All das gibt es bei der Polizei."

Wer in den öffentlichen Dienst will, sollte als Abiturient am Test des Landespersonalausschusses teilnehmen. Ein erfolgreiches Abschneiden bietet gute Chancen auf eine Karriere im Staatsdienst. Die Polizistin hat nach bestandenem Test noch die Einstellungsprüfung absolvieren müssen und ihren Traumberuf gefunden. So wie Jens Marberg, der beim Finanzamt in Wunsiedel Inspektoranwärter ist. "Die Finanzverwaltung ist weit abwechslungsreicher als ihr Ruf."

Dass der Fachkräftemangel immens ist, erlebt auch Schulleiter Stefan Niedermeier immer wieder. "Häufig sitzen Firmenchefs bei mir im Büro und sagen, ich muss mehr Leute bringen..." Egal wie sich die Schüler auch entscheiden, manchmal spielt das Leben eh völlig anders. So hätte sich Oliver Weigel vor 28 Jahren nicht träumen lassen, dass er einst als Oberbürgermeister in seine Schule zurückkommt. Studiert hat er übrigens Wirtschaftsgeografie.

Die Finanzverwaltung abwechslungsreicher als ihr Ruf.Jens Marberg

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