12.01.2021 - 12:37 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Distanz-Unterricht läuft prima an Realschule Marktredwitz

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Vielerorts ruckelt es noch beim digitalen Unterricht. An der Fichtelgebirgsrealschule haben Lehrer und Schüler schon reichlich Erfahrung mit den neuen Medien gesammelt. Die Umstellungsphase ist erfolgreich bewältigt.

Eine Impression vom digitalen Pressegespräch: Schulleiter Oliver Brandt, die Schulsprecherinnen Lea Brand (obere Reihe) und Selina Paszek sowie Autor Peter Pirner.
von Autor FPHProfil

Von Peter Pirner

Präsenz-, Wechsel- oder Distanzunterricht? Einzelne Schüler, Lehrer oder eine ganze Klasse in Quarantäne? Videokonferenzen, E-Mails oder Mebis? Schulen haben seit März 2020 mit der Corona-Pandemie ganz schön zu kämpfen – so wie viele andere Bereiche in der Gesellschaft. Schule war über viele Generationen hinweg immer an das Gebäude und das persönliche Miteinander gebunden. Eine Umstellung auf Unterricht ohne Anwesenheit kostete viele Anstrengungen. Die Fichtelgebirgsrealschule in Marktredwitz hat diese Phase erfolgreich hinter sich.

Für Schulleiter Oliver Brandt waren dafür mehrere Faktoren entscheidend: „Natürlich brauchten wir zunächst die passende Hardware sowie vernünftige Systeme und Programme.“ Dazu komme eine leistungsfähige Internetverbindung in der Schule, aber auch bei Lehrern und Schülern zuhause. „Das Wichtigste aber ist eine gute Einstellung von Lehrern, Schülern und Eltern zu dieser notwendigen Digitalisierung des Unterrichts. Und die war und ist an unserer Schule jederzeit vorhanden.“

Studienrätin Andrea Ritter ist für die Realschule so etwas wie der „Motor“, der die Ideen liefert und in die Realität umsetzt. Sie war Teamleiterin im Qualifizierungsprozess zur Referenzschule für Medienbildung und ist Mebis-Koordinatorin. Zusätzlich ist sie die Vertreterin aller bayerischen Realschulen im Arbeitskreis Mediencurriculum am Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) in München. Darüber hinaus hat sie ihr postgraduales Masterstudium im Fachbereich Schulmanagement zum Thema „Medienkompetenzen im Lehrplan Plus der bayerischen Realschule“ erfolgreich abgeschlossen. Hauptsächlich aber unterrichtet sie die Fächerkombination Mathematik und Wirtschaftswissenschaften. Eine Frau mit vielen Kompetenzen und Engagement also, und daher genau richtig für die vielen Facetten der Digitalisierung.

„Ich hatte es anfangs nicht erwartet, dass das ganze Lehrerkollegium fast schon leidenschaftlich mitzieht."

Studienrätin Andrea Ritter

„Das war eine gewaltige Anstrengung für unsere Schulfamilie“, berichtet Andrea Ritter im digitalen Pressegespräch. „Ich hatte es anfangs nicht erwartet, dass das ganze Lehrerkollegium fast schon leidenschaftlich mitzieht. Da hat mich gerade mancher ältere Kollege positiv überrascht.“ Beim ersten Lockdown Mitte März 2020 wurden noch hauptsächlich E-Mails und ein buntes Gemisch an Videokonferenz-Systemen eingesetzt. In den Osterferien testete Andrea Ritter ausgiebig Microsoft Teams (MS Teams). Bald darauf kam vom Kultusministerium das Angebot, dieses Tool zu nutzen. Die Realschule nahm es gerne an. „Damit haben wir auf das richtige Pferd gesetzt“, freut sich Schulleiter Oliver Brandt.

Dann startete eine Phase intensiver Einarbeitung. Für die Lehrkräfte wurden zwölf eigene Lernvideos erstellt. Viele nahmen an Fortbildungen der neu gegründeten Stabsstelle für Medienpädagogik an der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung (ALP) in Dillingen und an regionalen Fortbildungen teil. In den Sommerferien setzten sich die Lehrkräfte mit weiteren Online-Tools auseinander, es herrschte ein reger Austausch zwischen den Kollegen. Zu Beginn des Schuljahres erhielten sie dann ihre I-Pads, zur Schulung hierfür gab es eine wöchentliche Info.

Im Laufe der Zeit entwickelten die Lehrer eigene, interne Übungsstunden, in denen sie MS Teams und andere Programme ausprobierten und die Einstellungen für sich optimierten. Und nebenbei konnten sie auch wieder die stark eingeschränkten „Lehrerzimmer-Gespräche“ führen. Auf Anregung der IT-Lehrerin Christina Reingart haben die Lehrkräfte, die in Quarantäne, aber nicht erkrankt waren, ihren Unterricht von zu Hause aus gehalten.

Auch die Schüler wurden eingearbeitet. Im Lernvideo „Max“ erfuhren sie, wie sie ihre Aufgaben direkt in MS Teams bearbeiten können. Als nach der Sanierung die neuen IT-Räume im Hauptgebäude genutzt werden konnten, wurde das Videokonferenztool in den normalen IT-Unterricht integriert. Die Lehrer standen auch außerhalb der Unterrichtszeiten für Fragen zur Verfügung. Eine geduldige Übungspartnerin fand Andrea Ritter in der Schülerin Selina Paszek. „Als sie in Quarantäne war, haben wir beide ausgiebig durchgespielt, wie sich Schüler von zu Hause aus in MS Teams einloggen und arbeiten können."

Wie haben diese umfangreichen Vorbereitungen nun in der Praxis funktioniert? „Gut bis sehr gut“, so beurteilen es die Schülersprecher Lea Brand (8a), Toni Oppl (9b) und Selina Paszek (10a). Toni beschreibt die Situation, als seine ganze Klasse in Quarantäne bleiben musste: „Der Unterricht über MS Teams lief insgesamt prima. Es gab nur bei den Mitschülern Probleme, die keine ausreichend hohe Internetgeschwindigkeit hatten.“ Selina erzählt: „Die Technik hat funktioniert, die Sache war ganz entspannt.“ Sie durfte selbst entscheiden, ob sie die Mathematik-Schulaufgabe kurz nach der Quarantäne mitschreiben wollte. „Ich fühlte mich gut vorbereitet, habe Ja gesagt und sogar eine 1 bekommen.“ Lea urteilt: „Wir mussten viel selbstständiger als sonst arbeiten, aber das konnte man schaffen." Sie freut sich über den Schulbeginn nach den Ferien: "Dann haben wir wieder einen geordneten Tagesablauf, wenn auch im Distanzunterricht.“

Auch von Elternseite wurde die Gestaltung des digitalen Unterrichts anerkannt, es gab kaum Beschwerden. Ein Elternabend in einer zehnten Klasse wurde sogar als Videokonferenz gestaltet und für gut befunden. Insgesamt ist Andrea Ritter mit ihrem Schulleiter einer Meinung: „Es war wichtig, dass alle so prima mitgezogen haben.“ Und sie ergänzt: „Man braucht dazu einen Chef, der klare Vorstellungen hat und den ganzen Prozess bedingungslos unterstützt.“

Die Staatsregierung hat vorerst bis Ende Januar Distanzunterricht angeordnet. „Für diese drei Wochen stellen wir uns fest darauf ein. Alle Voraussetzungen sind getroffen“, unterstreichen Schulleiter Brandt und Lehrerin Ritter.

Mebis wird zwar auch an der Fichtelgebirgsrealschule als Lernplattform genutzt, aber nur ergänzend. „Wir setzen es zum Beispiel zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung ein, aber nicht, um den laufenden Unterricht abzubilden“, sagt Andrea Ritter. „Daher sind wir nicht abhängig von Mebis und können mit der manchmal eingeschränkten Nutzungsmöglichkeit gut leben.“

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