06.08.2021 - 11:50 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Im dritten Anlauf zur Hochzeit

Ein Brautpaar aus Marktredwitz will endlich kirchlich heiraten. An diesem Sonntag soll es im dritten Anlauf so weit sein.

Da war die Welt (fast) noch in Ordnung. Am Silvestertag 2019 haben Romina und Thomas Birner standesamtlich in Marktredwitz geheiratet. Dass sie die kirchliche Trauung zweimal würden verschieben müssen, ahnten sie damals noch nicht.
von Autor FPHProfil

Am Ende liegt alles am Kirchenrecht. Eine katholische Trauung am Sonntag? Ist das erlaubt? So genau können diese Frage nicht einmal gestandene Theologen beantworten. Doch dann die entscheidende Nachricht: Ja, katholische Priester dürfen am Tag des Herrn Paare trauen – auch wenn dies nicht üblich ist. Aber was ist heutzutage schon üblich? Romina und Thomas Birner wollen endlich den kirchlichen Segen, das darf jetzt wirklich nicht am vertrackten Kirchenrecht scheitern. An diesem Sonntag um 13 Uhr soll es so weit sein: in der Neusorger Kirche Patrona Bavariae.

Wenn sich Romina (geborene Pfitzner) und Thomas das Jawort gegeben und sich die Ringe angesteckt haben werden, kann das junge Paar aus Marktredwitz durchatmen. „Das ist jetzt unser dritter Anlauf“, berichtet Romina Birner im Gespräch.

Ringe falsch graviert

Die Pechsträhne der heute 26-jährigen Rechtspflegerin und des 32 Jahre alten Mittelschullehrers nimmt an Silvester 2019 ihren Lauf. „Damals haben wir standesamtlich geheiratet. Vor dem Rathaus stellten wir dann fest, dass unsere Ringe falsch graviert waren. In meinem stand ,Romina’ und in dem von Thomas ,Thomas’“, erzählt die junge Frau. Heute lacht sie darüber. „Wir haben eben die Ringe umgravieren lassen, ist ja kein Drama.“

Corona ist seinerzeit zwar ein Begriff, so richtig ernst nimmt das frisch standesamtlich getraute Paar das seltsame Virus aber nicht. „Wir freuten uns auf den Polterabend und die kirchliche Feier, die wir für 8. August 2020 geplant hatten.“ Längst hat Romina ein edles Brautkleid im Schrank hängen, und die Deko für den Festsaal im Golfhotel Fahrenbach türmt sich in der Wohnung. Die Traukerze mit der Aufschrift 8.8.2020 liegt in einem Schub bereit. „Und auch auf unsere Ringe ließen wir das Datum gravieren.“ Romina und Thomas haben viele gute Freunde und eine große Verwandtschaft. Klar, dass alle, die am schönsten Tag des Lebens dabei sein sollen, schon Monate vorher eine „Save-the-Date-Karte“ im Briefkasten liegen haben.

Richtige Feier undenkbar

Dann kommt Corona, und mit der Pandemie gerät das Leben aus den Fugen. „An eine richtige Feier im August letzten Jahres war natürlich nicht zu denken. Wir hätten zwar heiraten können, aber - Stand damals – ohne Gäste.“ Die Birners sagen die Hochzeit vier Wochen vorher ab.

Hätten sie damit nur wenige Tage länger gewartet... Genau drei Wochen vor dem geplanten Termin lockert der Freistaat wegen der damals niedrigen Inzidenzen kurzfristig die Corona-Bestimmungen auch für Hochzeitsfeiern. „Da war es für eine neuerliche Rolle rückwärts natürlich zu spät. Wir haben uns damals entschieden, im Frühjahr nächsten Jahres zu heiraten“, sagt Romina Birner. Statt mit 80 Gästen zu feiern und ein Menü mit Pfifferlingsrisotto zu schmausen, fahren die beiden „nur standesamtlich Vermählten“ am 8. August 2020 nach Rügen und genießen einen ruhigen Tag.

Neues Jahr, neues Glück. Obwohl im Winter 2020/21 die dritte Corona-Welle in Deutschland wütet, hoffen Romina und Thomas auf den Mai. Am 29. soll es endlich so weit sein. Ein neues Datum ziert die Kerze, und auch der Juwelier hat ganze Arbeit geleistet, den 8.8.2020 mit der Minifeile entfernt und dafür „29.5.2021“ eingraviert. Das Marktredwitzer Paar informiert diesmal seine Gäste nicht mit einer Karte, sondern umweltfreundlich und praktisch per E-Mail.

Erneute Absage

Die Impfkampagne läuft mittlerweile mehr als fünf Monate - wenn auch etwas stockend. Doch das Coronavirus hat Deutschland auch Ende Mai noch fest im Griff. „Es war furchtbar. Wir mussten die Hochzeit erneut absagen und allen Eingeladenen und dem Hotel Fahrenbach Bescheid geben“, sagt Thomas Birner. Mittlerweile kann der Hauptschullehrer die in der Wohnung liegende Deko kaum noch ertragen. Ob all die Herzchen, Kerzengläser, „Mr.-und-Mrs.-Ketten“ und mit Eheringen verzierten Servietten wirklich noch irgendwann benötigt werden? Niemand weiß es wirklich.

Weitere Wochen ziehen ins Land – und endlich sinken die Inzidenzen. So schön dies ist, so heftig ist auf einmal der Ansturm auf die Hochzeitstermine. „Eigentlich wollten wir an einem Samstag kirchlich heiraten, aber das war nicht möglich“, erzählt Romina Birner. Nur noch am Sonntag, 8. August, 13 Uhr, ist ein Termin frei. Egal, sagen sich die beiden Hochzeiter in spe. Doch dann keimen Zweifel auf. „Ist eine katholische Trauung überhaupt an einem Sonntag nach dem Kirchenrecht legal?“

Bundespolizeipfarrer Pater Dr. Benedikt Röder, der die Hochzeit in der katholischen Kirche Patrona Bavariae in Neusorg zelebrieren wird, gibt nach eingehender Recherche Entwarnung. Alles rechtens.

Inzwischen graviert der Juwelier das dritte Datum in die Ringe. Auch die Kerze trägt nun die Aufschrift „8.8.2021“. Je näher der hoffentlich schönste Tag des Lebens rückt, desto hibbeliger wird Romina: „Vor den letzten beiden geplanten Hochzeitsfeiern habe ich täglich mehrmals in die Wetter-App geguckt und gehofft, dass zur Feier die Sonne scheint. Das ist mir mittlerweile egal. Meinetwegen schneit und stürmt es am Sonntag, Hauptsache die Inzidenzen bleiben niedrig und wir dürfen endlich katholisch heiraten.“ Das Brautkleid, das Romina vor zwei Jahren gekauft hat, passt ihr übrigens noch perfekt.

Stefanie Riebl und Sascha Schenkl gaben sich das Jawort in der Kleinen Kappl in Ottengrün

Ottengrün bei Bad Neualbenreuth

„Es war furchtbar. Wir mussten die Hochzeit erneut absagen und allen Eingeladenen Bescheid geben.“

Thomas Birner

 

 

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