22.06.2020 - 14:24 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Gardetanz ohne Körperkontakt

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Die Faschingsgilde Dörflas findet neue Wege in der Coronakrise. Vom Online-Training geht es auf die Wiese. Doch alles ist aufwendiger. Der Auftakt am 11.11. steht in den Sternen.

So sieht es aus, wenn die Gilde der Turnerschaft Marktredwitz-Dörflas via Zoom trainiert. Erst lauschen alle Gardemädchen und die Tänzer den Trainern, dann ist nur noch die Trainerin zu sehen, während die Aktiven im heimischen Wohnzimmer die Schritte für die neue Saison üben.
von Autor FPHProfil

Nach dem Fasching ist vor dem Fasching. Während Otto Normalverbraucher am Aschermittwoch Pappnase und Perücke für das nächste Dreivierteljahr wegpackt, zerbrechen sich die Karnevalsgesellschaften bereits den Kopf darüber, welche Tänze, Kostüme und welche Musik in der kommenden Session für ein fulminantes Feuerwerk auf den Bühnen der fünften Jahreszeit sorgen sollen.

Doch Corona hat auch die Narren jäh gebremst. "Keiner weiß, wie die nächste Saison aussieht, aber wir bereiten uns darauf vor", unterstreicht Benjamin Schenk. Der Präsident der Faschingsgilde Marktredwitz-Dörflas hat zusammen mit den rund 30 Trainern für die 200 Aktiven ein Programm ausgetüftelt, um die Tänzerinnen und Tänzer in Bewegung zu halten.

Mit Handy und Tablet

"Zuerst mussten wir die ganze Situation einmal schlucken", sagt der 27-Jährige nachdenklich. Doch dann rief er per Video-Konferenz über "Zoom" alle Trainerinnen zusammen. "Das Team ist jung und mit der modernen Technik aufgewachsen." Und so scharten sich alle daheim um ihre Laptops, Handys und Tablets, um das weitere Vorgehen zu besprechen. "Wir wollten drei Wochen abwarten, bis alles wieder gut ist. Doch das Gegenteil war der Fall." So gab es für den Nachwuchs das erste Schnuppertraining online. Dann folgten unter der Anleitung der Trainer die ersten Workouts für die Gardemädchen. "Das sind die, die am meisten gefordert sind. Insgesamt haben wir inklusive Weiberballett 200 Aktive im Alter zwischen 3 und 60 Jahren."

Das Team ist jung und mit der modernen Technik aufgewachsen.

Präsident Benjamin Schenk

Benjamin Schenk sieht in dem Workout, das anfangs dreimal wöchentlich je eine Stunde für Kinder-, Junioren- und Prinzengarde stattfand, auch einen sozialen Auftrag. "Die Schule war plötzlich weg, das Treffen mit Freunden auch. Dann sollten sie wenigstens ein bisschen Abwechslung beim Online-Training finden und da ihre Tanzfreunde wiedersehen."

Doch dass man auch bei dieser Art des Trainings an "technische Grenzen" stößt, war allen schnell bewusst. "Man kann nicht wirklich Schritte lernen, denn bei der Übertragung von Ton und Bild gibt es Verzögerungen. Das ersetzt einfach kein reales Training", verdeutlicht der Gilde-Präsident. Wichtig war den Verantwortlichen der TS Marktredwitz-Dörflas, dass die Tänzerinnen und Tänzer in Bewegung bleiben. "So haben sich immer zwei Trainerinnen - natürlich räumlich voneinander getrennt - auf den Bildschirmen eingeloggt. Eine hat die Schritte vorgegeben, die andere hat die Teilnehmer vor Augen gehabt und sie notfalls korrigiert."

Schritte üben

Dann kamen die ersten Lockerungen in Bayern. "Das war der Startschuss fürs erste Training im Freien hinter der Turnhalle in Dörflas - allerdings nur für vier Tänzer und eine Trainerin. Mehr waren nicht erlaubt. Und die Tanzpaare mussten ohne Körperkontakt trainieren. So konnten wenigstens die Schritte eingeübt werden", erzählt der Präsident. Der Mundschutz war immer dabei. "Es war ein bisschen chaotisch, und nebenbei wurden die Gruppen online trainiert."

Kräftig durchlüften

Mittlerweile dürften mehrere Gruppen trainieren - und zwar innen wie außen. Dennoch bedeute dies einen enormen Aufwand, auch in Sachen Verwaltung, denn die Trainer müssten alles haarklein dokumentieren. Während man in Zeiten, als Corona noch ein Fremdwort war, viel mehr trainiert habe, so reduziere sich dies momentan auf 60 Minuten. "Dann wird eine Viertelstunde durchgelüftet, ehe die nächste Gruppe dran ist."

Bis richtige Figuren getanzt werden können, wird es noch ein Weilchen dauern. "Da müssen wir warten, bis wieder Kontakt erlaubt ist." Bis dahin bleibt der Zeitaufwand für die vier Schichten Training groß. Schenk weiß, dass der Faschingsauftakt am 11.11. in den Sternen steht. Denn 400 Gäste und 200 Aktive sind da eng beieinander. "Aber wir werden vorbereitet sein!"

Bericht über den Galaabend der Faschingsgilde

Marktredwitz

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