24.02.2020 - 16:05 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Glasperlen und Odol-Flaschen

Auf Schusters Rappen von Bischofsgrün nach Weidenberg: Der Historische Club schnürte im Geiste die Wanderschuhe, um mit einer Gästeführerin das Fichtelgebirge und den Glaswanderweg zu erkunden.

Mit Christine Roth auf Wanderschaft zu gehen, um dabei auch von der Glasmacher-Tradition zu erfahren, war eine Idee des Historischen Clubs, der dazu ins Meister Bär Hotel eingeladen hatte. Bernd Leutheusser (links) und Hermann Meier (rechts) bedankten sich bei der Geopark-Rangerin aus Tröstau.
von Werner RoblProfil
Rund 90 Minuten lang führte Christine Roth durch das Fichtelgebirge, um von der Glasmacherei zu erzählen. Bei der Begrüßung ließ Vorsitzender Bernd Leutheusser anklingen, dass er die Tröstauerin bereits zum dritten Mal (zuletzt im Saal des „Goldenen Löwen“) begrüßen könne.

Das Fichtelgebirge ist granitreich und sehr alt. Die Felsen- und Waldlandschaft mit ihren schönen Wanderwegen hat aber noch mehr zu bieten. Davon erzählte die Tröstauerin Christine Roth beim Historischen Club. „Es ist ein unendlich’ Kreuz, Glas zu machen!“ Die Geopark-Rangerin erinnerte an den alten Glasmacherspruch, den man symbolisch als Wegmarkierung auch am Glaswanderweg findet: Eine liegende Acht als Symbol der Unendlichkeit und ein umgedrehtes Kreuz. „Beginnen wir in Bischofsgrün“, zog Roth die zahlreichen Zuhörer in den Bann einer besonderen Landschaft mit ihrer industriellen Geschichte. Die Sprecherin erinnerte daran, dass man früher nicht ins Fichtelgebirge, sondern in die Fichtelberge reiste. Der Ochsenkopf wurde Fichtelberg genannt, wo Kohlenmeiler rauchten und an manchen Stellen der dunkelgrüne Rohstoff Proterobas abgebaut wurde. „Dieser war wichtig“, erklärte die Referentin und verwies auf die Anfänge der Glasperlenherstellung in den Knopfglashütten. „Es war keine leichte Arbeit.“ Man saß an den Schmelzöfen, drehte die Eisenstäbe, damit sich die schwarze Masse an den Stäben absetzte. „Glasperlen wurden bis nach Äthiopien exportiert“, wusste Roth.

Weiter ging es nach Fichtelberg und zum nahe gelegenen See. Sie ließ Namen auftauchen: Glaser und Greiner zum Beispiel, die im Hufeisen des Fichtelgebirges dafür bekannt waren, Glaswaren herzustellen. Roth empfahl einen Abstecher ins Wunsiedler Fichtelgebirgsmuseum und ins Warmensteinacher Glasmuseum. Dort wurden einige Exponate wie der aus Glas gefertigte Ochsenkopfhumpen sowie in Warmensteinach der „NASA-Teller“ bewundert, den das US-Raumfahrtunternehmen bei Fischer in Fichtelberg anlässlich der ersten Mondlandung bestellt hatte. „Warum das Erinnerungsstück zurück nach Oberfranken kam, war etwas kurios“, erklärte Roth: „Ein unscheinbarer Fehler machte ihn zur Zweiten Wahl. Die NASA-Beschwerde wurde aber nie behoben, der Teller daher auch nicht in die USA zurückgeschickt und zur Dauerleihgabe erklärt.“

„Das Monopol für die Herstellung von Odol-Glasflaschen besaß eine Hohlglasfabrik in Hütten bei Oberwarmensteinach“, ließ die Gästeführerin an anderer Stelle anklingen. Langsam erreichte ihr Vortrag das Sophiental. Am Wegrand stünden heute noch leere, aber auch noch betriebene Glasmacherwerkstätten. Überwucherte Gräben, Schlackehaufen, verlassene Gebäude seien stumme Zeugen eines damals florierenden Gewerbes. Es sei lohnenswert, am Glasmacherweg auf Spurensuche zu gehen, empfahl die Rangerin den Weg in der Realität, nachdem sie das Ziel Weidenberg erreicht hatte.

„Ich hoffe, Sie sind nicht müde geworden, es waren ja doch 42 Kilometer“ verabschiedete sich Christine Roth vom Historischen Club. „Das nächste Mal wandern wir zur Saale-Quelle“, machte Vorsitzender Bernd Leutheusser auf die nächste Veranstaltung am 3. März mit Adrian Roßner aufmerksam.

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