14.01.2020 - 13:41 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Kinobesuch beim Historischen Club

Lichtspielhäuser oder Kinos: Beides scheint das gleiche zu sein und doch tun sich Unterschiede auf. "Lichtspielhäuser gab es in vielen Orten in Oberfranken und im Stiftland", erinnerte Dieter Machon an die gute alte Kino-Zeit.

Alle Monate – bis auf eine Pause im Sommer – widmet sich der Historische Club Themen aus der Vergangenheit. Mit Dieter Machon hatte der Vorstand ein Glückslos gezogen. Im Bild (von links): Friedrich Haubner, Dieter Machon, Hermann Meier und Bernd Leutheusser.
von Werner RoblProfil

Dieter Machon und "sein" Capitol-Theater sind vielen auch heute noch ein Begriff. Ein viertel Jahrhundert lang stand er in der Ottostraße an den Projektoren. "Filmnotizen" nannte das "Marktredwitzer Tagblatt" seine regelmäßigen Zeitungsbeiträge, in denen er sich auch dem aktuellen Kinoprogramm widmete.

Zudem arbeitete der in Marktleuthen aufgewachsene Oberfranke als Autor regelmäßig für Film-Fachzeitschriften. In seiner umfassenden Sammlung zum Film-Genre "Western" stöberten die Verlage, um dort fündig zu werden. "Meine Leidenschaft für das Kino begann in meinem Heimatort", erinnerte sich Machon beim Historischen Club im "Meister-Bär-Hotel".

Erster Film mit dem Opa

"Als kleiner Junge durfte ich mir, zusammen mit dem Großvater, das ,Faustrecht der Prärie' ansehen." Es war sein allererster Film und der Beginn einer großen Leidenschaft, die ihn bis heute nicht loslässt. "Wenige Jahre später begann ich Programmheftchen zu sammeln, die für zehn Pfennige an der Kinokasse angeboten wurden." Dieter Machon, den das Vorstandstrio Friedrich Haubner, Hermann Meier und Bernd Leutheusser um einen Vortrag gebeten hatte, bedauerte das "knappe Taschengeld", das ihm seinerzeit zur Verfügung stand. Trotzdem habe er es gemeistert, "dass ich in vielen Kinos Dauergast sein konnte". Damals gab es eine preisgünstige Sonntagsrückfahrkarte. "Damit fuhr ich sogar ins Kino nach Hof."

Bereits vor Monaten machte sich Machon auf die Suche nach alten Bildern, um an die damaligen Lichtspielhäuser, Stumm- und Tonfilme, Logen und harten Sitze, aber auch an die noch heute existierenden Einrichtungen zu erinnern. Dankbar erzählte er von seinen meist erfolgreichen Telefonaten. "Bis hinunter nach Wiesau erhielt ich Rückmeldungen", dankte Machon einem nicht ganz zufällig anwesenden Zuhörer und Sammler, der ihm bei der Suche nach Fotos behilflich war.

Das Ergebnis der Recherchen konnten die überaus zahlreichen Besucher, die der Einladung zum Jahresauftakt des Historischen Clubs gefolgt waren, gut 90 Minuten lang genießen. Für ein paar Augenblicke ließ man sich Filmtitel wie "Postraub in Central City", "Grün ist die Heide", "Quo Vadis" oder "Vom Winde verweht" auf der Zunge zergehen.

List gegen Polizeikontrollen

Erinnerungen wurden wach bei den oft wohlklingenden Namen der zu Filmpalästen gewordenen Kinosäle, in denen am Wochenende bis zu drei Vorstellungen gegeben wurden. "Polizeikontrollen waren seinerzeit keine Seltenheit", erinnerte der Referent an den Jugendschutz und erzählte, wie man dem lästigen Polizeibesuch, zum Beispiel in den "Central"-, "Capitol"- und "Regina"-Lichtspielhäusern mit etwas List und Geduld aus dem Weg gehen konnte. Machon führte seine Zuschauer von Hof über Rehau, weiter nach Selb, durchstreifte viele große und kleine Orte im Osten Oberfrankens. Über Stadt und Land gelangte er in den nahen Alt-Landkreis Tirschenreuth, wo außer in der Kreisstadt und im benachbarten Mitterteich Kinos längst Geschichte sind. "Viele Orte und Städte hatten früher sogar mehr als eines", bedauerte Machon den Rückgang der Film-Treffs, in denen neben den Leinwand-Helden auch das beliebte Eiskonfekt und der typische Geruch nicht fehlen durften.

Mit Kinos groß geworden

An anderer Stelle erinnerte er an die Namen der Betreiber und wie man das Leinwandangebot bewarb. Zudem gewährte Machon Einblicke in die damals verwendete Technik und ihre Tücken. Mit den Kinos sei er groß geworden: "Wenn ich daran vorbei fahre, blutet mir das Herz", trauerte Machon besonders dem Marktredwitzer "Capitol", aber auch dem "Kali" am Bahnhof nach. Freilich müsse man sich den Fortschritten der Technik stellen, beleuchtete der Referent das digitale Zeitalter. "Aber wer einmal am Zelluloid hängt, der kommt nicht mehr davon los." Mitgebracht hatte Machon auch eine Auswahl alter, noch von Hand gestalteter Filmplakate, um sie auf der Leinwand zu zeigen.

25 Jahre lang arbeitete Dieter Machon im "Capitol". „Wenn ich daran vorbeifahre, blutet mir das Herz“, gestand der Film- und Kinofreund.
Dieter Machon (links) bedankte sich beim Vorstandsmitglied Friedrich Haubner für die Einladung, um beim Historischen Club von den alten Kinos zu erzählen.
„Mit den Kinos bin ich jetzt durch“, beendete Dieter Machon seinen Vortrag, um sich den handgemalten Filmplakaten von früher zu widmen. Links: Vorstandsmitglied Bernd Leutheusser.
Die Vorträge des Historischen Clubs finden jeden ersten Dienstag im Monat im "Meister Bär"- Hotel statt.
Dieter Machon gelangte bei seinem Kino-Streifzug auch nach Wiesau und erzählte vom heute nicht mehr existierenden Lichtspielhaus Forster an der Hauptstraße.

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