05.03.2021 - 17:27 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Prozessauftakt: Versuchte schwere Brandstiftung

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Ein 36 Jahre alter Mann aus Marktredwitz soll versucht haben, seine Wohnung anzuzünden. Doch ist er schuldfähig? Der Angeklagte fühlte sich bedroht und verfolgt.

Ein 36-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Hof wegen versuchter schwerer Brandstiftung und Sachbeschädigung verantworten.
von Autor FPHProfil

Das hätte wohl auch wesentlich dramatischer enden können: Im Sommer vergangenen Jahres hatte ein Mann versucht, indem er Holz auf einen Elektroherd gelegt hatte, seine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Marktredwitz abzufackeln. Es blieb, auch weil eine Nachbarin schnell reagiert hatte, bei einem überschaubaren Schaden. Seit Mittwoch muss sich der jetzt 36-Jährige vor dem Landgericht Hof wegen versuchter schwerer Brandstiftung und Sachbeschädigung verantworten. Der Prozess geht der Frage nach, ob der Beschuldigte, der unter einer psychischen Erkrankung leidet, in Sicherungsverwahrung genommen wird.

Sicherungsverfahren kommen immer dann in Betracht, wenn normale Strafverfahren wegen Schuldunfähigkeit des Angeklagten nicht durchgeführt werden können. In diesem Fall geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass Markus K. (Name von der Redaktion geändert) im Zustand der Schuldunfähigkeit gehandelt hatte. "Der Beschuldigte leidet unter anderem an einer paranoiden Schizophrenie", heißt es in der Antragsschrift. Er sei daher nicht in der Lage gewesen, das Unrecht seiner Tat einzusehen und dementsprechend zu handeln. In der Folge erwartet die Staatsanwaltschaft weitere erhebliche rechtswidrige Taten von K. und stuft ihn daher als gefährlich für die Allgemeinheit ein.

"Zeitweise sehr nett, und dann gab es Tage, an denen er sehr grantig war."

So beschreibt eine Nachbarin den Angeklagten

Zu Prozessbeginn ließ der Beschuldigte, der in Handfesseln vor Gericht gebracht wurde, über seinen Rechtsanwalt eine Erklärung verlautbaren. Demnach habe er keine Erklärung für seine Handlungsweise. Sie sei ihm vollkommen unverständlich, und er bereue die Tat.

„Recht komisch“

Die Nachbarn im Haus hatten K. selten zu Gesicht bekommen - der gelernte Maurer war teilweise mehrere Monate zur Arbeit in Österreich oder bei seiner damaligen Lebensgefährtin und den drei gemeinsamen Kindern in einer Nachbarstadt. "Recht komisch" sei er gewesen, sagte eine Nachbarin. "Zeitweise sehr nett, und dann gab es Tage, an denen er sehr grantig war. Als ob man mit zwei verschiedenen Menschen spricht." Eine weitere Nachbarin erinnerte sich daran, dass sie mal die Polizei gerufen hatte, weil K. kurz vor Mitternacht lautstark einen Türrahmen repariert hatte.

Die ehemalige Lebensgefährtin beschrieb den Beschuldigten dagegen als treusorgenden und geduldigen Vater, den sie, auch als sie bereits getrennt waren, gerne auf die Kinder hatte aufpassen lassen. Gleichwohl hatte sie sich Sorgen wegen seines Umgangs in Marktredwitz gemacht. "Er hatte Freunde, die Alkohol und Drogen konsumiert haben", sagte sie vor Gericht. Deswegen habe es auch Streit gegeben. "Immer, wenn er aus Marktredwitz kam, war er irgendwie anders." Also habe sie ihn ermutigt, die Arbeit in Österreich anzunehmen. Das sei eine Weile gut gegangen. Einmal habe sie ihn aus der Wohnung geworfen, weil er sich in einem "ganz verwirrten Zustand" befunden habe. Auf den Rauswurf reagierte K. nicht, stattdessen ging er zur Polizei, weil er fürchtete, jemand könne seiner Freundin und den Kindern etwas antun. Er fühlte sich offenbar verfolgt.

Einen ähnlichen Eindruck musste die Nachbarin gewonnen haben, die am 31. Juli des vergangenen Jahres die Feuerwehr alarmiert hatte. Eigentlich hatte sie gegen 5.45 Uhr ihre Wohnung verlassen wollen, um mit dem Hund eine Runde zu drehen. Als sie aus dem Fenster sah, änderte sie ihren Plan. K. sei vor dem Haus hin- und hergelaufen, einen Besenstiel schwingend, "als ob er ein Tier jagt und ihm eins drüberziehen will". Sie bekam Angst und verschob den Spaziergang. Gegen 6.30 Uhr habe sie dann den Rauchmelder gehört und sei zu Ks Wohnung gegangen, sagte die Nachbarin. Aus der angelehnten Tür sei Qualm gedrungen, also habe sie die Feuerwehr gerufen.

Zwei Feuerwehrleute, die mit Atemschutzgeräten die Wohnung betreten hatten, brachten die Situation schnell unter Kontrolle. Markus K. hatte den Elektroherd etwas von der Wand weggezogen, mehrere Platten auf die höchste Stufe gestellt und sie mit einer Metallplatte abgedeckt. Darauf legte er mehrere Holzlatten, wohl mit der Absicht, dass sich das Holz entzünden und das Feuer auf die Wohnung übergreifen würde. Ob sich nun bereits eine kleine Flamme entwickelt hatte oder das Holz nur angekohlt war, in dem Punkt waren sich die beiden Feuerwehrleute nicht mehr sicher. Klar sei, dass sich wahrscheinlich dank der Abdeckplatte das Entzünden des Holzes verzögert hatte. Den Rauchmelder, der die Nachbarin alarmiert hatte, fanden die Feuerwehrleute in einem Schrank im Wohnzimmer.

Deutlich gebessert

Mitte Dezember wurde K. aus einer Justizvollzugsanstalt in die Bezirksklinik Bayreuth gebracht. Auch dort habe er zunächst konfuse Angaben gemacht, sich verfolgt gefühlt und sei misstrauisch gewesen. "Das hat sich aber deutlich gebessert", sagte die behandelnde Ärztin. Ob es sich um eine drogeninduzierte Psychose handelt - der Beschuldigte hatte angegeben, gelegentlich Crystal und Cannabis konsumiert zu haben - wollte die Ärztin nicht bestätigen. K. bekomme jetzt Medikamente, nehme die Therapieangebote wahr und suche das Gespräch mit dem Personal. Er sei höflich. Aggressiv sei er nicht mal geworden, als ein Mitpatient versucht hatte, ihn mit einem Schnürsenkel zu strangulieren, sagte die Ärztin, die dem Beschuldigten eine positive Entwicklung bescheinigte. Wichtig sei ein strukturierter Tagesablauf, am besten in einer betreuten Einrichtung.

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