20.02.2020 - 15:58 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Trotz vieler Preise fast vergessen

Der gebürtige Prager Johannes Urzidil und drei seiner Werke rücken beim Literarischen Café in den Fokus. Dem Schriftsteller und Weggefährten Max Brods und Franz Kafkas nähern sich Jean Ritzke-Rutherford und Karl-Ludwig Ritzke.

Jean Ritzke-Rutherford und Karl-Ludwig Ritzke waren zu Gast im Literarischen Café, um über Johannes Urzidil zu erzählen. Geschenke hatte Roswitha Budow (rechts) vorbereitet.
von Werner RoblProfil

"Literatur erleben, Grenzen überwinden, Beziehungen gestalten", lautet das Motto des literarischen Zirkels, bei dem in den Herbst- und Wintermonaten thematisch passende Werke vorgestellt werden. Einmal im Monat findet die von Roswitha Budow geleitete und von der Katholischen Erwachsenenbildung Wunsiedel und der Ackermann-Gemeinde unterstützte Veranstaltung in Marktredwitz statt.

Eingeladen dazu waren diesmal der ehemalige Studiendirektor Karl-Ludwig Ritzke und seine Ehefrau Jean Ritzke-Rutherford, eine gebürtige US-Amerikanerin. Im Mittelpunkt stand der Prager und spätere Exil-Schriftsteller Johannes Urzidil, der einmal sagte: "Ist die Welt, mich inbegriffen, wirklich wahr oder findet sie nur statt?"

Familiäre Themen

Johannes Urzidils Vater Josef war Westböhme und entstammte einer katholischen deutsch-böhmischen Familie. Mutter Elise, eine gebürtige Pragerin, war Jüdin. Elise, so berichtete das Ehepaar Ritzke weiter, konvertierte vor der Hochzeit, wurde Katholikin. Sie starb kurz vor dem vierten Geburtstag von Johannes Urzidil. Der deutschnationale Vater heiratete 1903 Marie Mostbeck, eine nationalbewusste Tschechin. "Die familiären Themen und Probleme haben den kleinen Buben, der auch Ministrant war, und späteren Schriftsteller stark geprägt", schickten die Gäste voraus, um sich danach drei Werken - eingestreut auch der Lebenslauf Urzidils - näher zu widmen.

Selbst habe sich Urzidil als "hinternational" (hinter den Nationen stehend) beschrieben. "Vom Prager Schriftsteller Max Brod wurde er hoch gelobt", ließ Karl-Ludwig Ritzke folgen. Urzidil nannte seine Stiefmutter Marie Mostbeck nur die "Stief". Das Verhältnis zueinander bezeichnete Urzidil als "angespannt". "Prag war schon immer die Stadt meiner Träume. Hier kannst du alles erleben", umschrieb der lyrische Dichter Urzidil einmal "seine Goldene Stadt" und die Metropole Böhmens. Das Referentenduo erklärte: "Wir möchten Passagen vorlesen, wo dies alles, auch das Paradoxe in ihm, ebenso auch das vom schwarzen Humor geprägte Denken Urzidils deutlich wird."

Tondokument

Zudem gestand das Ehepaar: "Wenn wir in Gesprächen mit Freunden erzählt haben, wir bereiten einen Vortrag über Urzidil vor, dann wurde uns stets erwidert: Den Namen kenne man, auch einige seiner Werke, mehr aber auch nicht." Das Ehepaar hatte ein Original-Tondokument mitgebracht. "Um die Prager Sprechweise Urzidils deutlich werden zu lassen", kommentierte Karl-Ludwig Ritzke.

Danach fragte Ritzke-Rutherford: "Aber warum geriet er in Vergessenheit?" Urzidils Arbeit und viele seiner Werke wurden doch mit Preisen ausgezeichnet, fasste das Ehepaar zusammen. Drei seiner Werke - "Die verlorene Geliebte", "Prager Triptychon" und "Das große Halleluja" - hatte man mitgebracht, um daraus zu zitieren.

Vormerken sollte man sich bereits den Nachmittag des 12. März. Beim nächsten Literarischen Café spielt ein schwarz umrandeter Brief die Hauptrolle, von dem der gebürtige Passauer Wolfgang Sreter mehr erzählen wird.

Karl-Ludwig Ritzke und Jean Ritzke-Rutherford lasen abwechselnd aus Johannes Urzidils Werken.
„Über dieses Geschenk freue ich mich ganz besonders. Der Inhalt weckt Erinnerungen an meine Zeit in Würzburg“, gestand Karl-Ludwig Ritzke der Leiterin des Literarischen Cafés, Roswitha Budow. Links im Bild Jean Ritzke-Rutherford, die ihren Mann beim Vortrag unterstützte.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.