08.05.2019 - 12:52 Uhr
MarktredwitzOberpfalz

Wolf im Fichtelgebirge unterwegs

Der große Beutegreifer ist im Fichtelgebirge unterwegs. Schäfer, Jäger und Naturschützer haben Wünsche und Forderungen an die Politik.

Zwischen Marktredwitz und Wunsiedel ist ein Wolf in eine Fotofalle getappt. Ob es sich um einen Rüden oder eine Fähe handelt ist nicht klar. Experten gehen davon aus, dass das Tier auf der Durchreise ist.
von Autor FPHProfil

Im Fichtelgebirge ist ein Wolf unterwegs. Mitte April ist das Tier zwischen Wunsiedel und Marktredwitz in eine Fotofalle getappt. Das ist an und für sich keine große Sache, denn es war nicht der erste Wolf und es wird auch nicht der letzte gewesen sein, der die Region durchstreift. Aber es zeigt, dass in den verantwortlichen Ämtern das Thema wohl nur mit wenig Interesse oder Nachdruck verfolgt wird.

„Die Politik muss aufwachen“, sagt Peter Lang aus Rehau, Ansprechpartner für Nordbayern bei der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe (GZSDW). „Es passiert einfach nichts“, stimmt Ekkehard Schwärzer, Vorsitzender der Jägerschaft Fichtelgebirge, zu. „Ich wünsche mir Unterstützung in der Prävention“, sagt die Schirndinger Schäferin Christa Frank. Dabei scheinen die Beteiligten ob der Anwesenheit des Räubers mindestens ebenso gelassen wie das Tier auf dem Foto selbst.

Es zeigt den Wolf, wie er am helllichten Tag über eine Lichtung streift. Im Hintergrund Wald, vorne ein Feldweg. Es handelt sich in diesem Fall um einen sogenannten C1-Nachweis. Das Landesamt für Umwelt (LfU) hat in Abstimmung mit den Experten der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf in Sachsen bestätigt, dass es sich um einen Wolf (Canis lupus) handelt. Unklar sei, ob das Tier auf dem Foto ein Männchen oder Weibchen ist, sagt Experte Peter Lang. „Ich nehme an, das Tier zieht durch.“ Hinweise auf den Wolf, sagt Lang, gebe es immer wieder. Den ersten 2011. Damals habe es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um ein Tier aus Sachsen gehandelt. Dort hätten sich schon Anfang der 2000er-Jahre Rudel auf Truppenübungsplätzen gebildet. „Die Rüden wandern mit ungefähr einem Jahr ab und suchen sich ein neues Revier“, erklärt Peter Lang. Die Suche führt die Wölfe eben auch durch das Fichtelgebirge.

Dass Canis lupus auch zwischen Kornberg, Ochsenkopf und Platte heimisch wird, steht für Ekkehard Schwärzer fest. „Der Wolf findet hier einen attraktiven Lebensraum vor“, sagt der Vorsitzende der Jägerschaft. „Wald, Wild und Weidevieh.“ Als Vorsitzender der Jägerschaft sieht er der Sache gelassen entgegen, zumal er und seine Kollegen keine Verantwortung übernehmen können: Der Wolf unterliegt nicht dem Jagdrecht und steht unter strengem Schutz.

„Sollten sich hier allerdings Wölfe etablieren, wird sich das Verhalten verschiedener Schalentierarten verändern“, gibt Schwärzer zu bedenken. Rotwild werde sich, wegen der größeren Sicherheit, in Herden zusammenrotten. „Und wo die dann auftauchen, wird der Äsungsdruck sichtbar werden.“ In diesem Fall müssten die Jäger die Schäden übernehmen. „Und dagegen würden wir uns wehren“, sagt Schwärzer, „wenn es überhaupt einmal dazu kommen wird.“ Doch zunächst würden am wenigsten die Jäger etwas von der Existenz des Wolfs mitbekommen. „Solange keine großen Rudel auftauchen, haben wir auch kein Problem“, meint Schwärzer. Der Wolf sei keine Konkurrenz für den Jäger.

Eher schon für Weidetierhalter, insbesondere Schäfer. Wie Christa Frank. Sie wurde in jüngster Zeit oft auf den Beutegreifer angesprochen. „Auch der Wolf gehört zur Natur. Aber ich denke, er ist ein scheues Tier und greift nicht im Dorf an.“ Ihre Coburger Fuchsschafe weiden auf einer Koppel und sind meist sogar doppelt eingezäunt. Oberste Priorität sei die Sicherheit der Tiere. Dazu gehören ein freigemähter Elektrozaun, tägliche Weidekontrollen und zwei Hütehunde. „Wenn ich Angst habe, lasse ich die Schafe lieber im Dorf“, sagt sie. Einen Luxus, den sich Wanderschäfer natürlich nicht leisten können. „Jeder Schäfer ist auch ein Idealist“, sagt Frank. „Durch den Wolf können schnell ganze Existenzen gefährdet sein.“ Insofern sei es wichtig, die Prävention zu fördern. Nach Rissen gebe es zwar eine finanzielle Entschädigung, „aber der Verlust lässt sich nicht ausgleichen“, macht die Schäferin deutlich. „Vor allem wenn es sich um reinrassige Tiere handelt. Das dauert viele Jahre, bis eine Zucht aufgebaut ist.“ Christa Frank wünscht sich Unterstützung für vorbeugende Maßnahmen – egal ob mit Geld oder Gerät.

Schon vor zwei Jahren, damals wurde ein Wolf bei Weißenstadt gesichtet, sei die Jägerschaft Fichtelgebirge an die Regierung von Oberfranken herangetreten, sagt Ekkehard Schwärzer. „Wir wollten eine Art Task Force ins Leben rufen.“ Eine Gruppe, die bei Komplikationen einschreiten könne, falls sich der Wolf im Fichtelgebirge etablieren sollte. „Passiert ist nichts“, lautet das Fazit des Jägers.

Auch Peter Lang bemängelt, dass sich offenbar weder das Landwirtschafts- noch das Umweltministerium so richtig zuständig fühlten. „Die Politik schiebt den Ball einfach hin und her“, sagt Lang. Landwirte seien gefordert, sich mit dem Thema Herdenschutz auseinanderzusetzen. Die Crux an der Sache: Zäune werden in Bayern laut Peter Lang erst dann gefördert, wenn der Wolf einmal zugeschlagen hat. Obwohl die Europäische Union seit Herbst vergangenen Jahres die 100-prozentige Förderung von Schutzzäunen erlaube, erklärt Lang. „Aber reißt der Wolf ein Tier, geht das Geschrei los. Dabei funktioniert der Herdenschutz doch auch in anderen Bundesländern.“ Leidtragende seien insbesondere die Schäfer. „Und denen geht es doch eh schon schlecht genug“, macht Peter Lang deutlich. Für Wolle und Fleisch gebe es nur wenig Geld, im Gegenzug würden die Schäfer mit ihren Herden wichtige Naturschutzarbeit leisten. „Schäfer gehören besser unterstützt“, fordert Peter Lang.

Er appelliert an die Politik, sich nicht durch Warten aus der Verantwortung zu ziehen. Es brauche einen ordentlichen Managementplan, der über Abschüsse im Fall von Nutztierrissen hinausgeht: „Wir kommen auch in Bayern über kurz oder lang nicht um einen vernünftigen Herdenschutz herum.“

Hintergrund:

Die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Bayern schätzt die Kosten für die Errichtung von Schutzzäunen bei Wolfsanwesenheit auf eine Summe zwischen 240 und 410 Millionen Euro. Davon entfallen zwei Drittel auf den Schutz der Rinder, obwohl das Gefährdungsrisiko beim Schaf mit Abstand am höchsten ist (Quelle: LfL)

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