Matzersreuth bei Tirschenreuth
27.11.2018 - 11:52 Uhr

Spaziergang durchs Angerdorf

Ein voller Erfolg sind die Stadtteilspaziergänge, die Quartiersmanagerin Cornelia Stahl ins Leben gerufen hat. Diesmal führt er etwa 50 Teilnehmer in den Ortsteil Matzersreuth, wo es viel zu entdecken gibt.

Matzersreuth ist diesmal der Treffpunkt für den Stadtteilspaziergang mit Quartiersmanagerin Cornelia Stahl. Herbert Konrad (Vierter von links) fungiert dabei als Gästeführer und weiß viel über seinen Wohnort zu berichten. Bild: tr
Matzersreuth ist diesmal der Treffpunkt für den Stadtteilspaziergang mit Quartiersmanagerin Cornelia Stahl. Herbert Konrad (Vierter von links) fungiert dabei als Gästeführer und weiß viel über seinen Wohnort zu berichten.

Nasskaltes Schmuddelwetter begleitete die Gruppe an diesem Nachmittag. Deshalb war niemand böse, dass die Ziele des Spaziergangs immer in Sichtweite lagen und dort angekommen ein trockenes warmes Plätzchen auf die Teilnehmer wartete. Vom Treffpunkt am Feuerwehrhaus ging es zur etwa 15 Meter entfernten Marienkapelle. Danach führte der Weg etwa 50 Schritte zur Handwerkerscheune und anschließend wieder zurück ins Feuerwehrhaus, wo der informative Nachmittag bei Kaffee und Kuchen seinen Ausklang fand.

Flur schließt an

Nach der Begrüßung durch die Leiterin des Projektes "Leben plus", Cornelia Stahl, referierte Herbert Konrad beim Treffpunkt über die Geschichte des kleinen Ortes. Cornelia Stahl hatte eine Luftaufnahme von Matzersreuth mitgebracht, auf der die besondere Anordnung des Dorfes zu sehen ist. Matzersreuth sei nämlich ein klassisches Angerdorf, wo sich die Flur hinter den jeweiligen Höfen anschließe. Herbert Konrad erklärte, dass Matzersreuth von der Charakteristik her als richtiges Runddorf zu bezeichnen wäre. Eine Seltenheit, die den Ort so interessant mache, dass hier schon Studenten aus Dortmund und Passau Anschauungsunterricht genossen hätten. Matzersreuth sei ein seltenes Beispiel für die Entstehung und Gliederung solcher Orte, sogenannter Waldhufendörfer. Dazu gehöre ein Ortsmittelpunkt, was im Falle Matzersreuth bei der ersten urkundlichen Erwähnung 1390 als ein gemauerter Sitz bezeichnet sei.

Damals verkauften die Herren Schirndinger ihre dortigen Güter an das Kloster Waldsassen. Die Heimatforscher Harald Fähnrich und Adalbert Busl gingen davon aus, dass es sich damals um eine Burganlage gehandelt haben könnte. Die stand vermutlich an dem Platz, wo heute die Kapelle ist. Bis 1980 befanden sich hier drei gemauerte Gewölbekeller, auch stand eine große Ulme auf dem Areal. Der Baum fiel einem Ulmensterben zum Opfer und die Keller wurden irgendwann aufgegeben.

Von Teich umschlossen

Die beiden Heimatforscher gingen auch davon aus, dass der halbhufförmige Teich hinter der Kapelle einst die Burganlage umschlossen habe. Auch wenn die Frühgeschichte im Dunkeln bleibe und in den Archiven vor 1390 keine Erwähnung des Ortes zu finden sei, ginge man davon aus, dass Matzersreuth doch wesentlich älter sei. Nachzulesen wäre das alles genauestes in einer Chronik, die beim Kapellenbau 1988 mit erstellt wurde.

Eine kleine aber feine Kapelle mit einer großen Marienfigur vom Plößberger Bildhauer Reinhold Hösl habe sich der Ort geleistet. Das hätten alle Bewohner mitgetragen, auch in der Weise, dass viele Spenden eingegangen seien. Sonst wäre das Bauwerk, das rund 50 000 Euro gekostet habe und am 20. Mai 1989 eingeweiht wurde, auch nicht zu realisieren gewesen.

20 Jahre gelagert

Zur Handwerkerscheune erklärte Herbert Konrad, dass hier Maschinen und Geräte der ehemaligen Fassbinderei Mickisch in Tirschenreuth untergebracht sind. Die seien bis dato nach der Auflösung der Fassbinderei an ihrem angestammten Ort in der Kreisstadt über 20 Jahre in diversen Schuppen eingelagert gewesen. Die über 100 Jahre alten Unikate sind Eigentum der Stadt, die dafür jetzt die Scheune angemietet habe, wo auch der Arbeitskreis Historisches Handwerk mit seinen 15 Aktiven und insgesamt 31 Mitgliedern eine Bleibe für seine Tätigkeiten gefunden habe. Neben hohem finanziellen Aufwand hätten die Mitglieder außerdem 1277 Arbeitsstunden in die Realisierung investiert.

Zurück im Feuerwehrhaus gab es in der geheizten Stube Kaffee und Kuchen und noch viel zu erzählen und erfragen zu den vielen Eindrücken des Spaziergangs. Außerdem zeigten Mitglieder des Arbeitskreises, dass sie die Hohe Schule des Ausbutterns beherrschen.

Franz Zölch (links) erklärt die Funktionsweise einer über 100 Jahre alten Dauben-Biegemaschine. Bild: tr
Franz Zölch (links) erklärt die Funktionsweise einer über 100 Jahre alten Dauben-Biegemaschine.
Die Marienfigur in der Kapelle in Matzersreuth. Bild: tr
Die Marienfigur in der Kapelle in Matzersreuth.
 
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