15.03.2019 - 12:39 Uhr
MehlmeiselOberpfalz

Die Angst vor dem Wirtshaussterben

Wie in einer kleinen Gemeinde ein Gasthaus überleben kann, zeigt die Gaststätte des Sporvereins in Mehlmeisel. Doch auch da gibt es Probleme.

Wirtshaussterben Mehlmeisel
von Autor SOJProfil
Wirtshaussterben Mehlmeisel

Trotz aller Widrigkeiten im Gaststättengewerbe und des derzeit anhaltenden Aussterbens von Dorfwirtschaften hält sich hartnäckig und beständig ein kleines Wirtshaus in der Ortsmitte der Fichtelgebirgsgemeinde. Das vom örtlichen Sportverein betriebene Gasthaus "Turnhalle" besteht seit den 1960er Jahren und ist mittlerweile der zentrale Anlaufpunkt für das gesellige Beisammensein, aber auch für Feiern und Feste. Mit erheblichem Aufwand gelingt es dem Verein immer wieder, ein Angebot für die Einwohner und Besucher bereit zu halten - das wird aber immer schwerer.

"Natürlich ist das Betreiben einer solchen Einrichtung mit erheblich viel Arbeit verbunden", sagt Stephan Ehlich, derzeit geschäftsführender Vorsitzender des Turn- und Sportvereins. "Ohne unser Vereinsteam und den fleißigen Helfern in der 'Sportgaststätte Turnhalle' wäre das nicht zu schaffen."

Mitglieder helfen mit

Seit langem sucht der Verein einen Pächter, aber qualifizierte und passende Bewerber sind nur schwer zu finden. So blieb für den Verein nur die Lösung, Angestellte als geringfügig Beschäftigte einzustellen und passive und aktive Vereinsmitglieder in den Wirtschaftsbetrieb mit einzubeziehen. "Um den Betrieb nicht einstellen zu müssen, war dies die nahe liegende, aber nicht die optimale Lösung. Ein Pächter wäre uns lieber gewesen", erklärt Florian Sandner, Kassier des Vereins. "Die Gaststätte ist ein Wirtschaftsunternehmen. Mit einem annähernd sechsstelligen Umsatzbetrag im Jahr kommt ein enormer Verwaltungsaufwand auf den Verein zu." Gemeint sind damit die ordnungsgemäßen Abführungen von Steuern, Sozialbeiträgen und die korrekten Verbuchungen der Ein- und Ausgaben, die in ähnlichen Betrieben ausgebildete Buchhalter übernehmen. Im Verein machen das ehrenamtliche Funktionäre.

Tatsächlich ist Potenzial vorhanden: Viele alteingesessene Gaststätten im Ortskern haben mangels Perspektive oder Nachfolger geschlossen. Die Nachfrage nach passenden Räumlichkeiten für Geburtstags- oder Trauerfeiern, Vereinsräumen oder Veranstaltungen in der Sporthalle ist da. Dennoch gibt es Probleme: Die Bürokratie fordert immer mehr Zeit ein, es finden sich immer weniger ehrenamtliche Helfer und die Gäste außerhalb von Veranstaltungen haben ihr Verhalten geändert.

Den früher selbstverständlichen Frühschoppen besuchen immer weniger Stammtischbrüder, das Feierabendbier hat nicht mehr den Stellenwert. Mit Kartenspielen, die an mehreren Tischen gepflegt wurden, kann die heranwachsende Generation nur noch selten etwas anfangen oder hat sie nie gelernt. Und an die Stelle, wo die Dorfwirtschaft am Abend der zentrale Anlaufpunkt für gesellschaftliches Beisammensein war, tritt heute, verständlicher Weise, das Familienleben oder der Beruf. Ein Spannungsfeld, das erst einmal bewältigt werden will.

"Wir sind immer auf der Suche nach neuen Ideen", erklärt Ehlich. "Natürlich müssen wir den Gästen etwas anbieten, damit sie zu uns kommen. Seien es Live-Übertragungen von Sportveranstaltungen in der Gaststätte, die traditionellen Kirchweihfeierlichkeiten im Oktober mit typisch kulinarischen, Oberpfälzer Spezialitäten, die man sonst nirgendwo bekommt, oder der Versuch, die Preise für Essen und Getränke trotz ständig steigender Lohn- und Nebenkosten niedrig zu halten."

Gute und schlechte Zeiten

Dieses Geschäftsmodell funktionierte in den vergangenen Jahren. Die Gewinne investierte der Verein in die eigene Immobilie, die für einen kleinen Verein hervorragenden Sportanlagen und in Turn- und Spielgeräte - alles für die aktiven Mitglieder, für ein sportliches, gesellschaftliches und soziales Angebot an die Dorfgemeinschaft - und um attraktiv zu bleiben.

Derzeit sieht es für die Zukunft des Wirtshauses nicht schlecht aus. Trotzdem plant der Verein nicht weit in die Zukunft. "Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem das aktuelle Personal nicht mehr verfügbar sein wird, und dann geht die Suche nach passenden Mitarbeitern von vorne los", prophezeit der Vorsitzende.

Dennoch bleibt eines klar: "Die 'Turnhalle' hat gute und weniger gute Zeiten erlebt. Trotzdem besteht sie nach wie vor. Wir setzen alles daran, die Gaststätte weiter zu betreiben und als gesellschaftlichen Sammelpunkt für unseren kleinen Ort am Leben zu halten."

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