16.09.2020 - 19:57 Uhr
MehlmeiselOberpfalz

Aus für Wolf und Bär im Wildpark Mehlmeisel

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Der Betreiber des Wildparks in Mehlmeisel, Eckard Mickisch, sagt ein Erweiterungs-Projekt ab, weil er sich über den Widerstand von Gemeinderäten ärgert. Die wehren sich.

Wildpark-Betreiber Eckard Mickisch möchte aus Ärger über Gemeinderäte die Erweiterung um Gehege für Wölfe und Bären abblasen.
von Externer BeitragProfil

Damit hat keiner gerechnet. Kurz nachdem die Erweiterung des Wildparks Mehlmeisel um Gehege für Wölfe und Bären auf einem guten Weg zu sein schien, sieht es jetzt so aus, als sei das Projekt schon wieder gestorben. Noch am Montagabend hatte man sich im Gemeinderat geeinigt, bei einem Ortstermin mit Betreiber Eckard Mickisch und einem Investor nach guten Lösungen zu suchen. Am Dienstag dann sagte Mickisch, dass aus der Erweiterung nichts werde.

Statt den beliebten Wildpark zunächst um drei Hektar auf das Doppelte zu vergrößern und später sogar auf 15 Hektar aufzustocken, bleibt der Park jetzt mit seinen Luchsen, Wildkatzen, Wildschweinen und Hirschen genau so, wie er ist. Wölfe und Bären wird man hier weiterhin vergeblich suchen. Auch der Investor - ein Geschäftsmann aus der Oberpfalz, der nicht genannt werden will - habe kein Interesse mehr, das Gehege im Wert von einer Million Euro zu finanzieren.

"Fadenscheinige Argumente"

Mickisch ärgere sich maßlos über "den Widerstand im Gemeinderat. Das ist unglaublich." Mit Kritikern könne er arbeiten, aber nicht mit Gegnern. "Um so ein gigantisches Projekt zu verwirklichen, brauche ich Leute, die hinter mir stehen. Ich bringe ein fertiges Konzept mit, vermittle einen Investor, der alles bezahlt, ich bekomme grünes Licht vom Landratsamt und sogar schon von Bundes-Ministerien. Aber wenn Vertreter der Gemeinde Mehlmeisel dann nicht ,toll' sagen, sondern mit fadenscheinigen Argumenten dagegen opponieren, habe ich keine Lust mehr."

Neben der Erweiterung habe sein Konzept auch eine bundesweit einmalige Auffangstation für Wildtiere umfasst. Außerdem sei ein Infogehege Herdenschutzhund geplant gewesen. So hätte man auch die Akzeptanz für den Wolf in Deutschland erhöhen können: "Überall, wo ich das Konzept vorgestellt habe, auch im Ausland, waren die Menschen begeistert. Nur in Mehlmeisel gibt es diese Vorbehalte." Krampfhaft nach Gründen gegen das Projekt suchten laut Mickisch Zweiter Bürgermeister Franz Scharl (FWG), Winfried Prokisch und Walter Ehlich (beide CSU).

2017 einstimmiger Beschluss

Bürgermeister Franz Tauber (FWG) sagt, er sei "massiv enttäuscht und niedergeschlagen". Mickisch habe Herzblut in das tolle neue Projekt gesteckt, doch ein paar Gemeinderäten sei nichts besseres eingefallen, als alles zu zerreden. "Das ist unmöglich, wenn ich sogar schon einen zuverlässigen Investor habe, der kein Sprüchereißer ist. Andere Gemeinden würden sich die Finger abschlecken, wenn einer eine Million investieren will. Zumal wir als Konsolidierungsgemeinde ja keinen Cent freiwillige Leistungen in den Tourismus stecken dürfen." Schon 2017 habe der Gemeinderat in einem Grundsatzbeschluss einstimmig dafür gestimmt, den Wildpark gemäß Mickischs Konzept weiterzuentwickeln.

Um so ein gigantisches Projekt zu verwirklichen, brauche ich Leute, die hinter mir stehen.

Eckard Mickisch

Aus allen Wolken fällt Gemeinderat Prokisch, als er von Mickischs Aussagen hört. Es könne nicht sein, dass nach dem Motto "Friss oder stirb" gehandelt werde. Im Gegensatz zu Mickischs Behauptungen gebe es im Gemeinderat keinen einzigen Gegner einer Wildpark-Erweiterung. Aber es gebe einige, die über den Standort und andere Details sprechen wollten.

Sorge um Teiche

Prokisch wiederholte seinen in der Gemeinderatssitzung gemachten Vorwurf, dass bei Umsetzung der bisherigen Planung ein Idyll mit Teichen und einem Wassertretbecken zerstört werde. Prokisch bezweifelt außerdem, "dass der Grundsatzbeschluss pro Erweiterung Wolf und Bär auch die Umsetzung des konkreten Konzepts umfasst". Und: Er stehe zu dem, was in der Gemeinderatssitzung Konsens war: "Wir haben uns auf ein Treffen mit dem Investor geeinigt. Ich hoffe, dass das zustande kommt."

Die heuer geborenen beiden Luchse werden wohl vorerst die einzigen "Neuzugänge" bleiben

Mehlmeisel

Auch Walter Ehlich widerspricht Mickisch: "Ich habe in der Gemeinderatssitzung ausdrücklich gesagt, dass ich für das Projekt bin. Ich habe bloß Bedenken, ob die Teiche, die ja in die neuen Gehege integriert werden sollen, auch in Zukunft problemlos zur Beschneiung der Skipiste genutzt werden können." Das Naherholungsgebiet Bayreuther Haus gebe es schon seit Jahrzehnten: "Da müssen wir auch etwas bieten, das keinen Eintritt kostet." Außerdem bezweifle er, dass keine Kosten auf die Gemeinde zukommen, wie von Tauber gesagt: "Das mag für die reine Investition stimmen. Aber was ist mit dem Unterhalt?" Außerdem: "Selbst wenn es drei Gegner im Gemeinderat gäbe, wie Herr Mickisch fälschlich behauptet, wäre ja immer noch die Mehrheit dafür."

Nachdem es nach der Gemeinderatssitzung am Montag noch so ausgesehen hatte, als sollte es demnächst konkrete Gespräche um eine Erweiterung des Wildparks um Wolf und Bär geben, scheint es jetzt plötzlich so, als müssten die Luchse auf neue Nachbarn verzichten.
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