19.02.2021 - 12:16 Uhr
Mitterhof bei WaldsassenOberpfalz

Remise des früheren Klosterguts Mitterhof wird zum Restaurant und Museum

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Nach mehrjähriger Planung geht die Sanierung des Mitterhofs bei Waldsassen in die nächste Runde. Die Arbeiten an der Remise sollen noch im Herbst dieses Jahres beginnen. Zudem stehen weitere Bauvorhaben an.

Die Sanierung des Mitterhofs ist eine Mammutaufgabe. Kerstin und Matthias Frank (von rechts) halten den Bauplan in ihren Händen. Unterstützung bekommen sie auch von Alfred Wolf (Initiative Heimatunternehmen). Die Arbeiten an der Remise sollen noch in diesem Jahr beginnen.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Kerstin und Matthias Frank sind noch immer überwältigt. In weniger als drei Wochen waren alle Genussrechte vergeben. Nun kann die Sanierung der Remise des früheren Klosterguts Mitterhof bei Waldsassen in die nächste Runde gehen. Noch in diesem Jahr soll mit den Arbeiten begonnen werden.

"Die Remise ist das wichtigste Gebäude, um weiter wirtschaften zu können und sich zu entwickeln", erklärt Matthias Frank. Zusammen mit seiner Frau Kerstin betreibt er den Mitterhof – ein ehemaliger Selbstversorgerhof des Klosters Waldsassen.

Auf dem Anwesen setzten die beiden ihre Vorstellungen von einer ökologischen Landwirtschaft um. "Eine konventionelle Tierhaltung wäre hier nicht möglich gewesen", erklärt Kerstin Frank. 40 Strauße haben auf dem Hof eine Heimat. Coburger Fuchsschafe übernehmen als Landschaftspfleger wichtige Arbeiten. Mangalitza- und Sattelschweine bewahrt die Familie als Nutztierarche vor dem Aussterben.

Café im ehemaligen Wohnhaus

Im ehemaligen Wohnhaus ist der Hofladen mit kleinem Café untergebracht. Vor der Pandemie boten die Franks hier Kaffee und Kuchen und in regelmäßigen Abständen Straußen- und Urschwein-Dinner an. Sie bemerkten schnell: "Wir brauchen mehr Platz." Die ehemalige Remise – das Wirtschaftsgebäude – soll nun Abhilfe schaffen.

Zusammen mit der Stadt Waldsassen, dem Amt für Ländliche Entwicklung, Projektkoordinator Alfred Wolf von der Initiative Heimatunternehmen und den Käufern der Genussrechte soll dem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert neues Leben eingehaucht werden.

"Im Erdgeschoss entsteht ein Restaurant, im ersten Stock ein Museum", sagt Matthias Frank. Die 100 Quadratmeter große Gaststube soll in Zukunft rund 40 Gästen Platz bieten. "So haben wir die Möglichkeit, auch Geburtstage oder Kommunionfeiern anzubieten", sagt Kerstin Frank.

Rustikal und dennoch gemütlich soll es werden. Das Museum im ersten Stock wird mit vielen Bildern die Geschichte des wohl bekanntesten landwirtschaftlichen Betriebs im Stiftland erzählen. Geheizt wird die Remise mit einer Pelletheizung. Eine Solaranlage auf dem Dach ist allerdings nicht möglich.

Öffentliche Ausschreibung

"Hinter uns liegt ein langer Prozess", erklärt Alfred Wolf. Es mussten Lösungen auf den Weg gebracht werden, die allen gerecht werden. Wolf denkt dabei an den Denkmalschutz und die Vorgaben des Klosters. "Die Vorbereitungszeit für die Finanzierung betrug rund zwei Jahre", erklärt Bürgermeister Bernd Sommer. Viele Gespräche waren nötig, um von der Städtebauförderung zu profitieren.

Die Stadt Waldsassen steht aus mehreren Gründen hinter dem Projekt. "Wir kümmern uns um ortsprägende Gebäude", unterstreicht der Bürgermeister weiter. Zudem habe sich der Mitterhof zu einem attraktiven Tourismuspunkt entwickelt, "vor allem durch das Engagement der Familie Frank". Als dritten wichtigen Punkt nennt er die Pflege der Klosterlandschaft mit dem Ziel, das Welterbe-Siegel zu erreichen. "Der Mitterhof gehört zum Kloster, deshalb war schnell klar, dass wir da mit dabei sind", sagt Sommer.

"Der Mitterhof gehört zum Kloster. Deshalb war schnell klar, dass wir da mit dabei sind."

Bürgermeister Bernd Sommer über das Engagement der Stadt Waldsassen

Bürgermeister Bernd Sommer über das Engagement der Stadt Waldsassen

Bis es soweit ist, wird aber noch etwas Zeit vergehen. "Der Antrag für die Städtebauförderung wurde bereits zur Regierung der Oberpfalz geschickt", erklärt Matthias Frank. Ist der Förderbescheid da, kann mit dem Bau begonnen werden – "natürlich denkmalschutzkonform", sagt Frank. Die ausführenden Firmen müssen über eine öffentliche Ausschreibung gefunden werden.

Verkauf durchs Fenster

"Es wird versucht, so viel wie möglich zu erhalten", ergänzt Alfred Wolf. Ein derzeit zugemauertes Fenster wird wieder geöffnet. "Durch dieses Fenster wurden damals Gemüse und andere Waren verkauft", weiß Kerstin Frank. Der Verkauf durchs Fenster ist Familie Frank nicht unbekannt – allerdings aus anderen Gründen.

Durch die Corona-Pandemie ist auch sie gezwungen, Kaffee, Kuchen und Mittagsgerichte über ein Fenster zu verkaufen. Aber auch das kommt bei den Kunden gut an. "Wir sind sehr dankbar, dass uns die Leute in dieser schwierigen Zeit unterstützen", sagt Matthias Frank. Gekocht wird nur so viel, wie zuvor über das Telefon oder per E-Mail bestellt wurde. Nachhaltigkeit ist dem Ehepaar sehr wichtig. "Es sollen keine Reste übrig bleiben", meint Kerstin Frank.

"Wir sind sehr dankbar, dass uns die Leute in dieser schwierigen Zeit unterstützen."

Matthias Frank über die treuen Gäste

Die Sanierung der Remise ist nur ein Baustein, der zum Erhalt des Mitterhofs beitragen soll. Weitere Bauvorhaben könnten in Zukunft der Umbau des Wohnhauses sein: Ferienwohnungen sollen dort entstehen. Unter dem Motto "soziales Leben" soll auch eine Außenstelle des Sozialteams Tirschenreuth auf dem Anwesen Platz finden.

Die Genussrechte des Mitterhofs waren schnell vergriffen

Waldsassen
Info:

Hintergrund

Bauvolumen

  • Die voraussichtlichen Kosten betragen rund 900.000 Euro.
  • Zuschüsse in Höhe von 540.000 Euro werden aus verschiedenen Fördertöpfen erwartet.
  • Die Städtebauförderung trägt den größten Anteil.
  • 360.000 Euro sind zu finanzieren. Dafür nehmen Kerstin und Matthias Frank einen Kredit auf, setzen eigenes Kapital ein und gaben zudem noch Genussrechte aus.
  • Die Genussrechte über eine Gesamtsumme von 100.000 Euro waren binnen drei Wochen vergeben.

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