12.03.2019 - 18:37 Uhr
MitterteichOberpfalz

Deftige Brotzeit aus Glutkelle

Die Glasmacherarbeit war sehr beschwerlich. Nicht nur die Hitze der Öfen machte zu schaffen, auch das Schöpfen und Weiterverarbeiten des flüssigen Gemenges erforderten Kraft und Ausdauer. Da war deftiges und energiereiches Essen nötig.

Glühend heißes flüssiges Glas wurde mit dieser Schöpfkelle getragen. Nach dem Abkühlen von über 1400 °C konnte darin eine deftige Glasmacher-Brotzeit gebraten werden.
von Redaktion ONETZProfil
Museumsleiterin Marion Papsch vom Museum Mitterteich zeigt die über zwei Meter lange Schöpfkelle.
Die schwere Kelle musste manchmal von zwei Personen getragen werden.

So ließen es sich die Arbeiter nicht nehmen, die Wärme der Öfen auch noch nach Feierabend zu nutzen. An Geburtstagen, anderen Festtagen oder wenn ihnen gerade einmal danach war, gab es eine gemeinsame Glasmacher-Brotzeit. Die Schöpfkelle war eigentlich dazu da, das Glas aus der Wanne zu schöpfen. Dabei heizte sie sich auf über 1400 Grad auf, da erst bei dieser Temperatur die Glasbestandteile Quarzsand, Soda, Pottasche und Kalk schmelzen. Um zu vermeiden, versehentlich Glassplitter zu essen, wurde meist eine saubere Kelle aufgeheizt.

Zum Kochen war viel Erfahrung notwendig, damit das Fleisch nicht verbrannte oder die Schöpfkelle schon wieder zu kalt war. Traditionell machte das der Einleger, der am Ofen die Mischung und Temperatur des Glases eingestellt hat. Mit einer Schweineschwarte testete er die Hitze der Kelle und passte so den richtigen Moment der Fleischzugabe ab.

Die Schöpfkelle des Museums Mitterteich stammt aus der Hütte der Deutschen Spiegelglas AG (DESAG), die Spezialgläser gefertigt hatte. Arbeiter pressten dort Buntglas für Verkehrsampeln, Flugzeuge und Bahnhöfe. Die Glasbläser fertigten Scheibenglas an. Die DESAG war seit 1930 ein Tochterunternehmen der Schott Rohrglas GmbH (heute Schott AG) und wurde 1997 geschlossen. Viele der ehemaligen Mitarbeiter übernahm der Mutterkonzern. Die Kellen können aber mit den geschlossenen Öfen dort nicht verwendet werden und das Aufheizen mit anderen Hilfsmitteln war einfach nicht dasselbe.

Mehr über das Glashandwerk erzählt das Museum in Mitterteich. Geöffnet ist es von Dienstag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr sowie samstags von 9 bis 12 Uhr und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Eintritt: zwei Euro (ermäßigt ein Euro). www.mitterteich.de/museum-mitterteich.html

Rezept:

Echte Glasmacherbrotzeit

Wollen Sie auch einmal eine echte Glasmacherbrotzeit nachkochen? Hier das Originalrezept:

Zutaten für 6 Personen: 2 Pfund Pferderouladen, 2 1/2 Pfund Schweineschulter, 1/2 Pfund Schweinebauch (roh), 2 Stück Porree, 6 Stück Zwiebeln, Curry, Gulaschgewürz, Bratengewürz, Pfeffer, Klare Fleischsuppe (Würfel), Paprikagewürz und Salz. Zum Braten: Biskin und Bier.

Das Fleisch in ca. 1 cm Würfel schneiden. Porree in dünne Scheiben schneiden. Zwiebel grob würfeln. In einen großen Topf oder Schüssel geben und mit Gulasch- und Bratengewürz, Pfeffer und Curry gut vermischen, über Nacht ziehen lassen. Schöpfkelle (gusseiserne Pfanne) mit Pflanzenfett stark erhitzen. Das Fleisch zugeben und Suppenwürfel und Salz hinzugeben. Gut umrühren, später die Pfanne abdecken.

Wenn das Wasser aus dem Fleisch ausgebraten ist, mit etwa 0,25 l Bier aufgießen und Paprika darüber streuen, gut umrühren und noch ca. 5 Minuten braten lassen. Dazu passend als Beilage ist Brot und ein gutes Zoigl-Bier.

Neue Serie :

In einer neuen Serie stellt Barbara Habel, die Museumsfachkraft der Interkommunalen Zusammenarbeit im Stiftland (Ikom Stiftland), in unregelmäßiger Reihenfolge ungewöhnliche Exponate aus den Museen im Landkreis vor und erzählt ihre Geschichte. In der nächsten Folge wird es übrigens um ein Exponat aus dem Erbendorfer Heimatmuseum gehen, das früher in einem Friseursalon stand und vor allem die Herzen vieler Damen höher schlagen ließ.

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