07.07.2021 - 12:32 Uhr
MitterteichOberpfalz

Auf dem Erdbeerfeld ist die "Hölle los"

Mit Verspätung wegen der Kälte hat die Erdbeerzeit begonnen. Die Unwetter haben den Früchtchen kaum geschadet. Schon morgens ist auf dem Erdbeerfeld von Bernhard Schedl im Landkreis Tirschenreuth deshalb eine Menge los.

Erdbeeren machen glücklich: Die zwölfjährige Vanessa aus Eger hat auf Vorrat gepflückt. Ihre Mama und Oma frieren die Erdbeeren auch ein. Vanessas Mama macht außerdem Marmelade und die Oma Erdbeer-Knödel.
von Ulla Britta BaumerProfil

Morgens um 9 Uhr auf dem Erdbeerfeld zwischen Mitterteich und Großbüchlberg tummeln sich jede Menge Leute. Zwar sind die Wege zwischen den Erdbeerreihen noch feucht vom Regen am Tag vorher. Aber das scheut viele Erdbeerfans nicht davor, die roten Früchtchen kübelweise zu pflücken.

Das zwei Hektar große Erdbeerfeld gehört zu Bernhard Schedl in Schwarzenbach, der von dort aus unter dem Firmennamen Beerenobst Schedl die Erdbeerzucht im großen Stil betreibt. Schedl hat Felder in Schwarzenbach, Mitterteich und in Tschechien bei Marienbad. Erdbeeren zum Selbstpflücken gibt es im Landkreis auch bei Erdbeer Bösl in Erbendorf und beim Erdbeerland Frohmader in Schwarzenreuth zwischen Ebnath und Neusorg.

Riesige Früchte

Bernhard Schedl musste wegen der andauernden Kälte lange auf die Reife der Erdbeeren warten. Jetzt ist es so weit, und es ist die "Hölle los". Bei Schedl wird auch professionell für die Lebensmittelmärkte gepflückt. Der Chef schickt Oberpfalz-Medien deshalb fürs Interview über Erdbeeren nach Mitterteich, wo ihm Bruder Josef und dessen Frau Rita Schedl ein Feld verpachtet haben. Bruder und Schwägerin helfen mit, sie betreuen den Stand direkt am Feld.

Der 65-jährige Josef Schedl und seine 60-jährige Frau Rita sind seit zwei Jahren unter die Erdbeer-Bauern gegangen. "Vorher war hier Getreide", erzählt Josef Schedl. Das Ehepaar, das in Kleinsterz eine Landwirtschaft betreibt, hat ebenfalls alle Hände voll zu tun. Auf der Theke der Verkaufsbude hat Rita Schedl große Körbe und kleine Schachteln mit leuchtend roten Erdbeeren aufgestellt. Das schaut nicht nur äußerst ansprechend aus. Es soll auch dazu animieren, die Früchtchen einfach mitzunehmen – ganz ohne Pflücken. "Die Senioren sind dafür sehr dankbar. Sie können sich oft nicht mehr gut bücken", weiß Josef Schedl.

Regina Mayerhofer und ihre Oma Rita Schraml bestätigen das. "Die Oma ist froh, wenn wir sie gleich kaufen können", erzählt Regina. Die beiden Frauen schätzen es sehr, hier frische Ware selbst holen zu können. Die Oma macht Marmelade damit, die Enkelin profitiert. "Die Erdbeeren sind riesig in diesem Jahr und wunderschön und lecker", schwärmen sie.

Jeden Tag auf dem Feld

Herta Rudhoff, Friseurin aus Mitterteich, kommt jeden Morgen vorbei. Es sei nicht weit. Damit habe sie täglich frische Erdbeeren, sagt sie. "Und ich freue mich jeden Tag wieder darauf." Sie holt die süßen Leckereien für die Enkel und zum selbst Naschen. Zudem hält sie einen Obstkuchenteig in Händen. Den hat sie auch bei Rita Schedl am Stand entdeckt. "Heute gibt es Erdbeerkuchen", freut sie sich auf den Nachmittagskaffee.

Aber aus den Früchten lassen sich auch noch viele andere Sachen machen, beispielsweise Erdbeer-Knödel. Vanessas Oma spricht davon während sie eifrig pflückt. Vanessa ist zwölf Jahre Gemeinsam mit der Oma und ihrer Mama, Marta Caldova, will sie so viele Erdbeeren wie möglich sammeln. Die Familie Caldova wohnt in Eger und muss aktuell wegen einer Baustelle zwischen Waldsassen und dem Grenzübergang die nächsten vier Wochen eine große Umleitung in Kauf nehmen. Deshalb holen sich die drei Frauen ihre Erdbeeren in diesem Jahr auf Vorrat.

"Wir frieren sie auch ein zum Haltbarmachen", erklärt Marta Caldova. Sie schwärmt in höchsten Tönen von den prallen, supergroßen Früchten aus Mitterteich. Die gebe es nirgendwo sonst. "Wir kommen jedes Jahr. Wir haben auch schon in Erbendorf gepflückt", sagt sie. Vanessas Oma kocht der Enkeltochter später daheim besagte Erdbeer-Knödel, und Vanessa kann es kaum erwarten.

Saison bis Ende Juli

Dass Regionalität beim Lebensmittel Erdbeeren einen hohen Stellenwert hat, freut das Ehepaar Schedl. Viele Kunden seien glücklich, dass sie ihre Früchte selbst pflücken können und damit wissen, was sie an guter Qualität mit nach Hause nehmen. Lange Anfahrtswege erübrigen sich, das Obst wird in mitgebrachten Eimern, Schüsseln und Schalen mitgenommen. Damit gibt es auch keine Verpackung. Außerdem, erklärt Josef Schedl, hielten seine Erdbeeren frisch gepflückt auch viel länger daheim im Kühlschrank.

Weitere drei Wochen, schätzt er, könne die Erdbeer-Saison in diesem Jahr weitergehen, bis Ende Juli etwa. Dann rät er einem nach den größten Früchten fragendem Ehepaar, weiter unten im Feld mit dem Pflücken zu beginnen. "Das sind die größten", ruft er dem Paar lachend nach. Die Schedls sind dankbar, dass die Unwetterwoche mit Hagel und Sturm kaum Schaden angerichtet hat. "Klar sind einige Erdbeeren beschädigt worden. Die sortieren wir aus", so Josef Schedl. Immer mehr Kunden stehen an mit großen Schüsseln, prall gefüllt mit roten Früchtchen. Viele wollen sich jetzt endlich nach der Verspätung wegen der allgemeinen Wetterlage mit der süßesten Verführung des Sommers reichlich eindecken.

Start der Erdbeer-Saison

Schwarzenbach bei Bärnau

"Die Erdbeeren sind riesig in diesem Jahr und wunderschön und lecker."

Regina Mayerhofer

 

 

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