21.02.2021 - 15:03 Uhr
MitterteichOberpfalz

Fahrschulen im Lockdown: Vom Winterdienst bis zum Modellbau

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Zwei Monate lang waren die Fahrschulen nun geschlossen. Ab dem 22. Februar sind die Autotüren wieder geöffnet. Wie stehen die Fahrlehrer dazu und was sagen die Fahrschüler?

Bitte einzusteigen, es geht wieder weiter! Vorher muss Peter Treitz den Fahrerraum allerdings noch ordnungsgemäß desinfezieren.
von Redaktion ONETZProfil

Fahrlehrer Peter Treitz (60, Vohenstrauß) kommt gerade aus seinem Bastelkeller. Dort arbeitet er an einem alten Modellhubschrauber, den er sich im ersten Lockdown gekauft und im zweiten Lockdown fast vollständig restauriert hat. "Man muss sich für jeden Tag etwas vornehmen" sagt er. Die Arbeit sei ihm auch im zweiten Lockdown nicht ausgegangen. Am 17. Dezember, erzählt er, fand für ihn die letzte Prüfungsfahrt statt. Danach habe er regelmäßig mit seinen Kollegen die Lage analysiert. Im Januar sei es schon absehbar gewesen, dass der Lockdown verlängert wird. Ab diesem Montag, 22. Februar sollen die Fahrschulen nun wieder öffnen dürfen.

Das sorgt bei Treitz für Erleichterung, da die Wartelisten für Theorie- und Praxisunterricht gut gefüllt sind. Dennoch will er sich nicht stressen lassen: Schüler müssten leider geduldig sein, es dauere schon ein paar Wochen. "Niemand wird bevorzugt, außerdem soll etwas Ordentliches dabei herauskommen", erklärt Treitz. Ziel ist es, die langen Wartelisten langsam abzuarbeiten. Zuerst sind die Schüler an der Reihe, die kurz vor der praktischen Fahrprüfung standen, danach die anderen Fahrschüler.

Wer seine Theorieprüfung bestanden hat, darf sich für Praxisstunden anmelden. Elf Fahrschüler pro Tag kann Peter Treitz maximal beschulen, an einer Theoriestunde können unter Einhaltung aller Hygieneregeln 12 Schüler teilnehmen. "Früher konnte man den Führerschein in einem viertel Jahr machen, nun muss man schon mit einem halben Jahr rechnen", gibt Treitz zu. Das einzige, was ihn störe, sei die FFP-2 Maskenpflicht: Als Fahrlehrer müsse man den ganzen Tag reden und erklären, das könne mit einer FFP-2 Maske anstrengend werden. Die Fahrlehrer würden medizinische Masken bevorzugen. Dennoch lautet Treitz Motto für die momentane Situation: "Positiv denken und sich nicht stressen lassen."

"Nicht ganz zu Ende gedacht".

Matthias Kraft (36, Mitterteich), Betreiber der Fahrschule im Stiftland, war sogar etwas überrascht, dass die Fahrschulen schon am 22. Februar und somit sogar noch vor den Friseuren öffnen dürfen. Im zweiten Lockdown hat er zwischenzeitlich beim Winterdienst ausgeholfen. Nun ist er sehr froh, dass es endlich weiter geht. Dennoch findet er das Konzept "nicht ganz zu Ende gedacht".

Vor allem beim Lkw-Führerschein sieht Kraft Probleme. Zwar könne er den Führerschein ganz nach Plan durchführen, allerdings benötigen Lkw- Fahrer seit 2009 auch eine sogenannte "beschleunigte Grundausbildung". Dort wird zum Beispiel besprochen, wie man eine Ladung sichert oder welche Papiere man ins Ausland mitzunehmen hat. Diese Grundausbildung dauert 140 Stunden und ohne sie darf man nicht gewerblich fahren.

Diese Ausbildung darf Kraft im Moment nicht anbieten. Normaler Theorieunterricht ist unabhängig vom Inzidenzwert erlaubt, die Grundausbildung darf aber erst ab einem Inzidenzwert unter 100 durchgeführt werden. Eine Sieben-Tages-Inzidenz unter 100 Fällen ist im Landkreis Tirschenreuth momentan in weiter Ferne. So muss die beschleunigte Grundausbildung verschoben werden, obwohl sie in dem selben Rahmen, wie der Theorieunterricht stattfinden würde.

Solche Vorgaben stoßen bei Kraft auf Unverständnis, er wünscht sich eine "Aufnahme der Fahrschulen in die Systemrelevanz" um solche Probleme zu vermeiden. Die zweimonatige Schließung sei außerdem unschön für die Kunden, da die Fahrschüler nun nochmal Fahrstunden nehmen müssen, um wieder ins Fahren zu kommen. An den Online-Theoriestunden, die vor drei Wochen erlaubt wurden, kritisiert Kraft den hohen bürokratischen Aufwand. Es gilt den Datenschutz zu beachten und man müsse sich das eigene Unterrichtskonzept erst genehmigen lassen. Außerdem müsse man in geeignete Ausstattung investieren. Nichtsdestotrotz freut sich Matthias Kraft auf den Fahrschulbetrieb. Eine baldige Besserung der Situation sieht er allerdings nicht: "Wir können nicht mehr als arbeiten. Ich denke, dass die langen Wartelisten erst im Herbst kürzer werden."

Und was sagen die Fahrschüler?

Lisa Brunner (18, Rothenstadt) hätte theoretisch schon im Januar ihren Führerschein in den Händen halten können. "Die Theorieprüfung habe ich schon vor dem Lockdown bestanden, bis zur praktischen Prüfung hätten mir nur noch die Nachtfahrten gefehlt", erzählt sie. Ihre nächste Fahrstunde hat sie nun am 27. Februar. Sie merkt, dass das "regelmäßige Fahren fehlt." Einen kleinen Vorteil hat sie aber: Lisa durfte mit dem Auto der Eltern auf einem legalen Übungsplatz ein paar Runden drehen, um nicht aus der Übung zu kommen.

Auch Joshua Richthammer (17, Weiden) hätte nur noch eine Doppelstunde bis zur Prüfung gefehlt. Dennoch bleibt er optimistisch: "Klar ist man jetzt raus aus dem Fahren, aber ich denke das wird. Ich hoffe, dass ich nicht nochmal mehr Stunden nehmen muss, da ich mich beim Fahren schon echt sicher fühle. Mein Fahrlehrer lässt mich, denke ich, so bald wie möglich die Prüfung machen."

Kilian Seebauer (17, Vohenstrauß) muss noch etwas länger auf die Fahrprüfung warten. Die Theorieprüfung hat er glücklicherweise noch vor dem Lockdown geschafft, jetzt wartet er auf seine erste Fahrstunde. "Mein Fahrlehrer hat mir, als er mir den Zulassungszettel für die theoretische Prüfung gegeben hat, schon mitgeteilt, dass ich mir keine allzu großen Hoffnungen machen kann, bald in den praktischen Unterricht starten zu können". Damals habe man ihm mittgeteilt er solle sich auf eine Wartezeit von zwei Monaten einstellen. Durch die Schließung der Fahrschulen schätzt er, dass daraus noch ein paar Monate mehr werden könnten. Sein Ziel hat er deshalb geändert: Er strebt nun nicht mehr begleitetes Fahren an, sondern er will den Führerschein vor seinem 18. Geburtstag im August in den Händen halten.

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Hintergrund:

Die Schritte zum Autoführerschein

1. Anmeldung: Man benötigt einen Sehtest, einen Erste- Hilfe- Kurs (dieser kann im Moment nachgereicht werden), einen gültigen Personalausweis und ein Passbild. Die Unterlagen werden an die zuständige Zulassungsbehörde geschickt. Von dort aus landen die Papiere beim TÜV. Nachdem der Fahrschüler beim TÜV registriert wurde, kann der Fahrlehrer ihn zur Theorieprüfung anmelden.

2. Theorieprüfung: 14 Doppelstunden Theorieunterricht gilt es vorher zu absolvieren. Zusätzlich kann man sich mit weiteren Unterrichtsmaterialien auf die Prüfung vorbereiten. Meistgenutzt ist hier die Lernapp. Die bestandene Theorieprüfung verfällt nach einem Jahr, im Lockdown wurde die Frist aber um ein weiteres Jahr verlängert.

3. Praktische Prüfung: 12 Sonderfahrten müssen vor der Praxisprüfung gefahren werden: Fünf Überland-, vier Autobahn- und drei Nachtfahrten. Zusätzlich gibt es eine unbeschränkte Zahl an Übungsstunden, je nach Fahrkönnen des Schülers. Durch die Einführung eines erweiterten Aufgabenkataloges, sowie eines elektronischen Prüfprotokolls im Januar 2021, dauert die Prüfung nun 55 Minuten.

Nur noch schnell das letzte Schild anbringen, dann sind die Vorbereitungen für die Fahrstunden auch schon abgeschlossen.
Auch der Raum für den Theorieunterricht ist fertig herrgerichtet. Dort drängten sich einst um die 30 Schüler, nun ist die Raumaufteilung etwas spartanischer gestaltet.
Hier will Peter Treitz bald wieder Theorieunterricht geben.

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