21.02.2021 - 09:59 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wenige E- und Hybrid-Autos im Landkreis Tirschenreuth

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In einem Jahr hat sich die Anzahl der Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge im Landkreis Tirschenreuth verdoppelt. Klingt gut. Trotzdem ist der Landkreis in Bayern in der Statistik damit ganz weit hinten. Ein Wiesauer ist von der neuen Technik begeistert.

Seit August 2016 ist der Wiesauer Helmut Konrad mit seinem E-Auto unterwegs. 100 000 Kilometer – die meisten davon zwischen Wohnung und Arbeit – hat der 61-Jährige mit dem BMW zurückgelegt. Und er ist immer noch so begeistert wie am ersten Tag.
von Armin Eger Kontakt Profil

105 Elektroautos und dazu 255 Hybrid-Fahrzeuge meldete die Zulassungsstelle Tirschenreuth am 1. Januar 2020. 12 Monate später waren es immerhin 199 E- und 563 Hybridautos. Das sind aber trotzdem nur 1,54 Prozent aller zugelassener Pkw. In Bayern kamen bis November 2020 gut 59 800 Autos dieser beiden Kategorien auf die Straße. Das ist ein Anteil von 11,5 Prozent. Deutschlandweit sind es 12 Prozent.

Woran liegt es, dass in Nordbayern die Zulassungen von E-Autos nur mäßig steigen? Ist die geringe Anzahl der öffentlichen Ladesäulen – 30 im gesamten Landkreis – daran schuld?

„Auf keinen Fall“, sagt der Wiesauer Helmut Konrad, der schon seit August 2016 mit einem BMW i3 zwischen Wohnort und Arbeitsstätte in Almesbach pendelt. „Das sehen die meisten völlig falsch“, ist der Leiter des Staatsgutes Almesbach sicher. Er lädt sein Fahrzeug immer nachts, an einer normalen Steckdose. „Das dauert acht Stunden, aber die Zeit ist immer. Für einen Pendler wie mich, ich fahre 70 Kilometer hin und zurück zur Arbeit, ist ein E-Auto perfekt.“

Große Ersparnis jährlich

Wirtschaftlichkeit war für ihn der Grund für die Anschaffung. 27.000 Euro hat er vor viereinhalb Jahren für den gebrauchten BMW (Kilometerstand 17 000) bezahlt. „Ich habe 1300 Euro Ersparnis gegenüber einem Verbrenner pro Jahr“, rechnet Konrad vor. Der Strom sei im Gegensatz zum Benzin oder Diesel günstiger, das Auto ist 10 Jahre steuerbefreit und bei den Kundendiensten sei fast nichts zu machen. 115.000 Kilometer zeigt das Display des i3 an, fast 100.000 hat der 61-jährige Wiesauer selbst drauf gefahren.

„Das Fahrgefühl ist einfach toll, die Beschleunigung richtig gut“, schwärmt Konrad, der allerdings einräumt, dass er im Winter, wenn Heizung und Gebläse auf vollen Touren laufen, keine langen Strecken schafft. „Aber 100 Kilometer komme ich und das reicht.“ Für weitere Fahrten hat die Familie Konrad ein zweites Auto – allerdings spielten hier auch Wirtschaftlichkeit und Umwelt eine Rolle. In der Garage steht mit dem BMW 225 xe ein Hybridauto.

Nachfrage steigt

„Die Nachfrage nach Hybridautos hat zugenommen“, sagt Daniel Walter, Chef des Autohauses Stock in Wiesau. 2020 habe er etwa 700 Neu- und Gebrauchtfahrzeuge verkauft. Er schätzt den Anteil von Plugin-Hybrid, Vollhybrid und Mildhybrid auf etwa 5 Prozent. Tendenz steigend.

Erst dieser Tage habe er drei Hybridautos ausgeliefert, sagt der Ford-Haupthändler. „Viele fragen nach, was es für Alternativen zu den Verbrennern gibt.“ Interessant seien die Zuschüsse, die es für diese Fahrzeuge gebe. Für ein reines E-Auto, wie den Ford Mustang Mach E, der im Frühsommer auf den Markt kommt, gebe es immerhin 9000 Euro Förderung, erklärt Walter.

Allerdings bringe die Elektrifizierung für die Händler auch Nachteile. „Wir verdienen weniger als an einem Verbrenner, auch weil die Arbeiten in der Werkstatt nicht so umfangreich sind.“ Arbeitsplätze seien dadurch in Gefahr. Aber der Wiesauer Fordhändler hat bereits für die neue E-Technik zwei Monteure ausbilden lassen. „Und im nächsten Jahr bekommen wir sogar noch eine eigene Ladesäule.“

Der Nachbarlandkreis Wunsiedel meldet, dass „die Zahl der E-Autos im vergangenen Jahr spürbar gestiegen ist. Aktuell sind 236 reine E-Fahrzeuge, 187 Plugin-Hybride, sowie 499 Hybrid-Fahrzeuge angemeldet“, steht in einer Pressemitteilung. Im Zuge der E-Lade-Initiative sei die Zahl der öffentlichen Ladesäulen verdoppelt und somit ein flächendeckendes Netz geschaffen worden. Konkret verfüge der Landkreis derzeit über 65 Ladepunkte.

Auch Baxis fahren elektrisch

Tirschenreuth
Im Landkreis Tirschenreuth gibt es nur wenige öffentliche Ladesäulen für E-Autos, wie hier in Wiesau am Rathaus.

„Für einen Pendler wie mich, ich fahre 70 Kilometer hin und zurück zur Arbeit, ist ein E-Auto perfekt“.

Helmut Konrad, der schon seit 2016 ein E-Auto fährt

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