29.05.2020 - 17:52 Uhr
MitterteichOberpfalz

"Freibad-Franz" übersteht Coronavirus nur knapp

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Franz Schmid erkrankte schwer an Corona. Der Alleinstehende war so schwach, dass er nicht einmal auf Anrufe oder die Türklingel reagieren konnte. Der Mitterteicher musste von Feuerwehr und BRK aus seiner Wohnung gerettet werden.

Franz Schmid kann wieder lachen. Nach dem 13. März war ihm zwei Wochen nicht mehr danach zumute, der gefährliche Virus Covid-19 hat ihn gewaltig aus der Bahn geworfen.
von Ulla Britta BaumerProfil

"Da ist dir alles egal. Selbst wenn du weg kippst für immer, merkst du es gar nicht", erzählt Franz Schmid. Der 66-jährige Rentner erkrankte im März an Corona. Nur seine körperlich gute Kondition bewahrte den 66-jährigen alleinlebenden Witwer vor dem Schlimmsten. Der 1,90 Meter große Rentner hält sich sportlich fit, Sommer wie Winter geht er täglich im Frei- oder Hallenbad schwimmen. Das hat ihm im Supersommer 2018 den Titel "Freibad-Franz" eingebracht. Dass der Mitterteicher Covid-19 überlebt hat, ist zudem einem beispielhaften Einsatz mehrerer Beteiligten zu verdanken.

Merkwürdiges Unwohlsein

Alles begann ausgerechnet an einem Freitag, den 13. März. Für Schmid ein Unglückstag wie er im Buch steht. "Ich fühlte mich schlapp und lustlos. Deshalb blieb ich daheim", erzählt er. Dennoch sei er sorglos gewesen, er dachte gar nicht an eine Covid-19-Infektion. "Man ist nicht immer gut drauf", begründete Schmid sein merkwürdiges Unwohlsein für sich. Dann ging es dem Rentner immer schlechter. Er sei in eine Art Tiefschlaf gefallen, apathisch und interessenlos. "Ich wollte nicht lesen, nicht fernsehen, nicht essen, nicht trinken." Mit seinem sehr schlechten Gesundheitszustand war Schmid, der alleine lebt, auf sich allein gestellt.

Dann kam der 18. März. Fünf Tage nachdem es dem 66-Jährigen immer schlechter ging, wurde über Mitterteich die Ausgangssperre verhängt. Diese Nachricht hat er zwar mitbekommen. "Aber ich dachte immer noch nicht, dass ich Corona haben könnte", berichtet er. Mittlerweile quälten ihn Symptome wie starker Durchfall. Schmid beschreibt seinen Zustand, als hätte er zehn Mass Bier getrunken. Er habe sich von der Couch ins Bett geschleppt und sei apathisch liegen geblieben.

Wie der alleinstehende Rentner zu seinem Titel "Freibad-Franz" kam

Mitterteich

Fast keine Kraft zu Türe öffnen

Ausgerechnet die für Mitterteich unerfreuliche Ausgangssperre sollte für Schmid ein Glücksfall werden. Die Schlagzeile verbreitete sich rasch bundesweit und erreichte auch Schmids Bruder Herbert und dessen Frau Elfi in München. Die Verwandten waren neugierig, wollten Genaueres wissen und riefen bei Schmid an. "Fünf Mal. Sie haben auch auf den Anrufbeantworter gesprochen. Ich habe nichts mitbekommen", erzählt der Rentner. Nach mehrmaligen Versuchen sei den Verwandten klar gewesen, mit dem Rentner könne etwas nicht in Ordnung sein. Zumal alle Mitterteicher wegen der Ausgangssperre daheim sein mussten. "Meine Schwägerin wunderte sich, dass ausgerechnet ich nicht erreichbar bin."

Die Münchener baten Schmids Bruder Oskar in Leugas und Schwester Gisela Opel in Triebendorf, nach dem 66-Jährigen zu schauen. Nur: Mitterteich war gesperrt, Besuche in der Stadt verboten. "Gisela hat über eine Bekannte den Hausmeister in unserem Wohnblock informiert, damit er bei mir klingelt", erzählt Franz weiter. Dieser polterte laut so lange an der Wohnungstüre, bis sich Schmid aufraffte und zur Tür schleppte. "Ich glaube, ich habe ihm gesagt, er soll mich in Ruhe lassen und hab die Tür wieder zugeschlagen", erinnert sich Schmid nur vage. Der Hausmeister aber alarmierte die Familie. Neffe Gerald Schmid aus Leugas, zögerte nicht und rief sofort den Notruf. "Ich muss schrecklich ausgeschaut haben", ist dem Mitterteicher hinterher erzählt worden.

Eine Woche war seit Schmids Erkrankung vergangen, als er sich ein weiteres Mal nahezu im Delirium zur Tür schleppte. "Als ich aufmachte, standen die Feuerwehr und das BRK da. Sie wollten die Tür aufbrechen." Sogar die Polizei sei auf dem Weg gewesen. Der Rentner wurde umgehend ins Weidener Klinikum Weiden gebracht und an den Infusionstropf gehängt. Ein Abstrich bringt Gewissheit: "Covid-19 postitiv" Sein Zustand verbesserte sich schnell, nach wenigen Tagen im Krankenhaus durfte Schmid mit Quarantäne-Auflagen wieder nach Hause - zehn Kilogramm abgemagert innerhalb von zehn Tagen.

Zwei Wünsche

Schmid ist sicher, dass er Corona nicht überlebt hätte, wenn nicht seine Verwandten, die Nachbarin, der Hausmeister, Feuerwehr, BRK, Polizei und das Klinikum Hand in Hand richtig und rasch reagiert hätten. Dafür sagt er allen herzlich Danke. Für sein "neues" Leben hat der "Freibad-Franz" nach derart viel Glück nur zwei Wünsche: Dass Corona aus der Welt verschwindet und dass sein Freibad wieder öffnet.

Nach überstandener Krankheit möchte Franz Schmid nur noch, dass er endlich wieder im Mitterteicher Freibadbecken wie gewohnt täglich seine Bahnen ziehen kann.
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