16.08.2019 - 15:34 Uhr
MitterteichOberpfalz

"Keine persönlichen Selbstdarstellungen mehr"

Der AWO-Kreisverband Tirschenreuth kommt nicht zur Ruhe. Schriftführerin Susi Bittner und die frühere Kreisvorsitzende Hannelore Bienlein-Holl kritisieren die öffentlichen Aussagen des kommissarischen Vorsitzenden Edwin Ulrich scharf.

Die Diskussionen bei der AWO halten an. Einer der Gründe ist das Mehrgenerationenhaus in Mitterteich.
von Martin Maier Kontakt Profil

Beide Frauen haben sich unabhängig voneinander schriftlich an den "Neuen Tag" gewandt. Sie sind erschüttert über die Äußerung von Ulrich in dem NT-Artikel "AWO keine Melkkuh für ein Prestigeobjekt". Darin greift der kommissarische Vorsitzende des Kreisverbands der Arbeiterwohlfahrt (AWO) die Stadt Mitterteich wegen des Mehrgenerationenhauses (MGH) scharf an.

Geheimer Beschluss

Schriftführerin Susi Bittner, die am 1. September ebenso wie Ulrich für den vakanten Posten des AWO-Kreisvorsitzenden kandidiert, stellt klar, dass Ulrich die Aussagen ohne Rücksprache mit dem Kreisvorstand oder der Geschäftsführung getätigt habe. "Es wurde in der letzten Sitzung sogar mehrheitlich beraten, im Moment keine weiteren öffentlichen Statements seitens der Kreisvorstandschaft abzugeben", erklärt die Wildenauerin.

Für sie sei es unverständlich, wie man geheime Vorstandsbeschlüsse veröffentlichen könne, ebenso wie in einem anderen Bericht betriebsinterne geheime Zahlen. Nicht nachvollziehen könne Bittner, dass versucht werde, Mitterteich mit seinem Rathauschef und den Stadträten in Misskredit beziehungsweise Bringschuld zu bringen. "Beschlossen war eigentlich, das Gespräch mit dem Bürgermeister zu suchen, welches dieser bereits mehrfach angeboten hat, um eine gute Lösung für diese Situation zu finden."

Dies sollte natürlich der oder die neue Vorsitzende nach dem 1. September übernehmen. Schlüssige Konzepte zu erstellen, sei ihrer Meinung nach die Aufgabe des Mehrgenerationenhaus-Betreibers. Wenn die Stadt helfe umso besser, aber ihre explizite Aufgabe sei es nicht. Auch seien dem Kreisvorstand die Zahlen des MGH seit 2015 bekannt. "Man kann jetzt nicht die Schuld dieser Misere alleine an die Stadt abwälzen und ihr den schwarzen Peter zuschieben", verteidigt Bittner die Kommune. Sie sei sich sicher, "dass wir eine gute Lösung für alle Beteiligten finden werden".

Am allermeisten betrübe sie, dass durch die Berichterstattung den AWO-Mitarbeitern sehr viel zugemutet werde. Sie hoffe, dass nach der Wahl, egal wie sei ausgehe, endlich wieder Ruhe einkehre. "Es wird Zeit wieder am Herzen der Mitarbeiter zu sein. Keine persönlichen Selbstdarstellungen mehr", fordert Bittner.

Ebenfalls "absolut unpassend und falsch" hält Hannelore Bienlein-Holl die Melkkuh-Aussage. Sie habe mehr als 30 Jahre als ehrenamtliche Kreisvorsitzende und Geschäftsführerin mit den jeweiligen Mitterteicher Bürgermeistern und Stadträten gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet. "Wir haben gemeinsam immer Lösungen gefunden für Projekte und sehr viel Unterstützung erfahren." Zum Defizit des MGH meint sie, dass es wohl selbstverständlich sei, dass man spätestens nach dem ersten defizitären Jahr die Notbremse ziehe und ein Gespräch mit der Stadt über die weitere Finanzierung führe. Dies scheine nun nach Jahren etwas spät geschehen zu sein. Aber ihr sei bekannt, dass Bürgermeister Roland Grillmeier und der Stadtrat sofort ein klärendes Gespräch und auch eine höhere Beteiligung angeboten hätten.

Auf diese Äußerungen von Edwin Ulrich, kommissarischer AWO-Kreisvorsitzender, reagieren die zwei Frauen.

Mitterteich

"Es gibt also keinen Grund, zum jetzigen Zeitpunkt die Pferde scheu zu machen", stellt Bienlein-Holl fest. Das eigentliche Problem sei, dass sich das hohe Defizit auch finanziell zulasten der Mitarbeiter auswirke. Mit 104 Mitarbeitern habe die AWO ein hervorragendes und motiviertes Team, das auch Anspruch auf entsprechende Vergütungen habe.

Im übrigen bräuchten sich nicht die Stadträte ein schlüssiges Konzept für das MGH überlegen. Denn dies sei Sache des Betreibers. "Die Stadt weiß, was sie an der AWO hat und die AWO war erfreut und stolz, eine solch gute Begegnungsstätte mit Leben zu erfüllen", blickt sie zurück. Beide Partner hätten die Einrichtung des MGH immer als gemeinsames Projekt empfunden.

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