17.12.2020 - 10:18 Uhr
MitterteichOberpfalz

Mitterteich barrierefrei: Noch keine Lösung am Unteren Markt

Die Rampe vor der Metzgerei am Unteren Markt beschäftigt weiterhin den Bauausschuss. Wie die Situation am besten verändert werden könnte, darüber ist noch keine Entscheidung gefallen. Klar ist: Eine optimale Variante gibt es nicht.

Heribert Hegen zog eine Höherlegung des gesamten Areals in Betracht. „Dies wäre die beste Lösung, aber auch die teuerste“, sagte Hegen. Ziel ist es, den Gehbereich entlang der Häuserfront sicherer für alle zu machen.
von Josef RosnerProfil

In der Sitzung des Bauausschusses wurde erneut die Situation am Unteren Markt 9 diskutiert, die im Moment für keinen der Beteiligten befriedigend ist. Bürgermeister Stefan Grillmeier machte am Ende der Bauausschusssitzung deutlich, dass er die verschiedenen Möglichkeiten mit der Regierung der Oberpfalz erörtern und eine Lösung erreichen will.

„Beim nächsten Mal gibt es eine Entscheidung“, sagte Grillmeier, dem dieses Thema allmählich zu nerven scheint. Einmal mehr prallten mögliche Lösungen und Wünsche zwischen Teilen des Stadtrates und der Behindertenbeauftragten aufeinander. Alle waren sich einig, dass es eine optimale Lösung nicht geben wird.

Ortstermin am Unteren Markt

Vor der Bauausschusssitzung fand ein nichtöffentlicher Ortstermin am Unteren Markt statt, wo sich die Mitglieder des Bauausschusses nochmals von der aktuellen Situation überzeugten. Mit dabei war auch Architekt Max Wittmann, der früher bei der Stewog in Marktredwitz beschäftigt war. Wittmann schilderte dem Stadtrat die Pläne der Metzgerei Grillmeier, die dort ansässig ist und einen Neubau erstellt hat.

Ziel des Neubaus war, die Barrierefreiheit zu erreichen, was auch gelungen ist. Bürgermeister Stefan Grillmeier erinnerte in der Bauausschusssitzung daran, dass damals eine rückwärtige Erschließung für die Metzgerei nicht weiter verfolgt wurde. Weiter sagte Grillmeier: „Mein Bruder will keine Terrassenlösung, sondern er besteht auf die Beibehaltung der Park- und Gehflächen im Außenbereich.“

Neigung im Winter problematisch

Dass die Neigung des Gehweges im Winter problematisch werden kann, bestätigte Josef Schwägerl. „Wir alle wollten Barrierefreiheit. Anders als in der jetzigen Form ist es kaum umzusetzen“, meinte der CSU-Mann. Weiter hob er hervor, dass der komplette Abschnitt ein verkehrsberuhigter Bereich ist. Fußgänger und Autofahrer müssten dort gleichermaßen aufeinander Rücksicht nehmen.

Heribert Hegen (Zukunft Stadt Mitterteich) mahnte an, sich bei Baumaßnahmen an die Richtlinien zu halten. Schon bei der Planung des neuen Gebäudes hätten die Architekten Rücksicht auf den bereits bestehenden Marktplatz nehmen müssen. Hegen forderte auf dem Gehweg, der unmittelbar an der Häuserfront vorbei führt, ein Halte- und Parkverbot für Fahrzeuge.

Fläche komplett anheben

Hegen wusste, dass ein Gehen auf der geneigten Fläche an der Häuserfront entlang gerade in den Wintermonaten gefährlich werden kann. Seiner Meinung nach wäre die Ideallösung, den Belag des Unteren Marktplatzes in diesem Bereich auszubauen und die Fläche anzuheben. „Dies wäre die beste Lösung, aber auch die teuerste“, sagte Hegen.

Stefan Grillmeier sagte: „Lauf- und Fahrflächen sind als Einheit zu sehen.“ Der Bürgermeister wusste, dass zunächst die Gehfläche direkt an der Häuserfront vorbeiführte. Dies zeigte sich als wenig praktikabel, weil auch Fahrräder diesen Weg benützten und die dortige Gastronomie gefährdeten.

Bis zu 300 Quadratmeter

„Wenn wir den Platz dort anheben wollen, müssen wir mindestens 200 bis 300 Quadratmeter Fläche rausreißen", sagte der Bürgermeister und sprach von einem enormen finanziellen Kraftakt. Dabei berichtete Grillmeier von Anrufen der Einzelhändler und Gastronomen in der Stadtverwaltung, die wegen der Schließung rund um die Corona-Pandemie ohnehin schon mit den Nerven am Ende seien.

"Ich will keine Entscheidung gegen den Einzelhandel, ich will nicht der Totengräber des Einzelhandels und der Gastronomie sein."

Bürgermeister Stefan Grillmeier

„Ich will keine Entscheidung gegen den Einzelhandel, ich will nicht der Totengräber des Einzelhandels und der Gastronomie sein“, sagte der Bürgermeister emotional. „Wir brauchen eine Lösung, die allen gerecht wird. Eine Optimallösung wird es nicht geben.“

Gerhard Greim (SPD) sagte, für Sehbehinderte in diesem Bereich müsse noch eine Lösung gefunden werden. Ernst Bayer (Freie Wähler) bezeichnete den Weg entlang der Häuserfront als Gefahrenquelle. „Wie das gelöst wird, da bin ich zu wenig Fachmann.“ Bayer wünschte sich eine Lösung, die allen gerecht wird.

Keine Autos an der Häuserfront

Behindertenbeauftragter Wolfgang Karbstein machte deutlich, dass sie mit ihrem Anliegen, Menschen mit Behinderung einen vernünftigen Laufweg zu sichern, keinesfalls Gastronomie und Einzelhandel schädigen wollen. Allerdings mahnte auch Karbstein, dass das Quergefälle entlang der Häuserfront unstrittig eine Gefahrenquelle sei. Karbsteins Wunsch war, dass an der Häuserfront keine Autos mehr parken dürfen.

Bauamtsleiter Thomas Grillmeier betonte: „Wenn die Höhen verändert werden, ist das schon ein großer Eingriff.“ Zudem müsste es dann auch Veränderungen an der Wasserführung geben. Seiner Meinung sollen jetzt mal die Höhen aufgenommen werden, um zu schauen, wie es funktionieren könnte. Ziel ist es, dass alle Eingänge barrierefrei erreichbar sind. Josef Schwägerl sagte, dass an der Häuserfront nur kurz geparkt werden dürfe. „Dort sind keine Dauerparker, sondern nur solche, die mal kurz eine Brotzeit holen.“

Pragmatische Lösung

Am Ende einigte sich der Bauausschuss darauf, dass die Kosten eines Umbaus ermittelt werden und dann eine einvernehmliche Lösung gefunden wird. Diese dürfe aber nicht förderschädlich sein, so Bürgermeister Grillmeier. "Beim nächsten Mal müssen wir dann zu einer Entscheidung kommen.“

Für den bevorstehenden Winter regte der Bürgermeister ein pragmatisches Vorgehen an. Der Gehweg mit dem Gefälle solle, so Grillmeier, „g'scheit gestreut werden, um mögliche Unfälle zu verhindern“. Gefordert seien hier aber die Anlieger und die Stadt gemeinsam.

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