17.06.2021 - 17:08 Uhr
MitterteichOberpfalz

Sanierung der Eishalle Mitterteich: Hitzige Diskussion, heftige Kritik

Die Sanierung der Eishalle Mitterteich und die damit verbundenen Auswirkungen auf das Vereinsleben führten zuletzt zu einer kontroversen Diskussion. Auch im Stadtrat folgte nun eine hitzige Debatte. Dabei hagelte es zum Teil heftige Kritik.

Die kürzlich aufgeflammte Diskussion um die Sanierung der Mitterteicher Eishalle ging in dieser Woche im Stadtrat weiter.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Noch in diesem Sommer soll die mit über zwei Millionen Euro geförderte Sanierung der Eishalle Mitterteich starten. Kürzlich hatte der EHC Stiftland vor einer für ihn existenzbedrohenden Situation gewarnt, weil die Einrichtung wegen der Bauarbeiten bis ins Jahr 2022 geschlossen bleiben soll. Einer angeregten Verschiebung der Sanierung erteilte Bürgermeister Stefan Grillmeier mit Verweis auf die strengen Förderrichtlinien eine Absage - allerdings zeigte er sich optimistisch, dass im Gespräch mit dem EHC eine Lösung gefunden werden könne. Nun kam das Thema auch in der jüngsten Stadtratssitzung auf den Tisch.

Ausweichen sehr teuer

Heribert Hegen (Wählergemeinschaft Zukunft) berichtete von einem Treffen mit EHC-Vorstandsmitgliedern und Vertretern von Eishockey-Hobbymannschaften und Eisstock-Teams. "Die haben Angst, dass die zweite Saison in Folge ausfällt", so Hegen. Dies könnte nicht nur das Aus für die Liga-Präsenz bedeuten, letztlich könnte das dem EHC und den Hobbyteams sogar den Todesstoß versetzen. Denn ein Ausweichen nach Weiden, Selb oder anderswohin wäre sehr teuer. Daher sei der Wunsch aufgekommen, das Projekt zu verschieben oder zunächst jene Bereiche zu sanieren, die für den Eissport nicht benötigt werden. Weiter berichtete Hegen, dass ein EHC-Mitglied in einem Chat mit dem früheren Bürgermeister und heutigen Landrat Roland Grillmeier die Auskunft bekommen habe, wonach das Dach in den nächsten zehn Jahren noch nicht saniert werden müsste.

Stefan Grillmeier erwiderte, dass er die Sorgen nachvollziehen könne. Er warnte aber vor Diskussionen über Schritte, die nach den Förderrichtlinien gar nicht möglich seien. "Es steht im Bescheid klar drin, wie ich was umzusetzen habe", betonte Grillmeier. "Wenn wer zwei Millionen Euro übrig hat, kann man das Ganze gerne verschieben." Zur wiedergegebenen Aussage des Landrats fragte Grillmeier: "Kennt der den Förderbescheid?"

Konsequenzen angedroht

Der Bürgermeister drohte den Stadträten mit Konsequenzen, sollten Interna nach außen getragen werden. "Aussagen über Förderbescheide treffen nur die Verwaltung und der Bürgermeister," betonte Grillmeier. Heribert Hegen warf ein, dass er nichts dergleichen getan habe. "Ich sag's bloß!", schoss Grillmeier zurück und verbat sich Zwischenrufe.

Mit dem EHC Stiftland sei inzwischen ein Gesprächstermin vereinbart, berichtete Grillmeier. Dass aber zunächst in sozialen Medien eine Diskussion losgetreten worden sei, anstelle direkt zu ihm zu kommen, bezeichnete Grillmeier als "absolute Frechheit". Ohnehin brauche sich der EHC nicht zu beschweren, denn er habe von der Stadt schon mehrfach Hilfe bekommen, etwa durch Schuldenerlass. "Ich habe ihn immer mit unterstützt", so Grillmeier über den Eishockeyclub.

Der Bürgermeister verwies auf umfangreiche Vorbereitungen, die im Zuge des Sanierungsprojekts zu bewältigen gewesen seien. Und man habe überhaupt erst Firmen für die Maßnahmen finden müssen. Werde der vorgegebene Zeitrahmen nicht eingehalten, dann könnte die Förderung für die Eishalle verloren gehen. "Und wenn wir sie jetzt nicht sanieren, dann vielleicht nie wieder." Die Eishalle sei kein Einfamilienhaus, bei dem man mal schnell ein neues Dach aufbaut.

Heribert Hegen gab Aussagen von Teilnehmern des besagten Treffens weiter, wonach sie mehrfach bei der Stadt angefragt, aber keinen Termin bekommen hätten. Zudem habe EHC-Vorsitzender Joachim Firneis berichtet, dass es bei einem Telefonat mit dem Bürgermeister laut geworden sei. "Das weise ich zurück!", erwiderte Stefan Grillmeier verärgert. "Jeder, der bei mir einen Termin will, kriegt ihn auch." Beim Gespräch mit Firneis sei es um andere Themen gegangen, aber nicht um einen Termin.

Keine offizielle Stellungnahme des EHC

Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien bestätigte Joachim Firneis die Angaben des Bürgermeisters zum Inhalt des Telefonats. Firneis habe darin klargestellt, dass es sich bei den Äußerungen in Facebook um die Privatmeinung eines EHC-Mitglieds gehandelt habe. Es sei keine offizielle Stellungnahme des Vereins gewesen. Zu einem späteren Zeitpunkt sei dann ein Termin mit Stefan Grillmeier in der kommenden Woche vereinbart worden. „Ich gehe offen in das Gespräch und hoffe auf eine Lösung“, so Firneis.

Im weiteren Verlauf der Diskussion im Stadtrat kritisierte Josef Schwägerl (CSU), dass Leute öffentlich Stellung genommen hätten - auch in einem Leserbrief im "Neuen Tag" (Ausgabe vom 10. Juni) - ohne eine Ahnung vom Sanierungs-Ablauf zu haben. Er verwies auf die Suche nach Architekten und Firmen sowie die Überlegungen zur Installation einer Photovoltaikanlage, was weitergehende Statik-Prüfungen erfordere. Über all das müsse ja beraten und abgestimmt werden. "Das kann man doch nicht in wenigen Monaten schaffen." Schwägerl appellierte an die Vereine, bei Anliegen immer das direkte Gespräch mit der Stadt zu suchen.

Wolfgang Karbstein (WG Zukunft) hatte Verständnis für die Position des Bürgermeisters, aber auch für die schwierige Lage der Sportler. Um eine Eskalation künftig zu vermeiden, wünschte er sich von allen Seiten größtmögliche Transparenz. Stefan Grillmeier entgegnete, dass Transparenz auch bedeute, dass nicht irgendwelche Behauptungen verbreitet werden.

Gerhard Greim (SPD) verwies auf seine Vorstandstätigkeit beim SV Mitterteich, auf den coronabedingt auch massive Probleme zugekommen seien. "Der erste Weg war der zum Bürgermeister", so Greim. Einträge zu derartigen Themen in sozialen Medien habe es vom SV nicht gegeben. Wie auch Schwägerl kritisierte Greim den besagten Leserbrief: "Da schreibt eine Frau aus Tirschenreuth über eine Eishalle, von der sie vielleicht nur weiß, dass sie in Mitterteich steht. Die kennt doch die Hintergründe nicht." Heribert Hegen merkte noch an, dass sich nicht der EHC, sondern ein Mitglied auf Facebook geäußert habe. Und er selbst habe hier im Stadtrat nun lediglich Aussagen von dem geschilderten Treffen weitergegeben.

Bezugnahme auf Gutachten

Zur der eingangs erwähnten Chat-Nachricht teilte Landrat Roland Grillmeier auf Anfrage von Oberpfalz-Medien mit, dass es sich um eine persönliche Meinungsäußerung von ihm gehandelt habe. Jemand habe ihn privat angeschrieben, daher werde er sich zum genauen Inhalt nicht weiter äußern.

"Richtig ist, dass wir vor einigen Jahren ein Gutachten zum Zustand des Daches in Auftrag gegeben haben", so Roland Grillmeier zum generellen Sachverhalt. "Das hat ausgesagt, dass es Schäden gibt, aber das Dach noch zehn Jahre seine Funktion erfüllen würde." Unmittelbaren Handlungsbedarf habe es nicht gegeben. Deshalb sei man nicht in Sanierungsplanungen eingestiegen, auch weil es keine Förderung gegeben habe. "Es gilt immer, die Arbeiten so zu planen, wie sie finanzierbar sind. Durch Fördersituationen kann sich das durchaus ändern, dann zieht man halt Sanierungen vor." Diese Entscheidungen lägen bei den jeweiligen Verantwortlichen, so Grillmeier.

Nach Ansicht des Landrats sei es nun durchaus nachvollziehbar, dass die Stadt derartige Arbeiten angesichts der 90-Prozent-Förderung vorzieht. Er habe auf Nachfrage hin dazu geraten, mit der Stadt ins Gespräch zu kommen, um zu klären, ob der Zeitplan geändert werden könnte. Aber dazu habe der Bürgermeister inzwischen schon klar Stellung bezogen, schloss Roland Grillmeier.

"Jeder, der bei mir einen Termin will, kriegt ihn auch."

Bürgermeister Stefan Grillmeier

"Da schreibt eine Frau aus Tirschenreuth über eine Eishalle, von der sie vielleicht nur weiß, dass sie in Mitterteich steht. Die kennt doch die Hintergründe nicht."

Gerhard Greim (SPD) über einen Leserbrief

Über den Zeitplan der Sanierung der Eishalle ist eine Diskussion aufgeflammt

Mitterteich

In Mitterteich wird künftig noch öfter geblitzt

Mitterteich

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.