20.03.2020 - 18:39 Uhr
MitterteichOberpfalz

Schott AG und Liebensteiner Kartonagenwerk: "Warum wir weiterproduzieren"

Die Produktion der Schott AG in Mitterteich und des Liebensteiner Kartonagenwerks laufen trotz der Coronakrise weiter. Die beiden Unternehmen erklären warum.

Die Produktion in Mitterteich läuft weiter. Jede dritte Glasspritze, jede dritte Ampulle und jedes dritte Glasfläschchen beim Arzt beginnt seine Reise in Mitterteich. Und das weltweit.
von Martin Maier Kontakt Profil

Die Schott AG produziert weiter. Und zwar mit 1250 Leuten mitten im Corona-Hotspot Mitterteich. Und das obwohl der nächste Großbetrieb, der Walzenhersteller Hamm in Tirschenreuth, schon alle heimgeschickt hat. In sozialen Medien unterstellen User dem Konzern daher Unverantwortlichkeit. Entsprechende E-Mails haben auch Oberpfalz-Medien erreicht. Zudem werden Schott-Mitarbeiter im privaten Umfeld angegangen. „Diese Empörung verkennt völlig die Lage“, erklärt Stefan Rosner, Werksleiter in Mitterteich, in einer Pressemitteilung am Freitagnachmittag.

„Denn die Schott AG in Mitterteich ist Weltmarktführer für Pharmarohr. Das heißt: Jede dritte Glasspritze, jede dritte Ampulle und jedes dritte Glasfläschchen beim Arzt beginnt seine Reise in Mitterteich. Und das gilt weltweit“, betont Rosner. Gerade in gesundheitskritischen Tagen seien diese Produkte unersetzlich.

Jeder Apotheker hantiere täglich mit Medikamenten, die in Schott-Glas abgepackt sind. Als Beispiel nennt der Werksleiter Insulin für Diabetiker. Und weiter: „Ohne die Glaslieferungen aus Mitterteich kann kein Impfstoff abgefüllt werden. Die Pharmakonzerne forschen schon jetzt zusammen mit Schott an der passenden Verpackung für einen eventuellen Corona-Impfstoff“, so Rosner.

Wegen der Wichtigkeit des Konzerns für das Gesundheitssystem habe es bereits am Mittwoch ein Telefonat zwischen Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und dem Standortleiter Stefan Rosner gegeben. Herrmann habe jegliche Unterstützung zugesagt. Auch das Bayerische Arbeits- und das Gesundheitsministerium habe Schott zugesichert zu helfen, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Nicht zuletzt habe Landrat Wolfgang Lippert in allen Gesprächen nach München zum Thema Mitterteich die Relevanz von Schott betont.

Die Systemrelevanz des Glaskonzerns beschränke sich dabei nicht auf Deutschland. Aus Italien seien gerade Hilferufe der größten Pharmaproduzenten eingetroffen, weiterhin Spezialglas zu schicken. Auch Schott selbst verarbeitet einen Teil des Glasrohrs aus Mitterteich an anderen Standorten zu Verpackungen weiter – alleine das sind elf Milliarden Behälter pro Jahr. Die Kunden sind beispielsweise Pfizer, GSK, Boehringer Ingelheim, Sanofi, Merck, Hoffman LaRoche, Biontech, MSD, Johnson & Johnson, Novo Nordisk, Elly Lilly und Novartis. „Wir können unseren Betrieb in so einer Gesundheitskrise gar nicht zusperren. Das würde übrigens auch technisch nicht gehen, denn die riesigen Glasöfen laufen rund um die Uhr“, weist Rosner auf einen weiteren Aspekt hin.

Trotzdem habe aber immer der Schutz der Mitarbeiter Priorität. Das Werk in Mitterteich sei seit Wochen in Zonen unterteilt. In diesen 23 Bereichen dürfe sich nur aufhalten, wer dort arbeiten müsse. Dazu gebe es Desinfektionsmaßnahmen und vieles mehr – auch Schutzmasken für die Belegschaft seien bereits auf dem Weg. „Auch wenn die derzeit wirklich kaum zu bekommen sind. Ich glaube wegen all dieser Maßnahmen haben wir noch keinen Coronafall in der Belegschaft. Und ich möchte an dieser Stelle allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gerne auch mal öffentlich Danke sagen – denn sie halten den ganzen Medikamentenkreislauf in Schwung“, so der Standortleiter.

Wegen der Coronakrise schließt der Walzenhersteller Hamm für zwei Wochen:

Tirschenreuth

Mit der Überschrift „Warum wir weiterproduzieren“ hat sich auch das Liebensteiner Kartonagenwerk mit einer Pressemitteilung an Oberpfalz-Medien gewendet. In den vergangenen Tagen sei sowohl in den sozialen Netzwerken als auch in der Bevölkerung immer wieder die Frage aufgetaucht, warum große Unternehmen immer noch arbeiten, während Schulen und Behörden schließen.

„Unsere Produkte sind für unsere Kunden wesentlicher Bestandteil in ihrer Logistik“, begründet das Kartonagenwerk. Eine Schließung hätte für die rund 3000 Kunden unmittelbar zur Folge, dass diese ebenfalls nicht mehr produzieren, verpacken und versenden könnten. Es gebe hierfür kurzfristig keine Alternativen. Das Kartonagenwerk beliefere unter anderem Hersteller von Produkten aus dem Bereich Lebensmittel, Hygiene- und Reinigungsmittel, medizinische Produkte und den gesamten Bereich des Online-Handels.

„Das Versprechen, dass die Läden geöffnet bleiben und weiterhin vorsorgt werden, ist nur aufrecht zu erhalten, wenn alle Unternehmen in dieser Lieferkette produzieren und ihren Beitrag leisten. Insofern verstehen wir es als unsere Aufgabe und unsere Pflicht, dieser Verantwortung gerecht zu werden“, schreibt das Verpackungsunternehmen. Um die Mitarbeitersicherheit zu gewährleisten, habe die Geschäftsführung bereits frühzeitig zu Beginn der Coronakrise Maßnahmen ergriffen. Dazu würden unter anderem deutlich gesteigerte Hygienemaßnahmen, die Segmentierung der Mitarbeiter in der Produktion, die Vorbereitung und Nutzung von Home-Office im Büro gehören.

Bereits seit mehreren Wochen sei der Zugang von betriebsfremden und nicht notwendigen Personen zu Produktion und Verwaltung gestoppt. Die Außendienstmitarbeiter hätten ihre Aktionen auf ein notwendiges Mindestmaß reduziert. Bislang gebe es im Unternehmen noch keinen Coronafall.

Auch die Glashütte Lamberts hat ihre Produktion vorübergehend eingestellt:

Waldsassen
Auch im Liebensteiner Kartonagenwerk wird weiter produziert.
Jede dritte Glasspritze, jede dritte Ampulle und jedes dritte Glasfläschchen beim Arzt beginnt seine Reise in Mitterteich. Und das gilt weltweit.

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