19.03.2020 - 18:11 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Coronakrise: Walzenhersteller Hamm schließt für zwei Wochen

Die Hamm AG in Tirschenreuth macht ab Montag für zwei Wochen ihr Werk zu. Der Grund: die Coronakrise.

Die Produktion von Hamm in Tirschenreuth wird ab Montag für die nächsten zwei Wochen still stehen.
von Martin Maier Kontakt Profil

"In Anbetracht der Zuspitzung der Situation im regionalen Umfeld haben wir uns jetzt entschieden, den Betrieb bis auf wenige kritische Bereiche für 14 Tage ruhen zu lassen", schrieb das Unternehmen am Donnerstagvormittag in einer Pressemitteilung. Am Nachmittag stellten sich Dr. Stefan Klumpp, Vorstand Technik, und Betriebsratsvorsitzender Günther Fiedler den Fragen der Presse.

Als wesentlichen Grund für die Schließung nannte Klumpp die Ereignisse in Mitterteich mit der Verhängung der Ausgangssperre. "Das hat uns veranlasst, zum Schutz der Mitarbeiter auch unseren Beitrag zu leisten", erklärte der Vorstand das Vorgehen. Es gehe darum, die Corona-Infektionskette so weit wie möglich zu unterbinden. Die Geschäftsführung habe diese Entscheidung am Mittwochabend in einer Notsitzung getroffen.

Der Betriebsrat habe diesem Schritt zugestimmt. "Das war ein sehr schnelles und gemeinsames Vorgehen", lobte Klumpp. Auch Fiedler bestätigte dies. Die Situation habe sein Gremium nicht komplett überraschend getroffen. Sehr erfreut sei er aber, "dass wir sozialverträglich eine super Lösung mit der Firmenleitung hinbekommen haben". Die Maßnahmen seien für Mitarbeiter und Firma tragbar, auch wenn es ein großer Einschnitt für beide Seiten sei. Der Betriebsrat sei von der ganzen Vorgehensweise der Geschäftsführung "begeistert". Auf eine Betriebsversammlung, um die Mitarbeitern zu informieren, verzichtete Hamm bewusst mit Hinblick auf die mögliche Übertragung des Coronavirus.

Die Glashütte Lamberts aus Waldsassen hatte am Mittwoch angekündigt, ihre Produktion vorübergehend einzustellen:

Waldsassen

Die Schließung, von der rund 1000 der 1150 Mitarbeiter betroffen sind, laufe nach dem entsprechenden Abbau der Zeitkonten über Kurzarbeit. Dabei habe das Unternehmen mit dem Betriebsrat eine Regelung getroffen, dass Hamm eine Zuzahlung zu den staatlichen Sätzen leistete. Die Kurzarbeit solle vorerst auch nach der zweiwöchigen Schließung weiterlaufen. Durch die Dynamik der Coronakrise sei es aber nicht möglich, irgendwelche Vorhersagen zu machen.

Auftragsannahme, Versand und das Sichern der Ersatzteilversorgung werde trotz der Schließung weiterlaufen. Zudem sei auch der Wareneingang noch einige Tage besetzt. Die dramatische Situation zeige sich alleine an der Entwicklungsabteilung: "Diese würden wir normal weiterlaufen lassen, da wir zeitkritische Projekt haben. Das werfen wir aber momentan alles über den Haufen."

Seit 1878 gibt es den Walzenhersteller Hamm. So etwas wie jetzt habe es noch nie gegeben. "Das was wir machen, ist so, als würden Sie einen laufenden Zuge stoppen. Und das ist kein Bummelzug", wählte der Vorstand einen drastischen Vergleich.

"Wir sind in einem sehr, sehr kritischen Umfeld. Unsere Versorgungssituation ist gefährdet", verwies der Vorstand auf die Lieferketten aus vielen Ländern. Auch die Auftragssituation würde sich "sehr dynamisch entwickeln". Den Produktionsbetrieb habe Hamm schon vor einer Woche ein gutes Stück heruntergefahren. Als Hauptmotivation nannte Klumpp die Realisierung des kontaktarmen Arbeitens, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Schon nach Bekanntwerden der Viruserkrankung Covid-19 habe der Walzenhersteller im engen Austausch mit den Gesundheitsbehörden, den anderen Werken der Wirtgen Group und den Verantwortlichen von John Deere in allen Bereichen des Unternehmens umfassende Vorkehrungen getroffen. Unter anderem wurde der Publikumsverkehr unterbunden, Besuche und Dienstreisen abgesagt.

Dr. Stefan Klumpp, Vorstand Technik, und Betriebsratsvorsitzender Günther Fiedler (von rechts) informierten über die zweiwöchige Schließung des Hamm-Werks in Tirschenreuth. In Zeiten von Corona mussten die beiden etwas auf Abstand gehen.
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