20.01.2021 - 18:11 Uhr
MitterteichOberpfalz

Schott: Mitterteich als Kompetenzzentrum

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Fließt zu viel Wissen von Schott in Mitterteich nach China? Welche Investitionen sind in der Nordoberpfalz geplant? Und welche Innovationen sind von dem Standort zu erwarten? Vorstandsvorsitzender Frank Heinricht nimmt Stellung.

Schott stellt jährlich mehr als 11 Milliarden Pharmaverpackungen her, in denen lebenswichtige Medikamente abgefüllt werden. Das Glas wird auch in Mitterteich produziert.
von Martin Maier Kontakt Profil

Die Corona-Pandemie hat Mitterteich im Frühjahr 2020 wegen der ersten Ausgangssperre deutschlandweit in den Fokus gerückt. Mittlerweile ist der Ort wieder in aller Munde. Wieder wegen Covid-19. Diesmal aber im positiven Sinn.

Der Glaskonzern Schott hat in Mitterteich sein zweitgrößtes Werk in Deutschland. Dort produziert das Unternehmen zum Großteil auch das Glas für seine Impffläschchen. 75 Prozent aller Covid-19-Impfstoffhersteller vertrauen nach Schott-Angaben auf Pharma-Fläschchen von Schott. „Der Stellenwert des Werks ist in den vergangenen zwölf Monaten noch einmal höher geworden“, sagt Vorstandsvorsitzender Frank Heinricht im Nachgang der virtuellen Bilanzpressekonferenz im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Dies betreffe vor allem auch den Aufbau des Werks in China.

Bestimmtes Wissen schützen

Die Produktionsstätten in Jinyun mit zwei Schmelzwannen, aber auch in Indien seien keine Bedrohung für Mitterteich. Viele der Schott-Kunden würden nicht mehr in Deutschland sitzen. Daher produziere der Konzern weltweit, um beispielsweise auch Transportkosten zu sparen. Der Vorstandschef stellt aber klar: „Mitterteich bleibt das Kompetenzzentrum für das Thema Rohr. Da werden alle Dinge betreut.“

Dabei gehe es auch um das Thema Know-how-Schutz. Nicht das ganze Wissen werde exportiert. Es werde in der Oberpfalz „geschützt und bewahrt“. Als Beispiel nennt er die Ziehpfeifen, die ganz wesentlich für die Formgebung des Glases sind. „Da liefern wir nur die fertigen Pfeifen nach China.“

Investitionen von 33 Millionen Euro

Trotz dieser Maßnahmen bestehe natürlich weiterhin die Gefahr, dass Wissen geklaut werde. „Aber was ist die Alternative zu China?“, fragt Heinricht und liefert gleich die Antwort mit: „Wir machen es gar nicht und ein Wettbewerber von uns macht es. So ist wenigstens alles unter der Regentschaft von Mitterteich.“

In den vergangenen Jahren stellte Schott im Stiftland immer wieder neue Mitarbeiter ein. Mittlerweile sind es insgesamt 1300. „Die Zahl wird sich in diesem Bereich stabilisieren“, verweist Heinricht auf den beschränkten Platz auf dem Werksgelände. Sorgen, zukünftig auch weiterhin ausreichend Fachkräfte zu finden, macht er sich nicht: „Wir bilden vor Ort zielgenau aus.“

Ein neuer Wannenbau stehe wegen der Platzkapazitäten künftig nicht an. Aber die bisherigen müssten immer wieder renoviert und neu aufgebaut werden. „Und vielleicht ist da die ein oder andere Kapazitätserweiterung möglich. Das diskutieren wir schon. Das ist eine Option.“

"Das ist eine sehr, sehr reine Art, um Algen für medizinische oder kosmetische Anwendungen zu züchten."

Schott-Vorstandsvorsitzender Frank Heinricht mit Blick auf innovative Projekte

Schott-Vorstandsvorsitzender Frank Heinricht mit Blick auf innovative Projekte

Den Stellenwert des Standorts spiegele auch die geplante Investitionssumme von rund 33 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr wider. In den vergangenen sechs Jahren sind alleine 150 Millionen Euro Finanzmittel nach Mitterteich geflossen. Aktuelle Projekte würden sich vor allem auf eine „supersichere“ Energieversorgung, große Brandschutzinvestitionen und die Glaswannen beziehen. Pressesprecher Ludwig Bundscherer verweist auf eine Ringwasserleitung ums Werk, den Bau eines neuen Feuerwehrhauses und neuer riesiger Energiebrücken über dem Werk sowie das neue Aufmauern von Wannen.

Konzernchef Heinricht sieht für das Rohrglas, speziell im technischen Rohr auch noch weiteres Entwicklungspotenzial. „Da haben wir in Mitterteich ein paar ganz vielversprechende Projekte laufen.“ Als Beispiele nennt er Abstandssensoren in Fahrzeugen und moderne Abgas-Reinigungsanlagen, denn Glasrohre seien sehr säurebeständig im Gegensatz zu Stahl. Viel verspricht er sich vom Thema Algen-Züchtung in Glasrohren. Diese könnten natürlich oder künstlich belichtet werden. „Das ist eine sehr, sehr reine Art, um Algen für medizinische oder kosmetische Anwendungen zu züchten.“

Einblicke in die virtuellen Bilanzpressekonferenz von Schott

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In weniger als 500 Tagen: Schott baut Werk in China

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Salvatore Ruggiero, Vice President Marketing and Communication, Vorstandsvorsitzender Frank Heinricht und Finanzvorstand Jens Schulte (von links) präsentierten die aktuellen Zahlen der Schott AG bei einer virtuellen Pressekonferenz. .

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