20.01.2021 - 15:53 Uhr
MitterteichOberpfalz

Schott: Mit Spezialglas gegen Corona

Damit der Corona-Impfstoff sicher und unbeschädigt bei den Patient ankommt, sind spezielle Fläschchen nötig. Der Glasproduzenten Schott stellt diese her.

Schott hat nach eigener Auskunft keine Probleme damit, der Nachfrage nach Impffläschchen nachzukommen.
von Martin Maier Kontakt Profil

Drei Viertel aller Covid-Impfstoffentwickler bestellen beim Spezialglaskonzern Schott Fläschchen. Unweigerlich rückte daher dieses Thema in den Mittelpunkt der virtuellen Bilanzpressekonferenz des Unternehmens mit Hauptsitz in Mainz. Vorstandsvorsitzender Frank Heinricht musste für die Pressevertreter öfter Zahlen auf die Einheit Impffläschchen herunterrechnen.

Schott stellt aktuell jedes Jahr mehr als elf Milliarden Pharmaverpackungen für Impfstoffe und Flüssigmedikamente her. Daher hat das Unternehmen in der Pandemie eine besondere Systemrelevanz. Dabei nimmt auch der Standort in Mitterteich (Kreis Tirschenreuth) mit seinen 1300 Mitarbeitern eine Hauptrolle ein. Schließlich befindet sich dort der Sitz von Schott Tubing (Rohrglas). In der Oberpfalz, Mainz, Brasilien, Indien und China wird das entsprechende Glas hergestellt, aus denen dann in weltweit zwölf Werken die sogenannten Vials geschmolzen werden. In solche Fläschchen wird auch der Covid-Impfstoff abgefüllt. Der Konzern kann nach Angaben Heinrichts den Markt ausreichend bedienen. Kapazitätsprobleme gebe es keine.

Schott-Glas als Goldstandard

Bis Ende 2021 werde das Unternehmen Fläschchen für zwei Milliarden Corona-Impfdosen ausgeliefert haben. In ein Fläschchen passen zwischen fünf und zehn Impfdosen, je nach Hersteller. Die kosten für ein Vial bezifferte Heinricht zwischen fünf und zehn Cent, abhängig von der Größe. Der Auftragsbestand für 2021 liege derzeit bei 600 Millionen Vials. Laut dem Vorstandsvorsitzenden ist das Schott-Borosilikatglas „der Goldstandard für sensible pharmazeutische Verpackungen“.

Während der Corona-Pandemie spielen weitere Spezialglasprodukte ein große Rolle: beschichtete Glassubstrate für Corona-Tests sowie Lichtleiter in Endoskopen, die Ärzten dabei helfen, beim Intubieren besser zu sehen.

Nicht überraschend ist daher, dass sich vor allem der Gesundheitsbereich des Konzerns (Pharmarohr, Fläschchen und Ampullen) im zurückliegenden Geschäftsjahr, das bis Ende September 2020 ging, „sehr positiv“ entwickelt hat und um rund zehn Prozent zugelegt hat. Wobei der Vorstandsvorsitzende deutlich machte, dass dies nicht nur an der Corona-Situation lag. Von Umsatzrückgängen im zweistelligen Bereich sprach er im Segment Automobil und Luftfahrt. Dahingegen befinde sich der Bereich Hometech und Consumer Electronic mittlerweile im Auftrieb.

"Diese Entscheidung ist schon gefallen, als alle von Corona als ein Bier gesprochen haben und nicht von einem Virus."

Vorstandsvorsitzende Frank Heinricht zu den Investitionen im Pharmasektor

Vorstandsvorsitzende Frank Heinricht zu den Investitionen im Pharmasektor

Der Glaskonzern hat in den vergangenen fünf Jahren knapp eine Milliarde Euro weltweit investiert. Im zurückliegenden Geschäftsjahr waren es, wie geplant, 318 Millionen Euro. Ein Schwerpunkt lag im Pharmabereich. „Diese Entscheidung ist aber schon gefallen, als alle von Corona als ein Bier gesprochen haben und nicht von einem Virus“, stellte Heinricht fest. Unter anderem baute das Unternehmen ein neues Werk für Pharmarohr-Produktion in China. Auch künftig will Schott in diese Sparte kräftig investieren. Der CEO nannte Werkserweiterungen und den Kauf neuer Maschinen als Beispiele. „Hier bleiben wir auf dem Gas.“

Finanzchef Jens Schulte sprach von einem „soliden Jahr“. Im vergangenen Geschäftsjahr steigerte Schott seinen Umsatz um 2,2 Prozent auf 2,24 Milliarden Euro. Die Investitionen erhöhten sich um ein Viertel auf 318 Millionen Euro. Erneut verbessert werden konnte das operative Ergebnis (EBIT), das nunmehr bei 288 Millionen Euro liegt. Und der Überschuss sank geringfügig auf 199 Millionen Euro (2018/2019: 206 Millionen Euro).

Wettbewerbsfähige Energiepreise

Mit einem Umsatzplus von knapp sechs Prozent war Schott in Asien besonders erfolgreich. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um fast 300 auf rund 16.500 Beschäftigte, davon rund 5900 in Deutschland. Die Eigenkapitalquote blieb bei 32 Prozent (fast eine Milliarde Euro). Von den Gesamtinvestitionen flossen 45 Prozent in deutsche Standorte. Diese würden auch künftig eine große Rolle spielen. Dies sei aber verbunden mit der Erwartung, weiterhin wettbewerbsfähige Energiepreise zu beziehen.

Für das neue Geschäftsjahr kündigte Vorstandsvorsitzender Heinricht erneut Rekordinvestitionen von 350 Millionen Euro an. Schwerpunkte sind der Ausbau der Dünnglasproduktion (faltbare Displays), Deckglas für Smartphones und der Diagnostikbereich. Dies betrifft unter anderem die Messung von Antikörpern. „Von dem Gebiet verspreche wir uns sehr viel“, so Heinricht. Beteiligt ist Schott auch bei der Entwicklung von Geräten zur Selbstmedikation.

China und USA im Blick

„Es ist ein nach wie vor sehr herausforderndes Umfeld, aber wir blicken positiv in die Zukunft“, fasste Heinricht zusammen. Seinen Umsatz will das Unternehmen im aktuellen Geschäftsjahr um bis zu fünf Prozent steigern. Die Wachstumsgeschwindigkeit solle in den nächsten fünf, sechs Jahren verdoppelt werden. Als regionale Schwerpunkte sieht Schott hier China und die USA.

Weitere große Themen sind der Klimaschutz – das Unternehmen will bis 2030 klimaneutral sein –, die Digitalisierung und Diversifizierung. Weltweit deckt der Konzern bisher 75 Prozent seines Strombedarfs durch Grünstrom über entsprechende Herkunftsnachweise ab. Gleichzeitig wurde eine ganze Reihe von Projekten auf den Weg gebracht, um den Einsatz von Wasserstoff und anderen Energiequellen für die Beheizung der Schmelzaggregate zu entwickeln.

Gespräch mit Schott-Chef Frank Heinricht zum Standort Mitterteich

Mitterteich

Von Mitterteich aus steuerte Schott den Bau des Werks in China

Mitterteich
Salvatore Ruggiero, Vice President Marketing and Communication, Vorstandsvorsitzender Frank Heinricht und Finanzvorstand Jens Schulte (von links) präsentierten die aktuellen Zahlen der Schott AG bei einer virtuellen Pressekonferenz.
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