14.01.2021 - 14:04 Uhr
MitterteichOberpfalz

In weniger als 500 Tagen: Schott baut Werk in China

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In Rekordzeit zieht der Glaskonzern Schott in China ein neues Werk hoch. Die Fäden für das Projekt laufen in der nördlichen Oberpfalz zusammen: am Standort in Mitterteich.

Zwischen Spatenstich und Produktionsstart lagen keine 500 Tage: Das neue Schott-Werk steht in Jinyun, 400 Kilometer südlich von Shanghai.
von Martin Maier Kontakt Profil

8800 Kilometer liegen zwischen dem großen Schott-Werk in Mitterteich und einem neuen Werk in China. Nach nicht einmal 500 Tagen Bauzeit ist dort aus dem Nichts ein Schmelzstandort für Glasrohre entstanden. Dabei geht es auch um langfristige Existenzsicherung für den Kernstandort Mitterteich.

150 Millionen Euro hat Schott innerhalb der vergangenen sechs Jahre investiert – nicht in China, sondern in Mitterteich, dem weltweit größten Standort für Glasrohre. Pressesprecher Ludwig Bundscherer bezeichnet das Werk im Landkreis Tirschenreuth als "Herzkammer des Weltmarktführers" - und diese soll es auch bleiben. Der Produktionseinstieg in China sei dabei ein strategischer Schritt auf genau diesem Weg. „China ist für Schott der größte Wachstumsmarkt. Wir produzieren das Rohr für jede dritte gläserne Medizinverpackung auf der Welt und in China explodiert die Nachfrage. Im Moment dominiert Schott diesen Markt“, erklärt der Mitterteicher Standortleiter Stefan Rosner.

Konkurrenz aus dem Reich der Mitte

Es gehe um ein Rennen von der "Pole Position" aus. „Hinter Schott stehen etliche junge chinesische Glasunternehmen in den Startlöchern und wollen die Qualität und die Reinheit des Mitterteicher Produkts erreichen. Noch können sie das nicht, aber es ist eine Frage der Zeit. Bis dahin müssen wir als Platzhirsch den chinesischen Markt an uns gebunden haben. Nur wenn wir auch in China produzieren, können uns die Zollschranken der Zukunft nichts anhaben“, begründet Rosner das Vorgehen. Deshalb habe das Unternehmen 60 Millionen Euro in einen komplett neuen Werksbau im Reich der Mitte investiert. Es steht in Jinyun, 400 Kilometer südlich von Shanghai. Spatenstich war im August 2019, der Produktionsstart erfolgte im Dezember 2020. In weniger als 500 Tagen ist das neue Werk entstanden.

"Hinter Schott stehen etliche junge chinesische Glasunternehmen in den Startlöchern und wollen die Qualität und die Reinheit des Mitterteicher Produkts erreichen."

Standortleiter Stefan Rosner

Standortleiter Stefan Rosner

Taktgeber waren dabei die Mitterteicher Schottianer, betont Rosner. „Zwischenzeitlich hatten wir knapp 100 Kollegen aus der Mitterteicher Produktion in China. Bei geschlossenen Botschaften und fast auf Null gefahrenen Flugplänen war das eine Riesenleistung der Verwaltung. Zudem wurden alle Produktionslinien in Mitterteich gebaut und verschifft, alle IT-Systeme von Mitterteich aus hochgefahren, die Ofenmauerer kamen aus der Region, die Labor-, Logistik-, Qualitäts- und Handwerkteams haben Leute entsandt", nennt er einige Beispiele.

Neue Rohrwanne in Mainz

Nun betreibt Schott erstmals auch in China eine Glaswanne. Der nächste Glasofen – er hat die Größe eines Einfamilienhauses – soll schon im Sommer folgen. Auch von den anderen Standorten gibt es Neuigkeiten: In Indien hat der Konzern zwei neue Rohrwannen gebaut. Und die Öfen in Brasilien würden so gut laufen wie nie zuvor. Außerdem hat der Schott-Aufsichtsrat kurz vor Weihnachten für eine weitere Rohrwanne am Konzernsitz in Mainz grünes Licht gegeben. „Die weltweite medizinische Versorgung wird besser. Die damit verbundene Nachfrage nach Glasrohr steigt seit Jahren. Wir haben den Trend rechtzeitig erkannt und frühzeitig investiert“, sagt Rosner. In Mainz investiert Schott 40 Millionen Euro, 50 Arbeitsplätze entstehen. Die neue Rohrwanne soll Mitte 2022 fertig sein. Auch hier werde es ohne Wissen aus Mitterteich nicht gehen.

Mehr Kapazitäten für europäischen Markt

Der Mitterteicher Betriebsrat steht hinter dem weltweiten Ausbau. Vorsitzender Franz Malzer verweist auf die positiven Effekte des Wachstumskurses für Mitterteich: „250 neue Stellen sind in Mitterteich in den vergangenen Jahren entstanden. Wir sind jetzt über 1300 Kolleginnen und Kollegen. Nirgends in der Region gibt es wohl so sichere Arbeitsplätze wie bei Schott.“

Die Coronakrise mache das erneut deutlich, stimmt Stefan Rosner ein. „Jede zweite Impfung weltweit steckt in einem Glasrohr von Schott und zwei Drittel davon kommen aus Mitterteich. Schott konnte liefern und somit war die Verpackungsfrage kein Bremsklotz bei der rasanten Impfstoffentwicklung." Das habe nur geklappt, weil der Konzern seit Jahren expandiere. Zudem hebt der Standortleiter hervor, dass rund um die Uhr produziert werde. "Die Mannschaft an den Rohrzügen kann nicht ins Homeoffice, muss bei Hitze mit Abstand und Mundschutz zurechtkommen und hat dennoch kein Gramm Glas liegen lassen.“

Die Einsatzbereitschaft sieht Rosner auch darin, dass gut 30 Schichtmitarbeiter über Weihnachten und Neujahr in China geblieben sind, um die dortige Produktion in sicheres Fahrwasser zu bringen. „Das Team in China ist zwar inzwischen auf bald 150 chinesische Kollegen gewachsen, aber in der Produktion fehlt den Neuen noch die Erfahrung. Hier liefert einmal mehr die Oberpfalz den entscheidenden Input.“ Der Konzern hoffe, dass mit dem Produktionsstart in China die Mitterteicher Rohrproduktion wieder mehr Kapazitäten für den europäischen Markt habe. Denn auch hier sei die Nachfrage längst höher als das Angebot.

Die Schott AG produziert in Mitterteich Fläschchen für den Corona-Impfstoff

Mitterteich
Zwischen Spatenstich und Produktionsstart lagen keine 500 Tage: Das neue Schott-Werk steht in Jinyun, 400 Kilometer südlich von Shanghai. Dieses Foto entstand Ende 2020.
Der Baustart in Jinyun war im August 2019.
Das neue Schott-Werk in China geht in Betrieb: Schlosser aus Mitterteich zünden die Schmelzwanne zum ersten Mal an.
Hintergrund:

Die Schott AG

  • Branche: Schott ist ein international führender Technologiekonzern auf den Gebieten Spezialglas, Glaskeramik und Hightech-Materialien. Er ist Partner für viele Branchen, darunter etwa Hausgeräteindustrie, Pharma, Elektronik, Optik, "Life Sciences", Automobil- und Luftfahrtindustrie.
  • Umsatz und Mitarbeiter: Im Geschäftsjahr 2018/2019 erzielte Schott mit über 16.200 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro. Die Schott AG hat ihren Hauptsitz in Mainz und ist zu 100 Prozent im Besitz der Carl-Zeiss-Stiftung. Sie ist weltweit präsent mit Produktions- und Vertriebsstandorten in 34 Ländern. Neue Zahlen gibt es schon in wenigen Tagen. Am Mittwoch, 20. Januar, geht die Bilanzpressekonferenz des Konzerns digital über die Bühne.
  • Standort Mitterteich: Hier befindet sich der Sitz von Schott Tubing (Rohrglas). Rund 1300 Personen sind am Standort beschäftigt.

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