16.01.2020 - 18:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Schub für Solarstrom-Produktion in Mitterteich

Eine großflächige Photovoltaik-Anlage soll auf Feldern zwischen Oberteich und Triebendorf entstehen. Der Stadtrat war sich einig, dass dafür die Voraussetzungen geschaffen werden.

Im Bereich neben der Bahnlinie und der Straße Oberteich-Triebendorf soll eine rund 4,65 Hektar große Photovoltaikanlage entstehen. Vorgesehen sind dafür Grundstücke südlich von der Straße direkt hinter der Bahnbrücke.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Über insgesamt 4,65 Hektar soll sich die Freiflächen-Photovoltaikanlage erstrecken, die ein nicht genannter Investor im Bereich zwischen der Bahnlinie und der Ortsverbindungsstraße Oberteich-Triebendorf bauen will. Die maximale Leistung der Anlage ist mit 2000 kWp angegeben. Die dafür vorgesehenen Grundstücke sind im Flächennutzungsplan als "Fläche für die Landwirtschaft" mit Lage im Naturpark dargestellt, weshalb die Voraussetzungen für das Projekt bislang nicht gegeben sind.

Einstimmiger Beschluss

Im Oktober hatte der Grundstückseigentümer bei der Stadt beantragt, die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans einzuleiten und die Änderung des Flächennutzungsplans zur Aufnahme eines Sondergebiets "Erneuerbare Energien Sonnenenergie (Photovoltaik)" durchzuführen. Nach einer nichtöffentlichen Vorberatung im November hat der Stadtrat in der Sitzung am Montagabend einstimmig beschlossen, dem Antrag nachzukommen. Die Planungsleistungen werden an den wirtschaftlichsten Bieter vergeben, für die rechtliche Beratung wird ein Anwaltsbüro beauftragt.

Bürgermeister Roland Grillmeier informierte, dass sich durch das Projekt die zur Solarstrom-Gewinnung genutzte Fläche im Gemeindegebiet verdoppeln würde. Josef Schwägerl (CSU) sprach von einem wichtigen Projekt und einem idealen Standort, der von den Ortschaften aus nicht einsehbar sei. "Wir können froh sein, dass wir so einen Investor haben", so Schwägerl. Johann Brandl (SPD) bewertete den Standort als "optimal und gut gewählt". "Im Bereich der erneuerbaren Energien müssen wir was tun und können uns nicht aus der Verantwortung stehlen", mahnte Brandl. Bernhard Thoma (Freie Wähler) war ebenfalls angetan von dem Vorhaben und zeigte sich zufrieden, dass die Anlage nicht einsehbar sein werde.

Roland Grillmeier merkte an, dass durch die örtlichen Biogas- und Solaranlagen an sonnigen Tagen bereits der Strombedarf der Haushalte im Gemeindegebiet gedeckt werden könnte. Der Energiemonitor der Stadt werde bald auch auf einem Bildschirm im Eingangsbereich des Verwaltungsgebäudes zu sehen sein. "Das soll den Leuten zeigen, was der aktuelle Stand ist", so der Bürgermeister.

Weitere Flächen prüfen

Wie weiter in der jüngsten Sitzung zu erfahren war, hatte der Stadtrat im November in nichtöffentlicher Sitzung beschlossen, weitere für Solaranlagen geeignete Flächen entlang der Bahnlinie und der Autobahn zu definieren, um für mögliche künftige Anfragen gerüstet zu sein. Die Erstellung einer Standortanalyse müsste allerdings von einem Planungsbüro durchgeführt werden. Vor der Auftragserteilung soll zunächst Städteplaner Bernhard Bartsch den Stadtrat über die Vor- und Nachteile eines solchen Gutachtens informieren.

Kritik an 10H-Regelung

Die Sprecher aller Fraktionen waren sich einig darüber, dass auch bei einer Definition weiterer Flächen eine Einzelfallentscheidung stets möglich bleiben müsse. Johann Brandl warb erneut für den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien und griff auch das Thema Windenergie auf. Er beklagte, dass 2019 im Freistaat nur sechs Windräder in Betrieb gegangen seien. Brandl kritisierte die in Bayern gültige 10H-Regelung und wünschte sich mehr Handlungsspielraum. Im Bezug auf die Bestrebungen in der Region zum Erhalt des Weltkulturerbe-Status sagte er: "Das kann nicht der einzige Grund sein, Windräder zu verhindern."

Kommentar:

Beim Thema Windenergie Farbe bekennen

Offen bleiben dürfte noch lange die Frage, ob sich das Projekt Energiewende am Ende als Erfolgsmodell mit Vorbildcharakter oder als teures Fiasko ohne wirksamen Nachahmereffekt entpuppt. Unabhängig davon ist es natürlich sinnvoll, erneuerbare Energien überall dort auszubauen, wo Anwohnern möglichst keine Nachteile entstehen. Solaranlagen an Bahnlinien und Autobahnen fallen in diese Kategorie. Daher ist es richtig, dass die Stadt Mitterteich weitere Flächen prüfen lassen will, die sich dafür eignen.
Ganz anders sieht es bei der Windenergie aus, die sich zu einem regelrechten Spaltpilz in der Gesellschaft entwickelt hat. Bedenken, etwa aus Angst um die Gesundheit oder aus Sorge um das Landschaftsbild, treffen seit langem auf vehemente Forderungen zum Ausbau. Gegenseitiges Verständnis fehlt oft völlig, ebenso wie Kompromissbereitschaft. Gäbe es die 10H-Regelung nicht, wären die Emotionen in vielen Orten der Region wohl längst hochgekocht und manche Gräben noch tiefer geworden.
Aber wer weiß, wie lange die Regelung in Zeiten erhitzter Diskussionen ums Klima tatsächlich noch in Kraft bleibt. Wenn sie fällt oder sich durch Änderungen neue Spielräume ergeben, sollten die Bürger jedoch wissen, woran sie sind. In Mitterteich hat sich zuletzt nur Johann Brandl (SPD) zu dem Thema geäußert, andere Kandidaten halten sich zurück. Warum also nicht den Kommunalwahlkampf nutzen, um die Bewerber konkret danach zu fragen? Was wäre wenn? Immerhin werden die Mandatsträger für sechs Jahre gewählt. Sie alle sollten Farbe bekennen.

Udo Lanz

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