01.04.2020 - 15:21 Uhr
MitterteichOberpfalz

Stadtleitung im Krisenmodus

Nach zwei Wochen Quarantäne ist Bürgermeister Roland Grillmeier wie auch die meisten Mitarbeiter der Stadtverwaltung wieder offiziell im Dienst. In einem Schreiben zieht er eine Bilanz zu den jüngsten Geschehnissen und gibt einen Ausblick.

Die Arbeiten an der Grundschule sind zwar durch Beschränkungen im Zuge der Coronakrise ins Stocken geraten, gehen aber weiter. Laut Bürgermeister Roland Grillmeier soll er Umzug in den kommenden Wochen erfolgen.
von Udo Lanz Kontakt Profil

"Über zwei Wochen dauerte jetzt die Zeit, die seit meiner Amtseinführung vor 18 Jahren für mich die schwerste Zeit im Amt darstellte", erklärt Roland Grillmeier zu Beginn einer Pressemitteilung, die er an die Redaktion von Oberpfalz-Medien geschickt hat. Darin nimmt er auch Bezug zur Ausgangssperre und den anhaltenden Diskussionen um das Starkbierfest.

Mitterteich

"Zum Ende meiner Quarantäne gilt es, denen zu danken, die Mitterteich am Laufen halten, trotz Ausgangssperre", so Grillmeier. "Danke an alle, die täglich ihrer Arbeit nachgehen, egal an welchem Platz." So habe eine Restbesatzung den Betrieb im Rathaus aufrechterhalten und die erste Runde der Kommunalwahlen organisiert. Um die Vorbereitung der Stichwahl habe sich Geschäftsstellenleiter Klaus Schüßler alleine gekümmert, mit Unterstützung einiger VG-Mitarbeiter im Home-Office sowie der Verwaltung in Wiesau. Trotz allem sei die Stichwahl reibungslos über die Bühne gegangen. Einen Dank richtet der Bürgermeister auch an seinen Stellvertreter Stefan Grillmeier, der mit Klaus Schüßler die Service-Hotline der Stadt besetzt habe.

Fragen, Kritik, Anfeindungen

Auch er selbst, so Roland Grillmeier, sei tagelang damit beschäftigt gewesen, Anfragen per Telefon und E-Mail zu beantworten. "Ganz Deutschland war auf Mitterteich aufmerksam geworden." Entsprechend viele Fragen, Kritik und auch Anfeindungen gegen die Stadt seien eingegangen. "Eine Erfahrung, die man eigentlich nicht braucht. Aber man sieht in solchen Zeiten auch, auf wen man sich verlassen kann", resümiert Roland Grillmeier.

"Danke auch an das soziale Mitterteich", schreibt der Bürgermeister weiter und nennt die Pflegedienste, die AWO sowie das Personal im Seniorenheim, im Behindertenwohnheim und im Betreuten Wohnen. Die Behindertenwerkstätten und die Lebenshilfe seien leider geschlossen. Dazu gibt Grillmeier zu bedenken: "Menschen, die es gewohnt sind, täglich in ihre Einrichtung zu gehen, sind nun alleine im Wohnheim oder zu Hause und können kaum betreut werden." Dankesworte gehen auch an BRK-Bereitschaftsleiter Robert Hoyer, Christiane Bleistein vom Seniorenbüro und ihr Team, die gemeinsam mit Stefan Grillmeier die Nachbarschaftshilfe organisieren und die Tafel-Bezieher versorgen.

Sein Mitgefühl richtet Roland Grillmeier an all jene, die selbst oder deren direktes Umfeld vom Coronavirus betroffen wurden. "In der Zwischenzeit kennt jeder Mitterteicher einen Betroffenen. Auch hier halten wir zusammen. Danke, dass Sie füreinander da sind", wendet sich Grillmeier direkt an die Bürger. An mancher Stelle seien auch die medizinischen Kapazitäten an Grenzen geraten. So seien Praxen geschlossen worden und es sei niemand erreichbar gewesen. "Hier haben wir einige Krisen durchgestanden, die man so nie erwartet hätte in unserem Land."

Sorge um Gesellschaftsleben

In Sorge sei der Bürgermeister darüber, wie sich die momentane Situation auf das Gesellschaftsleben auswirkt. "Wir sind ein Ort mit aktivem Vereinsleben. Wann werden wir wieder ungezwungen gemeinsam Veranstaltungen durchführen können?" Aus derzeitiger Sicht erscheine es kaum möglich, in diesem Jahr noch Events wie den Benefizlauf der Lebenshilfe oder das Bürgerfest durchzuführen.

Erfreut zeigt sich Roland Grillmeier aber darüber, dass viele Bürger trotz der Krise das Wahlrecht wahrgenommen hätten. Mit einem klaren Vertrauensbeweis sei Stefan Grillmeier ins Amt gebracht worden. "Ihm und dem Stadtrat wünsche ich alles Gute. Es gibt viel zu tun, vor allem gilt es, Zusammenhalt, Solidarität und die Hilfsbereitschaft weiter zu stärken."

Eingeschränkter Betrieb

In der Stadtverwaltung werde in dieser und in der nächsten Woche noch eingeschränkter Dienstbetrieb herrschen. "Wir arbeiten schichtweise und vor allem übers Telefon." Nur für notwendige Angelegenheiten würden Termine vereinbart. Auch das Personal des städtischen Kinderhauses sei nach der Quarantänezeit wieder dienstbereit. Derzeit werde über eine Notbetreuung beraten. Weitere Hinweise dazu finden sich auf der Stadt-Homepage.

Aus den Reihen der Stadträte wurde ein Ferienausschuss gebildet. "Ich werde im Zuge der Hinweise und Beschlüsse des Innenministeriums Eilentscheidungen treffen", so der Bürgermeister. "Zum Glück laufen die meisten Maßnahmen in Mitterteich." Die Arbeiten an der Grundschule seien durch Einschränkungen bei den Baufirmen zwar ins Stocken geraten, doch sie gingen weiter. Einen Dank richtet Grillmeier an Bauleiter Mirko Bertl und die einheimischen Firmen Blechinger, Rögner, Siller und Weiß für deren Einsatz. Ziel sei weiter ein Umzug in den nächsten Wochen.

Der alte Stadtrat werde Ende April den Haushalt 2020 verabschieden, was auch nötig sei, um die Vorgaben zur Gewährung von Stabilisierungshilfen einzuhalten. Kämmerin Ursula Ockl habe den Haushalt aber frühzeitig und gut vorbereitet. Nach aktuellem Stand werde man heuer mit einer Kreditaufnahme im überschaubaren Bereich auskommen.

Vorbereitet werde nun der Umzug der Stadtbücherei, zur Sanierung des alten Rathauses laufen laut Grillmeier noch weitere Abstimmungsprozesse. Wann genau das Gebäude geräumt wird und ob noch einmal im Sitzungssaal getagt wird, werde in den nächsten Wochen entschieden. Ein Zeitdruck bestehe dadurch, dass zum Erhalt der 90-Prozent-Förderung Maßnahmen zur Schaffung von Barrierefreiheit - darunter der Einbau des Aufzugs - noch heuer erfolgen müssen. Ob es hier wegen der Coronakrise Lockerungen gibt, müsse geklärt werden. Letzte Vorbereitungsmaßnahmen laufen laut Grillmeier auch zur Sanierung der Hallenböden in der Mehrzweckhalle. Diese Arbeiten sollen im Mai beginnen.

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