15.07.2020 - 17:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Verbesserungen für Behinderte in Mitterteich angemahnt

Mehrere Anliegen haben die Behindertenbeauftragten im Bauausschuss der Stadt Mitterteich vorgebracht. Nicht bei jedem Punkt gibt es eine schnelle Lösung.

Sehbehinderte müssen am Unteren Markt in Mitterteich die üblichen Laufwege entlang der Häuser verlassen, um die Gastronomiebereiche zu umgehen oder die Bushaltestelle zu erreichen. Im Bauausschuss wurde nun bemängelt, dass die im Vorjahr zugesicherten Hilfsmarkierungen nach wie vor fehlen.
von Udo Lanz Kontakt Profil

In der Sitzung am Montag sprach Doris Scharnagl-Lindinger beim Punkt "Wünsche und Anregungen" mehrere Themen an. "Wir wünschen uns, dass wir im Bauamt mehr mit eingebunden werden." Auf Landkreisebene sei dies bereits der Fall. Dadurch könnten bei Baumaßnahmen von Anfang an die Belange von Behinderten berücksichtigt werden, Nachbesserungen zu einem späteren Zeitpunkt könnte man sich dann sparen.

In Mitterteich kümmert sich jetzt ein Trio um die Belange von Behinderten

Mitterteich

"Wenn große Projekte anstehen, seid ihr selbstverständlich dabei", erwiderte Bürgermeister Stefan Grillmeier. Dies gelte für Neu- und auch für Umbauten. Doris Scharnagl-Lindinger nannte auf die Frage nach einem Beispiel die mangelnde Einbindung bei der Renovierung der WC-Anlage im Feuerwehrhaus. Hier sei trotz eines Hinweises von ihrer Seite an einen Verantwortlichen nicht darauf geachtet worden, wenigstens eine Toilette barrierearm zu gestalten. Auch wenn es bisher keinen Bedarf gegeben habe, könnte es doch passieren, dass ein aktives Mitglied der Feuerwehr durch einen Unfall im Rollstuhl landet. "Soll er dann im Feuerwehrhaus nicht mehr dabei sein?", fragte Scharnagl-Lindinger. Ein zugängliches WC sei die wichtigste Angelegenheit für einen Rollstuhlfahrer. Wenn nun wieder umgebaut werde, müsse erneut Geld investiert werden. Das hätte man sich sparen können, wenn von Anfang an richtig gehandelt worden wäre.

Feuerwehrhaus nur Ausweichquartier

Heribert Hegen (Wählergemeinschaft Zukunft Stadt Mitterteich) gab in dem Zusammenhang zu bedenken, dass im Feuerwehrhaus nur ein Lasten-, aber kein Personenaufzug vorhanden sei. "Besser ein Lastenaufzug als gar keiner", bemerkte Scharnagl-Lindinger dazu. Hegen wiederum wies darauf hin, dass ein Lastenaufzug normalerweise nicht für den Personentransport verwendet werden dürfe. Stefan Grillmeier betonte, dass das Feuerwehrhaus nur als Ausweichquartier für Stadtrats- und Ausschusssitzungen genutzt werde. Im historischen Rathaus werde nach der Sanierung ein Personenaufzug zur Verfügung stehen. Weiter bat er die Behindertenbeauftragten darum, Änderungswünsche immer direkt an die Stadtverwaltung heranzutragen, wenn es um städtische Gebäude gehe.

Maßnahmen nicht umgesetzt

Weiter kam Doris Scharnagl-Lindinger auf den Unteren Marktplatz zu sprechen. Wegen der Gastronomiebereiche müssten sehbehinderte Menschen die üblichen Laufwege entlang der Häuserzeilen verlassen und einen Weg außen herum suchen. "Wir haben Sommer, wir haben volle Bestuhlung", so die Behindertenbeauftragte. Farbmarkierungen oder Rillen würden helfen, dass Sehbehinderte leichter die Ausweichroute finden und auch gefahrlos zur Bushaltestelle und von dort wieder zurück kommen. Bei einer Begehung mit dem Bauausschuss im vergangenen Jahr seien derartige Nachbesserungen vereinbart worden, doch bis heute sei nichts passiert. "Es ist echt gefährlich, wenn die Leute außen rum wollen und dann mitten auf der Straße stehen." Zwar werde Tempo 30 kommen, aber noch seien die Autos zu schnell unterwegs. "Wir brauchen eine klare Abgrenzung der Fahrbahn."

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Mitterteich

Im Zuge der Diskussion um die Toiletten im Feuerwehrhaus war dieser Punkt in der Sitzung untergegangen. Auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien erklärte Bürgermeister Stefan Grillmeier im Nachhinein, dass man sich damals auf das Einfräsen von Rillen verständigt habe. Diese Arbeiten seien vom Bauhof dann aber nicht ausgeführt worden. "Das wird jetzt nachgeholt", versicherte Grillmeier.

In der Sitzung verwies Hildegard Betzl noch auf die abgeschrägten Bordsteine in der Leonberger Straße. Diese damals eingeforderte Nachbesserung bewertete sie positiv, doch bei einer Begehung im Vorjahr sei in einem Bereich auch das dichte Buschwerk bemängelt worden, das zum Teil die Sicht einschränke. Dieses Problem bestehe jetzt immer noch. Stefan Grillmeier versicherte, dass die Eigentümer der jeweiligen Anwesen nochmals angeschrieben werden.

Im Blickpunkt:

Ruß und gelbe Abgasfahnen: Revision bei Schott

Bürgermeister Stefan Grillmeier griff in der Bauausschusssitzung noch einmal ein Thema auf, das Heribert Hegen (Wählergemeinschaft Zukunft Stadt Mitterteich) in der Vorwoche im Stadtrat angesprochen hatte. Dieser hatte um Aufklärung gebeten, nachdem von Bürgern Ende Juni an mehreren Tagen Ruß und gelbe Abgasfahnen über zwei Kaminen des Schott-Werkes beobachtet worden seien. Grillmeier informierte, dass sich Gerhard Greim (SPD) in seiner Funktion als Schott-Betriebsrat der Sache angenommen habe. „Es fand eine alljährliche Revision statt“, erklärte Grillmeier. Diese Wartungmaßnahmen seien mit dem Landratsamt abgestimmt worden.

Gerhard Greim ergänzte, dass es nach der Reinigung der Filteranlagen eine gewisse Zeit dauere, bis wieder eine bestimmte Betriebstemperatur erreicht werde. „Und bis dahin raucht es“, so Greim. Bei Schott arbeite man inzwischen aber daran, diese Zeitfenster zu verkürzen.

Heribert Hegen wollte wissen, ob es möglich wäre, dass Schott vorab eine Information an die Presse gibt, wenn solche Maßnahmen anstehen. „Dann beschwert sich auch keiner mehr.“ Greim gab zu bedenken, dass es auch mal kurzfristig zu einem Filtertausch kommen könne, wenn etwa ein Bauteil kaputt geht. In jedem Falle werde aber eine solche Maßnahme rechtskonform bei den Behörden angemeldet. Über eine mögliche Vorab-Meldung müsste intern mal gesprochen werden, so Greim.

Stefan Grillmeier sah keine Notwendigkeit, in bestehende Abläufe einzugreifen. „Wichtig ist, dass das Ganze abgestimmt ist.“ Und die Bevölkerung sei ja nun ohnehin über die Hintergründe informiert.

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