07.09.2021 - 13:31 Uhr
MitterteichOberpfalz

Wechsel im Stadtrat: Karl-Heinz Gleißner scheidet aus, Andrea Lugert-Hoffmann rückt nach

Ein neues Gesicht gibt es seit Montag im Stadtrat Mitterteich: Andrea Lugert-Hoffmann rückte für Karl-Heinz Gleißner nach, der sein Mandat niedergelegt hat. SPD-Ortsvorsitzender Johann Brandl würdigte die Verdienste des Ausgeschiedenen.

Andrea Lugert-Hoffmann (SPD) ist am Montag als Stadträtin vereidigt worden.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Seit Mai 2020 war Sonja Gleißner (Freie Wähler) die einzige verbliebene Frau im Stadtrat Mitterteich. Das hat sich nun geändert: In der Sitzung am Montagabend in der Turnhalle der Grundschule ist Andrea Lugert-Hoffmann (SPD) als Stadträtin vereidigt worden. Sie rückte bei den Sozialdemokraten für Karl-Heinz Gleißner nach, der auf eigenen Wunsch aus dem Gremium ausschied. Gleißner hatte zuvor bereits seit längerem entschuldigt gefehlt.

Bürgermeister Stefan Grillmeier informierte eingangs über ein Schreiben von Karl-Heinz Gleißner vom 16. August 2021. Darin habe dieser erklärt, dass er sein Stadtratsmandat aus persönlichen und privaten Gründen zum 1. September 2021 niederlegen werde. Gegen das Ausscheiden von Karl-Heinz Gleißner und die Berufung von Listennachfolgerin Andrea Lugert-Hoffmann in den Stadtrat gab es im Gremium keine Einwände.

18 Jahre lang im Kreistag

Zweiter Bürgermeister und SPD-Ortsvorsitzender Johann Brandl sprach Worte der Würdigung und übermittelte auch eine Botschaft von Karl-Heinz Gleißner, der selbst nicht anwesend war. Brandl erinnerte an das langjährige Wirken Gleißners in der Kommunalpolitik, in Mitterteich und auch in überörtlichen Gremien. „Sein Engagement hat Anerkennung verdient“, betonte Brandl. „Obwohl er als Verwaltungsangestellter der Stadt Mitterteich während seines aktiven Berufslebens nicht in den Stadtrat einziehen konnte, hat er sich für das Wohl der Mitterteicher Bürger eingesetzt“, sagte Brandl und verwies auf Gleißners Wirken als Mitglied des Kreistags von 1990 bis 2008.

In seiner mehr als zehnjährigen Amtszeit als SPD-Ortsvorsitzender trat Karl-Heinz Gleißner auch als Bürgermeisterkandidat an und verlor gegen Roland Grillmeier. Dennoch habe Gleißner als Stadtratskandidat bei späteren Kommunalwahlen stets viel Zustimmung in der Bevölkerung gefunden, so Brandl weiter. In den Stadtrat zog Karl-Heinz Gleißner im April 2019 ein. Weil er inzwischen in den Ruhestand gegangen war, konnte er nachrücken, als Michaela Fuierer ihr Mandat niederlegte. 2020 sei Gleißner erneut mit sehr großem Zuspruch wiedergewählt worden.

„Als mir Karl-Heinz nun mitteilte, dass er sich aus dem Stadtrat zurückziehen wolle, weil er die ehrenvolle Aufgabe zum Wohle unserer Bürger nicht mehr erfüllen könne, hat mich das sehr getroffen“, betonte Brandl. Gleißner sei über Jahrzehnte ein politischer Wegbegleiter gewesen und sei ihm stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Dank an Gremium und Bürger

„Wir müssen seinen Wunsch respektieren“, so Brandl. „Ich darf in seinem Namen ausrichten, dass er sich ausdrücklich bei unserem Bürgermeister, der derzeit einzigen Stadträtin und den Stadträten für das stets kollegiale Miteinander bedankt.“ Ein besonderer Dank gelte den Bürgern der Stadt, die ihm in den vergangenen Jahrzehnten ihr Vertrauen geschenkt hätten. Seiner Nachfolgerin Andrea Lugert-Hoffmann und dem ganzen Stadtrat wünsche Gleißner eine glückliche Hand bei allen künftigen Entscheidungen. „Er hat sich immer mit vollem Herzblut für die Bürger eingesetzt“, so Brandl am Ende über Karl-Heinz Gleißner.

„Es ist kein leichter Schritt, aber wir müssen ihn akzeptieren“, sagte Bürgermeister Grillmeier und verwies auf eine Reihe von Gesprächen vor dieser Entscheidung. „Ich wünsche Karl-Heinz weiterhin alles Gute, vor allem Gesundheit, das ist das Wichtigste“, so Grillmeier.

Familie im Zuhörerbereich

Als nächstes folgte die Vereidigung von Andrea Lugert-Hoffmann, die laut Grillmeier Ende August die Annahme ihrer Berufung erklärt hatte. Das Ablegen des Amtseids verfolgten vom Zuhörerbereich aus auch der Ehemann, die Kinder und die Eltern von Andrea Lugert-Hoffmann. Ihr Vater Hans Lugert war 2013 nach fast 40-jähriger Stadtratstätigkeit ausgeschieden.

Die SPD-Fraktion teilte mit, dass Andrea Lugert-Hoffmann auch Karl-Heinz Gleißners Ämter in Ausschüssen und Verbänden übernehmen wird. Er war Mitglied im Finanz- und im Freizeitausschuss sowie stellvertretendes Mitglied im Bauausschuss und in der Verbandsversammlung des Wasserzweckverbandes Pfaffenreuther Gruppe.

„Ich freue mich auf das neue Amt als Stadträtin“, betonte Andrea Lugert-Hoffmann im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. Als Mutter von zwei Kindern wolle sie sich ganz besonders für die Belange von Familien einsetzen. Am Herzen liege ihr auch eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung.

Verzögerung bei der Sanierung des Historischen Rathauses

Mitterteich
Zur Person:

Andrea Lugert-Hoffmann

  • 40 Jahre, verheiratet, zwei Kinder
  • Sachbearbeiterin bei der IHK für Oberfranken in Bayreuth
  • Seit 2015 stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Mitterteich
Kommentar:

Ein herber Verlust, aber auch eine Chance

Der Rückzug von Karl-Heinz Gleißner aus dem Stadtrat und damit aus der aktiven Lokalpolitik ist ein herber Verlust. Für Mitterteich und die Bürger im Allgemeinen und die örtliche SPD im Speziellen. Als früherer langjähriger Verwaltungsangestellter hat er enorme Fachkenntnisse und viel Erfahrung eingebracht. Er war dabei nie ein Mann lauter Töne – Kritik hat er stets sachlich und fundiert geäußert, manchmal auch mit einem humorvollen Beiklang. Er wird fehlen, aber seine Entscheidung, die ihm sehr schwer gefallen sein dürfte, ist zu respektieren.

Doch jede Veränderung birgt auch Chancen. Durch Andrea Lugert-Hoffmann ist nicht nur die jämmerlich niedrige Frauenquote im Stadtrat wieder leicht gestiegen. Sie senkt auch den Altersschnitt und kann als Mutter noch kleiner Kinder vielleicht die eine oder andere neue Perspektive aufzeigen. Und nicht nur durch ihre jahrelange Vorstandstätigkeit im SPD-Ortsverein dürfte sie längst mit der Lokalpolitik vertraut sein. Denn Politik hat in ihrer Familie eine lange Tradition.

Udo Lanz

 

 

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