20.08.2021 - 16:12 Uhr
MitterteichOberpfalz

Zwist um Parkflächen: Schützen lehnen Pachtvertrag-Verlängerung mit SV Mitterteich ab

Der SV Mitterteich will eine LED-Flutlichtanlage bauen. Doch die dafür notwendige Verlängerung eines Pachtvertrags hat die Königlich privilegierte Schützengesellschaft abgelehnt. Hintergrund ist ein Zwist um die Nutzung von Parkflächen.

Der SV Mitterteich will seine Fußballanlage mit einer LED-Flutlichtanlage ausstatten und dafür ein Förderprogramm nutzen. Eine Voraussetzung dafür ist aber die Verlängerung des Pachtvertrags für das Gelände, was die Königlich privilegierte Schützengesellschaft Mitterteich jedoch abgelehnt hat.
von Josef RosnerProfil

Ein Antrag des SV Mitterteich am Ende der Jahresversammlung der Königlich privilegierten Schützengesellschaft Mitterteich brachte jetzt einen Zwist zwischen beiden Vereinen in die Öffentlichkeit. Konkret geht es um den Pachtvertrag für das SV-Sportgelände an der Marktredwitzer Straße, dessen Eigentümer die Schützen sind: Eine Verlängerung dieses Vertrags haben die anwesenden Mitglieder einstimmig mit 33:0 abgelehnt. Als Grund wurden seit längerem bestehende Probleme im Zusammenhang mit der Parkplatznutzung genannt.

Der Pachtvertrag läuft noch bis zum 31. Dezember 2030. Weil der SV Mitterteich - der einzige Fußball-Landesligist im Landkreis Tirschenreuth - eine LED-Flutlichtanlage für Abendspiele bauen will, wollte er den Vertrag vorzeitig bis 2046 verlängern. Denn ein noch mindestens 25 Jahre lang gültiger Pachtvertrag ist Voraussetzung dafür, dass für das kostspielige Projekt eine 90-Prozent-Förderung vonseiten des BLSV abgerufen werden kann. Und dieses Förderprogramm ist nur noch heuer verfügbar.

Vereinbarung seit 1962

Schützenmeister Wolfgang Friedl ging bei der Vorstellung des Antrags auch auf die Historie ein. Der Vertrag über die Verpachtung des Schützengeländes wurde 1962 abgeschlossen und sollte über 66 Jahre laufen. Auf Nachfrage einiger Mitglieder zur Höhe der jährlichen Pacht nannte Friedl den Betrag von 51,13 Euro (früher 100 D-Mark).

Damals hätten die Fußballer regelmäßig die von einem Pächter betriebene angeschlossene Gaststätte besucht, was ein gutes Geschäft bedeutet habe. Mit dem Bau des Tennisheims mit Gaststätte habe sich die Situation aber geändert. "Das war damals ein erster Bruch, als die SV-Fußballer das Lokal wechselten", sagte Wolfgang Friedl.

2003 kam der SV auf die Schützen zu, weil die Umkleidekabinen, die WCs und die Duschen im Gebäude auf dem Sportgelände saniert werden sollten. Daraufhin sei laut Friedl auch festgelegt worden, dass im Dachgeschoss zusätzlich nur ein Funktionsraum geschaffen werden darf - aber keinesfalls ein Wirtshaus. Im September 2004 wurde der geänderte und bis 2030 verlängerte Pachtvertrag im Notariat Waldsassen unterzeichnet - von Schützenmeister Wolfgang Friedl und dem SV-Vorsitzenden Roland Eckert, die beide noch heute im Amt sind. Als Ablösesumme für die gesamten Bauten bei Auslaufen des Vertrags wurden damals 20 000 Euro vereinbart. Weiter wurde im Vertrag festgehalten, dass Fahrzeuge von Spielern und Angehörigen des SV an Schießtagen - Montag, Mittwoch und Freitag - nur auf dem sogenannten Festplatz parken dürfen, jedoch nicht vor dem Schützenheim. Für die Nutzung der Parkflächen durch den SV wurde eine monatliche Gebühr von 150 Euro vereinbart.

Parkregelungen kaum beachtet

Wolfgang Friedl betonte, dass sich die Fußballer an diese Parkregelungen bislang kaum gehalten hätten. Erst vor etwa zwei Monaten sei Bewegung in die Sache gekommen. Der SV habe ein Hinweisschild angebracht und die Fußballer nutzten jetzt auch den früheren Ausweichplatz gleich neben dem Fußballplatz zum Parken. Friedl nannte dies ein "erstes Zeichen der Verbesserung". Sollten die Parkflächen weiterhin vorschriftsmäßig benutzt werden, könne in den kommenden Jahren nochmals über eine Pachtverlängerung gesprochen werden, erklärte Friedl."Wenn sie sich daran halten, werden 2025 die Karten neu gemischt", kündigte der Schützenmeister an. Seine Schützen-Mitglieder wisse er hinter sich.

Werbeträger für Stadt und Region

Bürgermeister Stefan Grillmeier ergriff nach den Ausführungen des Schützenmeisters das Wort. "Da hat sich über die vergangenen Jahre ein Zwist aufgebaut", bedauerte Grillmeier und forderte die beiden Vereine auf, eine Lösung zu suchen. "Wenn die Schützen jetzt mit dieser Härte vorgehen, wo sollen die Fußballer dann künftig spielen?", fragte Grillmeier und hoffte auf weitere Gespräche. Der Bürgermeister gab zu bedenken, dass der SV ein sportlicher Werbeträger für die Stadt und die Region sei. Es wäre sehr schwierig, ein neues Sportgelände zu finden. Allerdings müsse sich der SV an die vertraglich vereinbarten Regeln halten.

Wolfgang Friedl erwiderte, dass der SV jetzt genügend Zeit habe, eine Lösung für die Zukunft zu finden. Schützen-Mitglied Heribert Hegen machte deutlich, dass es von ihm keine Zustimmung für eine Pachtverlängerung geben werde. Stefan Grillmeier bat darum, nicht alle Türen zuzuschlagen.

Auf Antrag fand die Abstimmung über die Pachtverlängerung in geheimer Wahl statt. Mit 33:0 votierten die Schützen gegen das Anliegen des SV Mitterteich.

Nach der Versammlung wurde gegenüber Oberpfalz-Medien die Frage laut, ob denn auch Bürgermeister Stefan Grillmeier ein Schützen-Mitglied sei und mitgestimmt habe. Auf Nachfrage dazu erklärte Schützenmeister Wolfgang Friedl, dass Stefan Grillmeier kein Vereinsmitglied sei. Der Bürgermeister selbst, der inzwischen im Urlaub weilt, war auf telefonische Anfrage zu der Sache von Oberpfalz-Medien nicht zu erreichen.

"Maßlos enttäuscht"

"Mir blutet das Herz", erklärte SV-Vorsitzender Roland Eckert, als er von Oberpfalz-Medien mit dem Ergebnis der Abstimmung konfrontiert wurde. Er sei maßlos enttäuscht - und angesichts der Corona-Lage, in der im Vereinsleben ohnehin schon vieles beschränkt sei, bezeichnete er die Entscheidung als besonders traurig. "Ich habe keinen Plan B oder C. Wie sollen wir ohne Zuschüsse eine Flutlichtanlage finanzieren?", zeigte sich Eckert ratlos.

Eckert räumte ein, dass die Nutzung der Parkflächen nicht optimal gelaufen sei. "Ich sehe durchaus unsere Fehler ein." Inzwischen sei der ehemalige Sandplatz als Parkplatz freigegeben worden, so dass sich die Situation an den drei betreffenden Wochentagen entschärft habe. Eckert respektiere ein Mitgliedervotum, aber dass es einen 33:0-Beschluss gab, mache ihn nachdenklich. Als geradezu lächerlich, so Eckert, erscheine angesichts dieser Entscheidung die im vergangenen Jahr medienwirksam gestartete Aktion "Mitterteich hält zam".

"Unserem Verein, der eine über 100 Jahre lange Tradition hat, wird die Basis entzogen, es geht um unsere Existenz", betonte Eckert mit Blick in die Zukunft. Eckert kündigte an, dass man im SV-Vorstand baldmöglichst über das weitere Vorgehen beraten werde. Nicht zuletzt erinnerte er an die 650 Mitglieder im Verein, darunter rund 100 Jugendliche. Die ehrenamtliche Arbeit des SV werde leider nicht genügend wertgeschätzt, so Eckert.

Stellvertretender SV-Vorsitzender Gerhard Greim sprach auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien von einem "Schlag ins Gesicht" und einem existenzbedrohenden Beschluss. Am meisten überrascht habe ihn die Einstimmigkeit. "Wir als SV Mitterteich sind in voller Fahrt ausgebremst worden - und das schmerzt massiv", sagte Greim und erinnerte daran, dass der SV Mitterteich seit mehr als 100 Jahren auf diesem Gelände Fußball spiele.

Mit Vermittler an Tisch setzen

Greim ergänzte, dass der SV Mitterteich ein sozial eingestellter Verein sei, der immer wieder Benefizspiele für Menschen organisiert habe, die Schicksalsschläge erlitten haben. "Solche Aktionen würde es künftig nicht mehr geben." Gerhard Greim hoffte, dass sich die Verantwortlichen beider Vereine mit einem Vermittler an einen Tisch setzen, um einen Weg aus der verfahrenen Situation zu finden.

Standortwechsel bei Großprojekt

Mitterteich

"Wenn sie sich daran halten, werden 2025 die Karten neu gemischt."

Schützenmeister Wolfgang Friedl zur Park-Vereinbarung und zu einer erneuten Prüfung des SV-Anliegens

"Unserem Verein, der eine über 100 Jahre lange Tradition hat, wird die Basis entzogen, es geht um unsere Existenz."

SV-Mitterteich-Vorsitzender Roland Eckert

SV-Mitterteich-Vorsitzender Roland Eckert

 

 

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