06.07.2018 - 10:04 Uhr
Moos bei KümmersbruckOberpfalz

Ein eigenes Haus für Gärmersdorf und Moos

Auf der Baustelle ist es an diesem verregneten Nachmittag ruhig. Zum ersten Mal seit langem ist die Temperatur stark gesunken. Es zieht wie Hechtsuppe. Von außen sieht der Dorfstodl schon nach einem richtigen Haus aus.

Ziemlich stolz sind Oskar Lottner (Freiwilliger als Innenarchitekt), Florian Fischer und Bürgermeister Roland Strehl auf das, was alle zusammen schon geschafft haben.

Ein Haus für die Gemeinschaft. Ein Stodl für das Dorf. Vom Dorfgemeinschaftshaus am Wasserschloss erhoffen sich die Mitglieder des Dorfvereins Moos, die Gärmersdorfer und Roland Strehl (Bürgermeister von Kümmersbruck) einiges: Treffpunkt für die Jugend, die Feuerwehr, Raum für Eltern-Kind-Kurse und Strickkreise. Frühschoppen und Schafkopf auch.

Erwünscht sind Veranstaltungen, die das kulturelle und gesellschaftliche Leben fördern. Einen Gaststättenbetrieb wird es nicht geben. "Wir wollen der Gastronomie keine Konkurrenz machen", sagt Strehl. Kaffee und kühle Getränke gibt es aber. Ob die Dörfer Moos und Gärmersdorf an einem solchen Gemeinschaftshaus Interesse haben, war relativ leicht herauszufinden. Von Beginn der Planungen an war klar, dass viel in Eigenarbeit geschehen muss. Strehl fragte ganz offen: "Ist es euch das wert?" Ja, ist es. Und zwar nicht weniger als 80 000 bis 90 000 Euro in Arbeitsstunden der Freiwilligen. Die Gemeinde erklärte sich also bereit, das Material dazu zu steuern.

Sie opfern ihre Freizeit

Über das zukünftige Lager geht es im Moment noch in das Innere des Gebäudes. Es riecht nach Baustelle. Nach Holz, Klebemittel und anderen beißenden Gerüchen. Drinnen ist es viel wärmer als draußen, die heißen Juni-Tage haben das Gebäude aufgeheizt. Florian Fischer, Ralf Mauel, Oskar Lottner und weitere Freiwillige sind bereits fleißig. Es ist Freitag, kurz nach 16 Uhr. Gerade erst sind sie von der Arbeit gekommen und schon geht es weiter. "Es fängt meistens schon morgens vor der Arbeit an", erzählt Fischer, Industriemechaniker aus Moos. "Ich rufe die Emails ab und schreibe Leute auf Whats-App an, wann sie mithelfen können." Als Vorsitzender des Dorfvereins liegen viele Aufgaben in seiner Verantwortung. Zum Beispiel das Material zu organisieren und notfalls alle Tagespläne wieder umzuwerfen, wenn etwas fehlt. Die Hauptarbeitstage der Freiwilligen sind Samstags von 8 bis 12 Uhr. Doch auch werktags schuften sie häufig bis 19 oder 20 Uhr. "Da bleibt nicht mehr viel Freizeit", sagt Fischer, der 10 bis 14 Stunden pro Woche selbst mit anpackt. Nach fünf Jahren Hoffen und Bangen, ob der Stodl realisiert wird, sei es das aber wert.

"Es ist ein cooles Gefühl", sagt der 34-Jährige. Er blickt sich zufrieden in dem etwa 50 Quadratmeter großen Raum um. Boden, Wände, Fenster, Türen, Dach - alles was ein Haus so braucht. "Wenn man einen Lauf hat, muss man auch dranbleiben", sagt er. Bis jetzt würden alle gut mitziehen. Vor dem Spatenstich Anfang April haben immer wieder Leute gefragt, wann es denn endlich losginge. "Vor allem die Damen erwarten den Stodl sehnsüchtig. Hier wird es nämlich auch Toiletten geben", sagt Fischer und lacht. Insgesamt denkt er, dass das neue Gebäude "eine wesentliche Verbesserung für die Gemeinschaft ist". Und zudem erleichtert es die Arbeit des Dorfvereins oder der Feuerwehr, denn das stundenlange Zelte aufbauen bei Festen fällt weg.

Der Stodl soll verbinden

Innen sind sie gerade dabei, Vorbereitungen für die Verlegung der Elektrokabel zu treffen. Das Kommando hat Ralf Mauel. Er ist seit einem Jahr Elektrotechnikermeister. Der 21-Jährige kommt aus Gärmersdorf. Das ist einer der Faktoren, die Strehl besonders wichtig sind: "Es soll ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Orte sein und für alle zugänglich." Deshalb wird es auch einen Weg über die Krumbach-Aue von Gärmersdorf direkt zum Dorfstodl geben. Eine erhebliche Abkürzung.

Noch dieses Jahr will die Dorfgemeinschaft die ersten Festln im Dorfstodl feiern. Florian Fischer ist zuversichtlich, dass sie das schaffen.

Elektrotechnikermeister Ralf Mauel studiert aufmerksam den Bauplan.

Alles soll perfekt sein. Florian Fischer und Oskar Lottner arbeiten natürlich mit Wasserwaage und Lasermessgerät.

Info:

Konzept auch für andere Orte

Die Idee zum Dorfstodl entstand bereits 2013. Betreiber und Organisator ist die Gemeinde Kümmersbruck. Ist der Stodl erst fertig, wird es in der Hand der Gemeinde Kümmersbruck liegen, das Haus zu verwalten und zu betreiben.

Grundsätzlich steht das Dorfgemeinschaftshaus "allen Einwohnern, sowie den örtlichen Vereinen, Verbänden und Institutionen zur Verfügung", heißt es in einer Erklärung der Gemeinde. Die private Nutzung, zum Beispiel für Geburtstagsfeiern, ist nicht erlaubt. Die veranschlagten Kosten des Dorfstodls liegen bei 300 000 Euro. Die Eigenbeteiligung der Dorfgemeinschaft beträgt rund 83 000 Euro. Zuschuss bekam die Gemeinde unter anderem vom ELER-Programm (Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums). Für das Bauprojekt wurde extra ein Bauausschuss mit 17 Mitgliedern gegründet. Hauptsächlich arbeiten die etwa 200 Mitglieder des Dorfvereins mit, aber auch Nicht-Mitglieder sind aktiv beteiligt. Roland Strehl: "Ich sehe das auch für andere Orte. Wo es keinen öffentlichen Raum gibt, ist die Gemeinde sogar gefordert."

Zur Moosacher-Kirwa im August erwarten die Beteiligten einen Baustopp. Doch das ist einkalkuliert. Noch dieses Jahr soll das Haus bezugsfertig sein. Nächstes Jahr wird eine Terrasse den Außenbereich schmücken.

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