07.10.2020 - 13:57 Uhr
Moos bei SchlammersdorfOberpfalz

Rekord-Kuh „Lisi“ geht in den Ruhestand

Die wohl zurzeit älteste Milchkuh im Landkreis Neustadt/WN geht in den Ruhestand. "Lisi", 15 Jahre alt, aus Moos bei Schlammersdorf, hat in ihrem Leben schon 132.000 Kilogramm Milch produziert - eine ungewöhnliche braun-weiße Dame.

Als Chiara, die Tochter von Betriebsleiter Hubert Herr, geboren wurde, war Kuh „Lisi“ bereits als Jungrind im Stall unterwegs.
von Anne Wiesnet Kontakt Profil

Kuh "Lisi" ist etwas Besonderes, denn 132.000 Kilogramm produzierte Milch ist einmalig in der Geschichte im Landkreis Neustadt/WN, weiß Fachberater Rudolf Traxinger vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schwandorf. Und nicht nur das: "Lisi" ist auch ungewöhnlich alt für eine Milchkuh. Während die Tiere im Durchschnitt circa fünf Jahre alt werden, hat die betagte Kuh-Dame schon 15 Jahre auf dem haarigen Buckel. Traxinger widmet sich seit vielen Jahren gerade den älteren Kühen, insbesondere denen, die eine Lebensleistung von über 100.000 Kilogramm Milch erreicht haben - das sind nicht viele. "Wir haben insgesamt 20.000 Kühe im Landkreis Neustadt/WN, die in der Milchleistungsprüfung sind. Davon schaffen pro Jahr nur 5 bis 10 Stück 100.000 Kilogramm Milch." So eine Kuh wie "Lisi" gebe es bislang im Landkreis kein zweites Mal, sagt Traxinger. "Ich mache den Job schon ziemlich lang und weiß keine im Landkreis, die das geschafft hätte." Um sich die Dimensionen der Leistung vorstellen zu können, verweist der Fachberater für Rinder auf die Milch-Lastwagen, die oft auf den Straßen unterwegs sind. "In so einen Milchtank passen 30.000 Kilogramm Milch, und ,Lisi' hat allein den Tank vier Mal voll gemacht."

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Die fleißige Kuh-Dame stammt aus dem Milchviehbetrieb von Hubert Herr. Etwa 45 Milchkühe stehen in seinem Stall in Moos, der 1996 errichtet wurde. Normalerweise verlassen Kühe ihre Ställe, weil sie nicht mehr trächtig werden, sich im Euter eine unheilbare Entzündung einstellt hat oder weil sie Klauenprobleme haben. „Lisi" dagegen ist fit bis ins hohe Alter und darf deshalb ihren Ruhestand genießen.

Das Wohl ihrer Kühe liegt der Familie Herr schon immer am Herzen. Bereits seit Oktober 1951 nehmen sie an der freiwilligen Milchmengenmessung des Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern teil, heißt es in der Pressemitteilung des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Schwandorf. Damit stehe ihnen eine entscheidende Grundlage zur art- und leistungsgerechten Versorgung der Tiere zur Verfügung. Gemeint ist damit laut Traxinger, dass der Landwirt durch die Milchmengenmessung das Futter für jede Kuh individuell zusammenstellen kann, je nach Milchleistung eben. Diese besondere Sorgfalt lasse die Kühe in Herrs Stall älter werden. So kann er jedes Jahr Jungvieh an andere Betriebe abgeben, weil sie für die eigene Nachzucht nicht benötigt werden. Die betagte Kuh-Dame "Lisi" dagegen ist schon lange auf dem Hof der Herrs und darf auch ihren Lebensabend dort verbringen.

Hintergrund:

Gute Gene, gute Pflege

Geboren wurde die Kuh "Lisi" am 14. Mai 2005. Vater ist der in der Fleckviehzucht bekannte Bulle „Eilig“ von der Besamungsstation Neustadt/Aisch. Damit so eine hohe Lebensleistung zustandekommt, spielen viele Faktoren zusammen, weiß Rudolf Traxinger: Zum einen liegt es in der Familie, denn der Ursprung von "Lisis" Ahnen liegt im Jahr 1963 bei der Kuh „Laune“. Auch sie hatte bereits 50.000 Kilogramm auf ihr Milchkonto gutschreiben können und neun Kälber geboren. Zum Vergleich: Zu der damaligen Zeit lag die durchschnittliche Milchleistung je Kuh und Jahr bei circa 3500 Kilogramm. Lisi bringt es auf bisher 13 Abkalbungen und 14 Kälber. Zu den weiteren wichtigen Faktoren zählen auch die sogenannten „Umwelteinflüsse“. Dazu gehöre laut Traxinger zuallererst das Können des Betriebsleiters; er sei die entscheidende Person für den Erfolg im Milchviehstall. Daneben sei die Qualität des Futters und eine vorzügliche Wasserversorgung wichtig für die Gesundheit einer Milchkuh. Nicht zu vergessen: die „Klauenmaniküre“ mehrmals pro Jahr. Denn: „Die Klaue trägt die Milch“, lautet ein bewährter Spruch der Milchbauern.

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