30.12.2018 - 14:29 Uhr
MoosbachOberpfalz

Im Bann der "Wies"

Mit dem Namen Engelbert Seidl weiß in Moosbach kaum jemand mehr etwas anzufangen. Dabei spielt er in der Geschichte der Wallfahrtskirche eine wichtige Rolle.

Engelbert Seidl war zwar nur von 1902 bis 1908 Pfarrer in Moosbach. Die Geschichte der Wieskirche hat aber keiner so umfassend recherchiert wie er.
von Peter GarreissProfil

Seidl war von 1902 bis 1908 Pfarrer in Moosbach. In dieser Vorkriegszeit ging es noch ruhig zu in der Gemeinde. In seiner nur sechs Jahre langen Amtszeit schuf er ein großes Werk, nämlich die "Geschichte über die Entstehung der Wallfahrt und der Wallfahrtskirche ,Wies' bei Moosbach in der Oberpfalz". So umfassend hatte vor Seidl noch niemand über die Wieskirchen-Geschichte recherchiert und nach ihm auch keiner mehr.

Im Alter von 35 Jahren war Moosbach seine erste Pfarrstelle. Der am 25. März 1867 in Waldsassen als Sohn der Kaufmannseheleute Georg und Susanna Seidl geborene Priester besuchte nach der Schulzeit in seiner Geburtsstadt das Gymnasium in Metten. Das theologische Studium vollendete er am Priesterseminar in Regensburg, wo er am 8. Mai 1892 zum Priester geweiht wurde. Seine erste Dienststelle erhielt der Neupriester Seidl am 24. Juni 1892 als Kooperator in Viechtach.

Versierter Prediger

Aber schon eineinhalb Jahre später berief der Bischof den jungen Geistlichen als Kooperator nach Cham. Im Dezember 1894 stieg Seidl bereits zum Prediger und Religionslehrer in Cham auf. Schnell galt er dort als versierter und begabter Prediger und Seelsorger. Sein Ruf reichte bald bis nach München.

Dort hielt er 1897 bei der feierlichen Einkleidung von 36 Kandidatinnen im Kloster der ehrwürdigen Schwestern bei St. Jakob am Anger eine aufsehenerregende Predigt. 1901 war Seidl im Heiligen Land. Im August 1902, also zehn Jahre nach seiner Priesterweihe, erhielt Seidl seine Berufung als Pfarrer von Moosbach. Sogleich gab die Mutter Susanna Seidl ihre "Spezereihandlung" in Waldsassen auf, um fortan ihrem Sohn als Pfarrhaushälterin zur Seite zu stehen.

Mit großer Hingabe

Immer wieder wurde der Moosbacher Pfarrer zu großen kirchlichen Ereignissen im ganzen Bistum gerufen, um dort zu predigen. Aber schon am 26. Februar 1908 kehrte Engelbert Seidl dann als neu ernannter Stadtpfarrer wieder nach Cham zurück, um mit großer Hingabe und ganzer Kraft der ausgedehnten Pfarrei Cham zu dienen. Seine Mutter war ihm auch dort ein Rückhalt.

In der nur knapp sechs Jahre dauernden Zeit als Moosbacher Pfarrherr ließ Seidl die Wallfahrtskirche "Wies" nicht mehr los. Eine Geschichtsforschung über die Wallfahrt, die im 18. Jahrhundert viele Tausend Pilger pro Jahr bis von Wien, Prag oder Frankfurt nach Moosbach lockte, gab es noch nicht. So war Pfarrer Seidl ständig unterwegs, um in den Archiven in Amberg und Regensburg Akten zu sichten. Besonders der imposante Turm der Wieskirche hatte es dem Geistlichen angetan. Diese Hauptzier des Gotteshauses, deren Fertigstellung vor 250 Jahren erfolgte, zog den Pfarrherrn in seinen Bann. 6497 Gulden kostete der Kirchenbau und 5665 Gulden der Turm.

Unzählige Quellen musste Seidl erst finden und dann durcharbeiten, alte Schriftstücke übersetzen bis endlich 1906 die 40-seitige Broschüre fertig war. Ausführlich ist darin die Entstehung der Wallfahrt geschildert. Ein weiterer Abschnitt hat die "Beneficia", die Wunder und die wundersame Quelle unweit der Wieskirche, zum Thema. Auch denen, die sich um den Bau der Wallfahrtskirche verdient gemacht haben, wie der Pfleger in Burgtreswitz wurde in der Broschüre gedankt. Umfassend beschäftigte sich Seidl mit dem Bau der Kirche und den Kosten.

Einen großen Block nimmt auch der Jurisdiktions-Streit zwischen dem Marktrat von Moosbach und dem Pflegamt Treswitz ein, der von 1748 bis 1789 die obersten Gerichte beschäftigte und in dem es um die Gebietshoheit, also um die Einnahmen aus der Wallfahrt, ging. Das letzte Kapitel handelt schließlich von dem Einsiedler bei der Wieskirche.

Kunstsinniger Seelsorger

Der Geistliche ahnte wohl schon bald, dass seine Zeit in Moosbach zu Ende gehen wird, und so forcierte er die Forschungsarbeiten und arbeitete fast Tag und Nacht. Endlich war es geschafft, und die Druckerei Mühlberger in Augsburg konnte das Werk ausliefern. Anschließend war Seidl noch 22 Jahre Pfarrer in Cham. Den eifrigen, kunstsinnigen und fortschrittlichen Seelsorger zwang ein inneres Leiden, sein verantwortungsvolles Amt zum Jahresende 1930 in jüngere Hände zu legen.

Seine letzte offizielle Amtshandlung war die Einweihung einer neuen Brücke in Cham. Sein Wunsch, in der ihm so liebgewordenen Stadt Cham noch einige Jahre seinen Ruhestand verbringen zu können, erfüllte sich aber nicht. Am 11. August 1931 starb er im 65. Lebensjahr, geläutert durch ein schweres, mit Geduld ertragenes Leiden und gestärkt durch den wiederholten Empfang der Sakramente. Zum Gedenken wurde 1945 ein Straßenzug in Cham in Pfarrer-Seidl-Straße umbenannt.

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