Moosbach
10.03.2020 - 11:48 Uhr

Moosbachs erste Wahl

Die bevorstehende Kommunalwahlen gibt Anlass zur Frage: Seit wann gibt es in Moosbach eigentlich Ratswahlen?

Hier im Saal dieses Anwesens „Goldener Löwe“ in Moosbach führte der Pfleger von Burgtreswitz die Gemeindewahlen 1670/71 durch. Bild: gi (Archiv)
Hier im Saal dieses Anwesens „Goldener Löwe“ in Moosbach führte der Pfleger von Burgtreswitz die Gemeindewahlen 1670/71 durch.

Bürgermeister und Rat von Moosbach richteten am 12. Juni 1574 ein Gesuch an den Kurfürsten, in dem sie um die Marktrechte baten. Den Pflegern in Burgtreswitz gelang es immer wieder, die Sache hinauszuzögern. Moosbach richtete aber alljährlich Anträge an den Kurfürsten und erinnerte an die Marktrechte. 1605 bekam Moosbach mit der Stadt Nabburg einen Fürsprecher. Der dortige Rat berichtete dem Kurfürsten, dass Moosbach seit undenklichen Zeiten zu den Zusammenkünften der Städte und Märkte geladen wurde, auch erschienen ist und alle Abgaben, wie sie Städte und Märkte bezahlen müsse entrichte. Endlich am 21. März 1608 wurde in Heidelberg der Marktfreiheitsbrief für Moosbach ausgestellt. Daraus entsprangen Rechte und Pflichten. So wurde der Markt verpflichtet, im Beisein des Pflegers von Treswitz alljährlich einen Bürgermeister, Rat und viele andere Hoheitsträger zu wählen.

So wurde Moosbach am 13. Oktober 1670, also vor 350 Jahren, vom Pfleger Bartholomäus von Göring aufgefordert, umgehend die Ratswahlen durchzuführen. Am 3. Februar 1671 fanden sie dann durch den gestrengen Pfleger in Moosbach statt. Der innere Rat bestand aus 12 Personen, darunter vier Bürgermeister, von denen jeder ein Quartal als Amtsbürgermeister waltete. Von den Bürgermeistern wurden zwei durch den Pfleger und zwei von der Bürgerschaft gewählt. Die vier Bürgermeister wählten weitere vier Ratsmitglieder, diese zusammen mit den Bürgermeistern weitere vier Räte (innerer Rat). Daneben gab es den äußeren Rat, den man der Mitgliederzahl nach die „Sechszehner“ bezeichnete. In Moosbach war es üblich, nur acht Personen in den äußeren Rat zu wählen. Vom Moosbacher Rat mussten acht Mitglieder als Schöffen zum Hochgericht Treswitz gestellt werden. Daneben hatten die Ratsfreunde noch eine Menge anderer Ämter zu besetzen.

Das Protokoll von 1671 zeigt genau den Vorgang der Ratswahlen auf:

Nachdem der hl. Gottesdienst beendet und sich Bürgermeister und Rat samt der Bürgerschaft um halb neun Uhr vormittags in der Tafern „Gasthaus Zum goldenen Löwen“ eingefunden hatten, weil das Rathaus baufällig war, wurde ihnen auf den gnädigsten Befehl eröffnet, dass der Pfleger die Wahlen dem Herkommen gemäß vornehmen und sich die vorkommenden Beschwerden anhören und beantworten wolle. Bei den Beschwerden ging es um das Scharwerk (Hand- und Spandienste), dass die kleinen Häuser immer mehr Gründe kaufen und dass die Auswärtigen immer mehr braunes Bier im Moosbacher Gebiet verkaufen. Auch die Treswitzer sollen das Bier nicht den Wirten auf dem Land nachfahren. Bei den Metzgern müsse man das alte, geringe Kuhfleisch so teuer kaufen, als anderwärts das Gute. Das Brot von den Bäckern sei zu klein und einmal sei zwei Tage lang weder Schwarz- noch Weißbrot zu haben gewesen. Die Bürger beschwerten sich auch über das ruinierte Pflaster im Markt, den schlechten Zustand der Ziegelhütte und des Hirtenhauses, den unbrauchbaren Gemeindeweiher, die Bevorzugung der Reichen im Brauhaus und den unbefahrbaren Weg von Moosbach nach Burgtreswitz. Bürgermeister Narkauer beschwerte sich über den Ungehorsam der Bürger, so dass er bis zu viermal den Marktknecht schicken musste und der Betreffende dann doch nicht kam. Nachdem der Pfleger zu den Klagepunkten Stellung genommen hatte, schritt man zur Ratswahl; es wurden der Rat und die Ämter besetzt und die Beamten in Pflicht genommen.

Ein wichtiges Dokument zur Geschichte von Moosbach ist das 350 Jahre alte Protokoll der Ratswahlen von 1670/71. Bild: gi (Archiv)
Ein wichtiges Dokument zur Geschichte von Moosbach ist das 350 Jahre alte Protokoll der Ratswahlen von 1670/71.
Ergebnis der Wahlen:

Bürgermeister: Gewählt von den Bürgern: Balthasar Weidinger und Hans Walburger. Gewählt vom Pfleger: Balthasar Rheinhardt und Andre Höll. Von den vier Bürgermeistern wurden folgende Räte (Innerer Rat) gewählt: Peter Ulrich, Hans Wagner, Hans Kaspar Kraus, Heinrich Narkauer, Hans Krauterer, Wolf Schwalber, Peter Stichauner und Hans Winter. Marktkämmerer: Andre Höll. Viertelmeister: Gewählt von den Bürgern: Hans Pöller und Georg Forster. Gewählt vom Pfleger: Hans Hochreither und Leonhard Vischer. Die Viertelmeister vertraten die Interessen der vier Marktviertel. Sie überwachten die Tätigkeiten des inneren Rates und brachten von Zeit zu Zeit ihre Beschwerden vor.

Kesselgeldeinnehmer: Leonhard Weidinger. Ziegelverwalter: Hans Wagner und Leonhard Vischer. Pflasterzolleinnehmer: Balthasar Rheinhardt. Baumeister: Hans Wagner. Feuerschauer: Leonhard Vischer und Lorenz Hochreither. Almosensammler: Hans Pallander, Andre Hacker und Georg Willibald Pfannenstein. Fleisch- und Biersetzer: Hans Krauterer, Leonhard Weidinger und Kaspar Schwalber. Brot- und Malzschauer: Hans Wagner, Lorenz Hochreither und Andre Höll. Mühlenbeschauer: Peter Sell und Georg Reinhardt. Wundbeschauer: Hans Krauterer und Sebastian Karchus. Lederbeschauer: Peter Ulrich und Georg Carl. Tuchbeschauer: Hans Walburger, Bürgermeister Heinrich Narkauer und Wolf Andre Güntner. Schulvisitatoren: Bathasar Weidinger und Hans Kaspar Kraus. Gemeindeausschuss - Moosbach war verwaltungsmäßig geviertelt. Im ersten Viertel: Michael Kemnitzer und Georg Reinhardt; im zweiten Viertel: Sebastian Karchus und Kaspar Schwalm. Im dritten Viertel: Jakob Forster und Wolf Andre Güntner. Im vierten Viertel: Sebastian Carl und Lorenz Hochreiter.

Viele Namen der Gewählten sind heute noch in Moosbach und seiner Umgebung zu finden. Im Wesentlichen galten diese Wahlbestimmungen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. König Max I erließ im August 1818 die erste Bayerische Gemeindeordnung. Zum ersten Bürgermeister nach dieser neuen Gemeindeordnung wurde 1818 der Schneidermeister und Ökonomiebürger Johann Krapf (heute Moosbach, Hauptstraße 25) gewählt.

 
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