11.11.2018 - 10:45 Uhr
MoosbachOberpfalz

Der Tod bezieht Stellung

130 Männer aus der Großgemeinde Moosbach kommen im Ersten Weltkrieg ums Leben. Alleine 36 Moosbacher fallen. Das Leid ist unermesslich. Schrecken und Gräuel enden vor 100 Jahren.

Josef Weiß war Infanterist und Badersohn in Moosbach. Er starb im 22. Lebensjahr den Heldentod in Frankreich.
von Peter GarreissProfil

Vor 100 Jahren endete der erste Weltkrieg. 130 Söhne und Väter kamen dabei aus der Marktgemeinde Moosbach ums Leben. Für die Mütter und Ehefrauen war das ein Alptraum. Unermessliches Leid zog sich über das Land. Alleine 36 Opfer hatte der Ort Moosbach zu beklagen. Aufzeichnungen des Heimatforschers Karl Ochantel geben einen Einblick über Schicksale der Moosbacher Kriegsteilnehmer.

Schon am zweiten Tage der Mobilmachung, am 3. August 1914, trafen sich Männer aus Moosbach am Bahnhof in Vohenstrauß zur Abfahrt in die Garnisonen. Nach einer Woche schon marschierten sie als Teil der 6. Armee zwischen Metz und Saarburg in Lothringen auf. Bei der Schlacht am 20. August 1914 war mit Dionys Völkl der erste Moosbacher Tode zu beklagen. Er fiel als „Leichter Reiter“ als Kavallerist. Die Heimatgemeinde war geschockt. Aber es sollte noch viel schlimmer kommen. Michael Kiesl war kaum vier Wochen im Felde, da erhielt er im September 1914 einen Oberarmschuss. Nach vielen Lazarettaufenthalten verstarb er am 25.2.1915 in der Heimat.

Im Oktober 1914 begann der Stellungskrieg. Durch Kopfschuss kam Anton Rappl am 5. Oktober 1914 im Alter von 24 Jahren ums Leben. Das nächste Moosbacher Opfer war Anton Singer. Er erlebte alle Schrecken des Krieges. Eine Granate zerfetzte ihm den Oberschenkel. Eine Blutvergiftung brachte am 23. Dezember 1914 sein Herz zum Stehen. In der ersten Flandernschlacht wurde Josef Lorenz verwundet und am 14. Dezember 1914 beerdigt. Wenige Tage später fand der Kriegsfreiwillige Ambros Bauridl nach einem Kopfschuss den Tod. Bauridl war von 1913 bis 1914 erster Bürgermeister von Moosbach und hätte deshalb noch gar nicht ins Feld ziehen müssen. Johann Bennerl traf am 30. Januar 1915 ein Granatsplitter tödlich am Hals. Der 21 Jahre alte Ökonom Josef Wittmann war erst zwei Monate an der Front, als er am 15. Mai 1915 den Heldentod fand. Ebenso der Infanterist Josef Lorenz bei Messines in Belgien. Aber auch an der Ostfront in Russland gab es die ersten Toten. Im Gefecht bei Borowo kam der Gefreite Johann Wild ums Leben. Am 12. Oktober 1915 ereilte dem Glaspolierer Josef Bergmann dasselbe Schicksal in Russland.

Im Südosten von Verdun dauerten die Kämpfe in den Wäldern an. Im November 1915 traf die traurige Nachricht in Moosbach ein, dass der Postillion Josef Lang den Heldentod durch eine Gewehrgranate starb. Unteroffizier Franz Drexler war am 30. Juni 1916 als Nächster an der Reihe. Alpenjäger Michael Hierold und der „Badersohn und Jüngling“ Josef Weiß kurze Zeit später. Ihre Gräber können im Kriegerfriedhof in Belgien besucht werden.

1916 geriet die Front auf dem Balkan wieder

in Bewegung als Rumänien zu den Alliierten übertrat. Der Moosbacher Gefreite Adam Schweigl, der schon im Mai 1915 bei Arras an Kopf verwundet wurde, erhielt in Rumänien wieder einen Kopfschuss und starb am 31. Dezember 1916. Vorher, am 21. Oktober 1916, fiel der Student Michael Schuster aus Moosbach. Kurze Zeit später bei Arras erhielt der 32-jährige Moosbacher Gastwirtssohn Johann Ziegler in einer Minenwerfer-Abteilung eine tödliche Verwundung. „Uns, dem Vater und der Mutter, wollt ob dem Weh das Herz vergeh´n. Schwer ist der Schlag, der uns getroffen“, war auf dem Sterbebild zu lesen.

Nach dem Waffenstillstand am 15. Dezember 1917 mit Russland hörte das Sterben an der Ostfront endlich auf. Mit Eintritt der USA in den Krieg wurde es aber an der Westfront dramatisch. Viele Opfer forderten nun die Grabenkämpfe. Nach einem Schrapnellschuss im Mai 1917 wurde Michael Schweigl in die „blutbedeckte Erde“ gebettet. Für Johann Hierold fand sich kein Grab. Nach Artilleriebeschuss bei Messines galt er als vermisst und wurde 1922 durch das Amtsgericht Vohenstrauß für tot erklärt. Der Glasarbeiter Johann Zeller, der schon bei Verdun verwundet worden war, erhielt einen Kopfschuss und verstarb. Johann Prem geriet nach einem französischen Gasangriff in Gefangenschaft. Am 29. Mai 1917 fiel der zweite Badersohn Hans Weiß. Von einem Artilleriegeschoss an der Brust getroffen, starb er um 5 Uhr früh im Alter von 20 Jahren. Er folgte seinem Bruder Josef (Juli 1916) in ein besseres Jenseits nach. Einen Monat später fiel Karl Drexler und am 8. Juli 1917 Johann Dobner.

Und weiter ging das Sterben: Am 16. Juni 1917 starb Josef Bauer, Kanonier in einem Bataillon der Fußartillerie durch einen „Volltreffer“. Am 1. August 1917 war der Kriegsfreiwillige Unteroffizier Thomas Lorenz an der Reihe. Monatelang lag er im Lazarett. An sein langes Leiden erinnerte der Spruch auf seinem Sterbebild „Ruhe wirst Du tot erst finden“. Im Frühjahr 1918 startete die deutsche Armee eine Großoffensive in Franzreich. Es galt, dem aktiven Eingreifen der Amerikaner zuvor zu kommen.

Auch waren inzwischen Truppen an der russischen Front freigeworden, die nun im Westen „verheizt“ werden konnten. An der Somme traf am 16. März 1918 eine Kugel den Kandidaten der Theologie Andreas Eckert. Er war bereits am 1. Dezember 1914 zum Heeresdienst gerufen worden. Es dauerte fast zwei Jahre bis er sich von seiner Verwundung aus der Champagne-Schlacht 1917 erholt hatte. Schmerzlich empfing der Vater die Kunde vom Heldentode seines einzigen Sohnes, umso mehr, da kurz zuvor die Mutter von Sohn Andreas im Tode vorausgegangen war. Im Schlosspark von Pinnon fiel am 27. Mai 1918 Martin Zeller. Er folgte damit seinem vor einem halben Jahr gefallenen Bruder Johann im Tode nach. Drei Tage später starb der Krankenträger Jakob Schmidt an seinen Wunden „in der großen Schlacht in Frankreich“.

Nach der Tankschlacht von Bretonneux im August 1918 war die Niederlage Deutschlands besiegelt. Für die Truppen gab es nur mehr den Rückzug. In der letzten Abwehrschacht in der Champagne wurden viele Bataillone aufgerieben. Am 26. September 1918 fiel Johann Drexler durch eine Granate und am gleichen Tag der Jüngling Franz Hierold.

Anfangs 1919 meldete die Gemeinde Moosbach an das Bezirksamt Vohenstrauß: „Im Krieg waren 143 Männer aus Moosbach. 94 kehrten wieder heim. Gefallen und vermisst sind 26, in Gefangenschaft 10. Alois Giger kehrte im Mai 1919 aus russischer Gefangenschaft zurück. Erst im September erreichte der Funker Johann Müller, ein Bruder des Hufschmiedemeisters Müller, aus einem englischen Lager die Heimat wieder, „zur größten Freunde seiner Angehörigen, unter denen leider seine Mutter fehlte, die im letzten Jahr starb“. Die Gefangenen in Frankreich wurden noch längere Zeit für Aufbauarbeiten zurückgehalten. Erst im Frühjahr 1920 kamen Johann Prem und Franz Hierold wieder zurück.

Am 11. November 1918 war Waffenstillstand. Deutschland hatte zwei Millionen Opfer zu beklagen. 190.000 Bayern kamen aus dem Krieg nicht mehr in die Heimat zurück.

Der Gasthofbesitzersohn Johann Ziegler von Moosbach und Träger des Eisernen Kreuzes war 33 Jahre alt als er fiel.

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